Bauen

Ein Kran transportiert Baustoffe auf einer Baustelle. In Bayerns Baubranche werden laut dem Präsidenten des Landesverbandes Bayerischer Bauinnungen auch weiterhin neue Jobs entstehen. (Foto: dpa/Jessica Lichetzki)

14.11.2022

Baubranche schafft trotz Umsatzeinbruchs neue Jobs

Bayerns Baufirmen kämpfen mit mehreren Problemen gleichzeitig: Auftragsstornierungen, schlechte Konjunkturaussichten, Fachkräftemangel, rasant steigende Kosten. Die gute Nachricht: Stellenabbau ist nicht in Sicht, im Gegenteil

Bayerns mittelständische Baufirmen wollen trotz schwieriger Zeiten neue Arbeitsplätze schaffen. Das kündigte der Präsident des Landesverbandes Bayerischer Bauinnungen (LBB), Wolfgang Schubert-Raab, am Montag in München an.

Obwohl sehr viele Firmen im kommenden Jahr Umsatzeinbrüche erwarteten, stellten sie weiter neue Mitarbeiter ein. "Der Beschäftigungsaufbau wird meines Erachtens weiter gehen", sagte Schubert-Raab. Ende Oktober arbeiteten knapp 173 600 Menschen in der Branche, fast 43 000 mehr als vor zehn Jahren.

Dabei sind die Geschäftsaussichten derzeit eher trist. Schubert-Raab erwartet für das kommende Jahr Umsatzrückgänge von sieben bis elf Prozent. Einen besonders harten Dämpfer wird nach Einschätzung des Verbandes der Wohnungsbau hinnehmen müssen. Aber auch die Zahl öffentlicher Bauaufträge geht demnach zurück.

Zu den Ankündigungen von Bundes- und Staatsregierung, am Bau nicht sparen zu wollen, sagte der Verbandschef: "An der Umsetzung hapert es doch sehr deutlich."

Preise um fast ein Drittel erhöht

Umsatzrückgänge bis zu elf Prozent würden voraussichtlich einen noch größeren Rückgang im realen Baugeschäft bedeuten. Denn ansonsten steigen die Umsätze in diesem Jahr allein wegen der hohen Inflation, auch wenn die tatsächliche Bauleistung an neuen Häusern, Straßen und Wohngebäuden stagnieren oder zurückgehen sollte.

Nach Schubert-Raabs Angaben haben die bayerischen Baufirmen ihre Preise in diesem Jahr bereits um 25 bis 30 Prozent erhöht. Laut Statistischem Landesamt war der Umsatz des bayerischen Bauhauptgewerbes im September nominal um 7,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Beim Bauhauptgewerbe werden die Handwerker nicht mitgezählt, die die Rohbauten ausbauen, also etwa Elektriker, Klempner, Dachdecker und Installateure.

Wohnungsbauverband rechnet mit deutlichen Investitionsrückgängen

Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen erwartet wegen der Energiekrise für 2023 deutliche Rückgänge sowohl im Wohnungsneubau als auch bei Modernisierungen. "Viele Verbandsmitglieder werden ihre Investitionstätigkeit einschränken", sagte Verbandsdirektor Hans Maier. Viele Wohnungsunternehmen machen sich demnach Sorgen die Kassenlage. "Mehr als jedes fünfte Wohnungsunternehmen schätzt die Liquiditätssituation derzeit als risikobehaftet ein", sagte Maier dazu. Die Mitgliedsunternehmen des VdW verwalten rund 540 000 Wohnungen.

Nach wie vor gibt es nicht wenige Bauherren, die bereits vergebene Aufträge wegen der rasant gestiegenen Kosten wieder streichen. Laut Ifo-Institut meldeten im Oktober bundesweit 11,3 Prozent der Bauunternehmen stornierte Aufträge. "Angesichts der oft kaum mehr kalkulierbaren Baukosten und rasch steigenden Bauzinsen werfen viele Bauherren das Handtuch", sagte Ökonom Felix Leiss. Besonders viele Stornierungen gibt es laut Ifo im Wohnungsbau. (Carsten Hoefer, dpa)

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