Bauen

Die Asphaltdeckschicht im Bereich des „Lenkenhammerfels“ wurde im Frühjahr 2022 eingebaut. (Foto: Drohnenbilder-Weiden)

24.11.2022

Auf alten Bahnwegen durch den Oberpfälzer Wald

Staatsstraße 2159 zwischen Gaisthal und Schönsee neu gebaut

Die Staatsstraße 2159 durchquert den Landkreis Schwandorf von der Anschlussstelle Schwarzenfeld (A 93) bis zum Grenzübergang Schwarzach im Nordosten des Landkreises und stellt eine wichtige regionale Ost-West-Verbindung dar. Die Staatsstraße 2159 wird im gesamten Verlauf regelmäßig von der ehemaligen Bahnstrecke Nabburg – Schönsee begleitet und gequert. Der erste Personenzug befuhr die Strecke bis Oberviechtach bereits Mitte 1904, ehe der Bahnbetrieb 1913 auf der darauffolgenden Strecke bis Schönsee aufgenommen werden konnte. Seit 1976 wurde die Strecke allerdings sukzessive eingestellt und teilweise zurückgebaut. Nach der endgültigen Stilllegung der verbliebenen Mitte der 1990er-Jahre kann mittlerweile die gesamte Bahntrasse mit dem Rad befahren werden und ist Teil des Bayerisch-Böhmischen Freundschaftswegs.

Im letzten Abschnitt dieser ehemaligen Bahntrasse verläuft die Staatsstraße 2159 zwischen Gaisthal und Schönsee auf rund zwei Kilometer parallel durch das Aschatal. Während die davor- und dahinterliegenden Abschnitte bereits neuzeitlich ausgebaut werden konnten, wies der dazwischenliegende Abschnitt aufgrund der anspruchsvollen Topografie und beengter Verhältnisse eine unstetige und teils steile Streckencharakteristik auf. Der im Naturpark „Oberpfälzer Wald“ liegende Abschnitt durchquert hier eine „geologische Aufwölbungszone“ mit den beiden Naturdenkmälern „Hammerfels“ und „Lenkenhammerfels“. Zwei markante Felsformationen, die bereits steile Einschnitte durch die ehemaligen Trassen aufwiesen.

Für die neue Straßentrasse standen somit nur begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die rund 2,7 Kilometer lange Ausbaustrecke sollte daher wo immer möglich dem bestehenden Fahrbahnverlauf folgen. Auch die Einbindung der alten Bahntrasse bot sich im beengten Talraum an. Die hierdurch entstehenden Lücken im Radwegenetz mussten fortan ebenfalls betrachtet werden. Auf dem ersten, rund einen Kilometer langen Streckenabschnitt wurde der alte Verlauf der Staatsstraße 2159 weitgehend einbezogen. Im weiteren Verlauf wurde dann auf die ehemalige Bahntrasse abgeschwenkt, um dieser über knapp 1,1 Kilometer zu folgen (Abb. 1, ab Bildmitte). Hierbei wurde auch der vorhandene Einschnitt im Lenkenhammerfels in die Trassenplanung miteinbezogen.

Auf den letzten, knapp 300 Metern erfolgt dann der Übergang von der ehemaligen Bahntrasse auf den bereits ausgebauten Bereich der Staatsstraße 2159 in Richtung Schönsee. Der verlegte Radweg wird ab dem alten Bahnübergang (siehe Abb. 1) für rund 400 Meter auf der alten Staatsstraße 2159 und anschließend straßenbegleitend durch den Lenkenhammerfels geführt, um wieder an den bestehenden Radweg auf der alten Bahntrasse anzubinden. Als Straßenquerschnitt wurde aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein Regelquerschnitt RQ 9,5 gewählt. Somit konnten die Eingriffe in Natur und Landschaft im Vergleich zu einem größeren Regelquerschnitt reduziert werden. Innerhalb enger Kurvenbereiche wurde der Querschnitt um 0,5 Meter aufgeweitet, um einen sicheren Begegnungsverkehr gewährleisten zu können. Zur Kompensation der Eingriffe in Natur und Landschaft werden neben einer Vielzahl von Maßnahmen beispielsweise ein Wanderkorridor zum Erhalt und zur Sicherung der Lebensraumvernetzung wertgebender Arten (vor allem Kreuzotter, weitere Reptilien und Amphibien) sowie Kleintierdurchlässe angelegt.

Bereits 2019 wurde mit den vorbereitenden Arbeiten begonnen. Nachdem im Winter die Rodungsarbeiten erfolgten, konnten ohne große Verkehrseinschränkungen die erforderliche Verlegung der Ascha durchgeführt und die neue Brücke über den Forellenbach fertiggestellt werden. Anfang 2021 begannen dann die umfangreichen und aufwendigen Hauptbaumaßnahmen unter Vollsperrung der Staatsstraße 2159 zwischen Gaisthal und Schönsee. Hierbei musste jedoch die Erreichbarkeit von Einzelanwesen und eines 50 Mitarbeiter zählenden Gewerbebetriebs dauerhaft sichergestellt werden. Neben dem regulären Straßenverkehr war außerdem eine adäquate Umleitungsstrecke für den Radverkehr einzurichten.

Für die anspruchsvollen Fels- und Erdarbeiten rückte das leistungsfähige, regionale Unternehmen mit schwerem Gerät an. Mit umfangreichen Lockerungssprengungen, 60-Tonnen-Bagger, mehreren Dumpern und vielen weiteren Großgeräten wurde die Trasse zunehmend in den Fels „gesprengt“. Durch den anstehenden und in vielen Bereichen äußerst hartnäckigen Gneis musste sogar die Herstellung der Rohrleitungsgräben mit Lockerungssprengungen vorbereitet werden. Die teilweise bis zu 30 Meter hohen, felsigen und steilen Einschnittsböschungen erforderten entsprechende Felssicherungsmaßnahmen. Für die Ausführung wurde hier ein österreichisches Spezialunternehmen beauftragt.

Durch ein flächig und konturnah aufgelegtes, hochfestes Stahldrahtgeflecht in Verbindung mit Felsnägeln und sogenannten Spritzbetonknaggen, dies sind rückverankerte, bewehrte und drainierte Spritzbetonbereiche, wird zukünftig die Verkehrssicherheit auf der Staatsstraße und dem Radweg sichergestellt. Da die tatsächlichen Felsverhältnisse zumeist erst an der fertiggestellten Böschung zu erkennen waren, wurde der Umfang der Felssicherungsmaßnahmen wöchentlich mit der geologischen Baubegleitung vor Ort festgelegt.

Der ausgebaute Fels wurde mit Brechern vor Ort aufbereitet und als Frostschutz wieder in der Strecke eingebaut. Somit konnte der Bedarf von rund 20 000 Kubikmeter Frostschutzmaterial komplett aus der Maßnahme gewonnen werden. Die auf der Seitenablagerung verbleibenden Überschussmassen wurden als Lebensraum für die Kreuzotter aufgewertet und somit sinnvoll in das Ausgleichskonzept integriert.

Bereits Ende 2021, nach nur neun Monaten Bauzeit konnte die neue Staatsstraße 2159 zwischen Gaisthal und Schönsee für den Verkehr freigegeben werden. Restarbeiten und der Einbau der Asphaltdeckschicht wurden Anfang 2022 unter dreiwöchiger Vollsperrung abgeschlossen. Insgesamt eine fordernde aber für alle Beteiligten äußerst interessante Baumaßnahme, die von Autofahrern und Radfahrern nun gleichermaßen bewundert werden kann.
(Björn Letz)
 

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