Wirtschaft

Diskutieren über den Einsatz von Biogas im BHKW bei Wanzl in Kirchheim (von links): Landwirt Hermann Fischer, Landrat Hans-Joachim Weirather, LEW-Vorstand Norbert Schürmann und eza-Chef Martin Sambale. (Foto: Schweinfurth)

04.11.2016

Das Unterallgäu als Vorbild für ganz Deutschland

Ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördertes Projekt soll zeigen, dass die Energiewende auch im ländlichen Raum funktioniert

Von knapp 40 Prozent auf 60 Prozent erneuerbare Energie bei Strom- und Wärmeverbrauch in nur fünf Jahren ist das Ziel des Projekts „Energiewende Unterallgäu Nordwest“. Der Landkreis Unterallgäu, das Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza) aus Kempten und die Lechwerke AG (LEW) aus Augsburg wollen zeigen, dass die Energiewende auch im ländlichen Raum funktioniert.

Seit 2009 versorgt Landwirt Hermann Fischer von der Bioenergie Spöckmühle GmbH das Produktionswerk der Wanzl Metallwarenfabrik GmbH in Kirchheim (Landkreis Unterallgäu) mit Biogas. Zwei Kilometer lang ist die Leitung, die das Blockheizkraftwerk (BHKW) auf dem Firmengelände mit der umweltfreundlichen und regenerativ erzeugten Primärenergie versorgt. „Mit der im BHKW erzeugten Wärme decken wir 30 bis 35 Prozent unseres Wärmebedarfs“, erklärt Oliver Scheppach, Energiemanger bei Wanzl. Mit dem BHKW spart Wanzl den Verbrauch von 2,5 Millionen Liter Heizöl.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Leipheim (Landkreis Günzburg) bei Ulm ist Weltmarktführer bei Einkaufswagen. Doch neben den praktischen Wagen, die jeder für seinen Einkauf im Supermarkt nutzt, liefert der global agierende Mittelständler auch Regalsysteme, komplette Ladeneinrichtungen, Backmodule für Supermärkte, Kommissionierwagen für das Befüllen der Regale in den Supermärkten, Gepäckwagen für Bahnhöfe und Flughäfen, Zeitungsständer für Flughäfen und Zugangskontrollsysteme (unter anderem für Supermärkte). „Wir beschäftigen weltweit etwa 4800 Mitarbeiter. An unseren deutschen Standorten sind es etwa 2800“, erklärt Gottfried Wanzl, Vorsitzender des Aufsichtsrats des Unternehmens. „75 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir außerhalb Deutschlands.“

Deutschlandweit einmaliger Feldversuch


Die Kooperation der Bioenergie Spöckmühle GmbH und der Wanzl Metallwarenfabrik GmbH ist ein Baustein eines deutschlandweit einmaligen Feldversuchs, der aus dem Energie- und Umweltfonds der Bundesregierung über das Bundeslandwirtschaftsministerium und dessen Projektträger, der Fachangentur für Nachwachsene Rohstoffe e. V. (FNR), mit knapp 870.000 Euro gefördert wird.
„Anerkennung für unseren bisherigen Einsatz“

„Dass wir als Modellregion für ganz Deutschland ausgewählt worden sind, ist auch eine Anerkennung für unsere bisherige Arbeit und unseren Einsatz für erneuerbare Energien“, freut sich Hans-Joachim Weirather (Freie Wähler), Landrat des Landkreises Unterallgäu. Er sieht das Projekt mit seiner fünfjährigen Laufzeit als einmalige Chance, zu zeigen, dass eine erfolgreiche Energiewende auch im ländlichen Raum funktionieren kann.

Die Schwerpunkte sollen dabei auf der Erzeugung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien, der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen bei Verbrauchern, der stärkeren Integration erneuerbare Energien in das Stromnetz und der intelligenten Energienutzung liegen. „Ob Kommunen, Bürger oder Unternehmen, alle in der Region werden davon profitieren“, betont Marin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza) aus Kempten. Das eza ist für die Umsetzung des Projekts „Energiewende Unterallgäu Nordwest“ verantwortlich.

Energie effizient nutzen


Mit neuen Beratungsangeboten, wie sie zum Beispiel schon in Winterrieden und später auch in den anderen Gemeinden der Modellregion den Bürgern mit kostenlosen Kurzchecks offeriert werden, sollen vermehrt Sanierungen und der Einsatz erneuerbarer Energien im privaten Bereich ausgelöst werden. Auch Unternehmen der Region, wie die Molkerei Ehrmann aus Oberschönegg, der Ökohaushersteller Baufritz aus Erkheim, Wanzl, das Joma Dämmstoffwerk aus Holzgünz oder das Ziegelwerk Klosterbeuren haben bereits erfolgreich Maßnahmen zur Effizienzsteigerung oder zur Nutzung erneuerbarer Energien umgesetzt. Sie wollen aber nicht stehenbleiben, sondern sich im Rahmen des Modellprojekts mit der Unterstützung von eza weiterentwickeln.

Wie stark der nordwestliche Teil des Landkreises Unterallgäu bereits „energieautark“ ist, illustriert Norbert Schürmann, Technischer Vorstand der Lechwerke AG (LEW) aus Augsburg: „Im Projektgebiet gibt es rein rechnerisch alle 260 Meter eine Anlage zur regenerativen Energieerzeugung. Damit wird die Modellregion bereits jetzt zu fast 90 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt.“ Weltweit liegt dieser Wert laut Schürmann bei etwa 23 Prozent und in Deutschland bei rund 35 Prozent.

Virtuelles Kraftwerk soll entstehen


LEW spielt als Projektpartner in der Modellregion eine zentrale Rolle. Der Energieverorger untersucht das Potenzial für ein virtuelles Regionalwerk zur besseren Systemintegration von erneuerbaren Energien. Interessenten wird LEW bei der Speicherung und Nutzung von Solarstrom für Wärmezwecke unterstützen. Im Projektgebiet liefern bereits heute rund 5800 Anlagen (davon etwa 5700 PV-Anlagen) klimaneutral Energie.

Voraussetzung für den Erfolg des Projekts „Energiewende Unterallgäu Nordwest“ ist laut eza-Chef Sambale eine enge Kooperation mit den 27 Gemeinden in der Modellregion. „Mit dem Projekt stärken wir auch regionale Wirtschaftskreisläufe und die Wertschöpfung vor Ort. Gleichzeitig reduzieren wir unsere Abhängigkeit von fossilien Energieträgern“, erläutert Landrat Weirather.
(Ralph Schweinfurth)

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