Wirtschaft

Bürger wollen mitentscheiden, wenn sich in ihrem Umfeld etwas ändern soll. (Foto: dapd)

02.12.2011

Wenn der Bürger mitreden darf, macht er auch mit

Kommunen sind zentrale Spieler der Energiewende in Bayern

Die Veranstaltung „Energieeffiziente und nachhaltige Stadtentwicklung“ des bayerischen Innenministeriums in Kooperation mit der Energieregion Nürnberg e. V. in der Frankenmetropole machte deutlich: Die Kommunen spielen eine zentrale Rolle, wenn die Energiewende in Bayern bis 2022 klappen soll.
„Lebendige Ortszentren ersparen Zeitaufwand und lange Wege. Doch die Stadt der kurzen Wege ist auch aus energetischen Gesichtspunkten ein wichtiges Ziel!“ Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) stellte anschaulich dar: Die von der Staatsregierung beschlossene Energiewende beginnt in der Kommune – und sie funktioniert nicht ohne das Mitwirken der Städte und Gemeinden. Doch die dürften nicht vergessen: „Alle Interessensgruppen frühzeitig einbinden!“
Außerdem hofft Minister Herrmann auf „mehr Kooperation der Gemeinden untereinander und private Investoren“. Den zahlreich versammelten Bürgermeistern und kommunalen Baufachleuten empfahl er mit Blick auf immer mehr entstehende Wind-, Solar- oder Biomassekraftwerke: „Eine Rahmenplanung für energetische Entwicklung aufstellen – was gehört wohin? Und: Kommunen sollten nicht alleine vor sich hinarbeiten, sondern auch unter dem Gesichtspunkt einer kommunalen Zusammenarbeit mit den Nachbarn reden.“ Dabei gilt für ihn: „Wenn man etwas Tragfähiges will, braucht man ein Gesamtkonzept, sonst kommt nur ein Gestopsel raus.“ Für die Erstellung solcher Energiekonzepte sicherte der Minister finanzielle Unterstützung zu.
Bayerns Kommunen brauchen die kommunale Energiewende indes nicht bei Null zu beginnen. Beispiele gibt es überall im Freistaat, und das nicht nur in Großstädten. Ideenreichtum beweist gerade die 2500-Einwohner-Gemeinde Wildpoldsried im Allgäu (Staatszeitung berichtete). Dort wird seit 1999 „unter Einbindung der Bürger ein ökologisches Profil erarbeitet, das sowohl regional, bayernweit und international ausgezeichnet wurde“ und die der persönlich engagierte Bürgermeister Arno Zengerle (CSU/Freie Bürger/Freie Wähler) in Nürnberg sichtlich stolz erläuterte.
„Die Bürger müssen überzeugt sein, dass sie etwas Richtiges, etwas Gutes tun. Die Hürde ist gar nicht so hoch, wenn die Leute ein griffiges Beispiel haben“, gab Zengerle dem Innenminister Recht. Wichtig sei: Der Bürgermeister müsse selbst überzeugt sein von der Richtigkeit des Handelns, dann werde er die Bürger mitnehmen. „Das kann ein Landwirt oder ein Metzgermeister auch“, rief er auch ehrenamtliche Ortschefs zum nachhaltigen Handeln auf. Das Nebeneinander von „konservativ – die Kirche im Dorf und den sichtbaren Windrädern nach dem Motto: Bei Neuem sind wir mit dabei“ funktioniere dann fast von alleine. Vor allem, wenn „unterm Strich was hängenbleibt“, was in Wildpoldsried der Fall und in Schwaben immens wichtig sei, so der Bürgermeister.
In (Groß-)Städten sind es oft nicht die Bürger und Stadtoberen selbst, sondern Wissenschaftler, die nachhaltige Stadtentwicklung voranbringen. Nürnbergs Weststadt ist nach den Pleiten von AEG und Quelle ein ziemlich brachliegendes Gebiet. In diesem „Stadtlabor Nürnberg West versuchen wir aktiv am Ziel Minus 80 Prozent CO2 bis 2050 mitzuarbeiten. Wir stehen dabei am Anfang“, gab Professor Werner Lang von der TU München zu. Doch es gelte ja auch, „keine kurzfristige Entscheidung zu treffen, sondern die richtige für die sozio-ökonomische Entwicklung über Generationen.“ Bei nachhaltiger Stadtentwicklung gehe es „um vielfältige Bedürfnisse, nicht nur um materielle, sondern auch um Sicherheit, persönliche oder soziale Bedürfnisse. Und ganz oben steht Selbstverwirklichung, also Zufriedenheit und Glück der Menschen.“ Dies sind die Grundzüge Professor Langs Ideen, die Weststadt Nürnberg zu „einem nachhaltigen, lebenswerten Quartier zu entwickeln. Nachhaltig sind nicht nur Wärmeverbundsysteme.“ Es gehe vielmehr für Nürnbergs Weststadt um ein integratives Stadtentwicklungskonzept, wie es unter dem Kürzel InSEK bereits vielerorts entstehe.
Peter H. Richter, Geschäftsführer der Kompetenzinitiative ENERGIEregion Nürnberg e.V. (ERN), stellte klar, wie wichtig Information und Beratung über Energiethemen sei. Die in Franken ins Leben gerufene Energieagentur Nordbayern „deckt von Ansbach bis Aschaffenburg die Beratung vor allem von Kommunen ab und bietet einen Mehrwert zur Optimierung von Energiethemen.“ Selbst ein funktionierendes Energieberaternetzwerk gehöre dazu.
Auch die Hochschullandschaft von Triesdorf über Ansbach bis Bamberg, von Würzburg über Erlangen bis Nürnberg habe in Nachhaltigkeits- und Energiethemen ein hervorragendes Profil. Und mit dem Energie-Campus Nürnberg werde voraussichtlich in Nürnbergs Weststadt ein Energie-Forschungsstandort entstehen, der seinesgleichen sucht, so der ERN-Geschäftsführer.
Richters „Vision, die Metropolregion Nürnberg in Fragen der Energieeffizienz, der erneuerbaren Energien und der Schaffung dezentraler Energie-Strukturen an die Spitze in Europa zu führen“, hat gute Gründe: „Mit 50 000 Menschen in 2000 Firmen, die sich mit Energiethemen beschäftigen, sind wir schon heute europaweit betrachtet hierfür gut aufgestellt.“ Ebenfalls ein Beispiel, an dem sich andere Regionen und Kommunen ein Beispiel nehmen können.
(Heinz Wraneschitz)

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