Bauen

Die Eingangsfassade des NAWAREUM in Straubing empfängt die Besucherinnen und Besucher mit einer Baumallee aus Lärchenholzstämmen. Am Eingangsbereich erweitert sich die Allee dann zu einem Vorplatz. (Foto: Herbert Stolz, Regensburg)

10.03.2023

Baumstämme vor der Fassade

Neues Museum für Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Straubing

Wer sich über die Zukunftsthemen erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe sowie über einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen umfassend und anschaulich informieren möchte, findet in Straubing eine neue zentrale Anlaufstelle: Am 3. März 2023 wurde das NAWAREUM, ein Museum für Nachhaltigkeit und Klimaschutz des Technologie- und Förderzentrums im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing. eröffnet. Das NAWAREUM macht in wechselnden und dauerhaften Ausstellungen die Geschichte, Gegenwart und Perspektiven der erneuerbaren Energien und nachwachsenden Rohstoffe sowie deren Produktion, Verarbeitung und Vermarktung didaktisch und szenografisch für Jung und Alt aufbereitet erlebbar.

Das NAWAREUM hat seinen Sitz in einem Museumsneubau, der in seiner Baukonstruktion und Gebäudetechnik selbst Teil der Ausstellung ist. Für das Staatliche Bauamt Passau, das mit der baulichen Realisierung des Neubaus beauftragt war, galt es dabei, den Anspruch als Ausstellungsexponat mit den hohen Anforderungen des Qualitätsstandards eines naturkundlichen Museums sowie dem energetischen Standard eines Passivhauses zu verbinden. So wurde der Neubau auf 2450 Quadratmetern Nutzfläche über einem Untergeschoss aus Stahlbeton weitestgehend in Holz konstruiert.

Tragende Außenwände und ein Dachtragwerk aus Brettsperrholz-Rippenplatten, Leimholzstützen aus Nadelholz, Innenwände und Treppen aus Brettsperrholz sowie eine aus Brettstapelelementen konstruierte Holz-Beton-Verbunddecke, deren Unterseite als Holz-Akustikdecke in Sichtqualität ausgebildet ist, sind die vorherrschenden Materialien.

Auf dem Weg durch die Ausstellung, die sich über drei Geschosse erstreckt, sorgen hohe Lufträume für interessante Einblicke und Orientierung im Gebäude. Das Zentrum der Ausstellung bildet eine über drei Geschosse hohe, begehbare Großplastik als Ausstellungseinheit zu den Fragen des Klimaschutzes und der Lebensgrundlagen. 

Die mit der Ausführungsplanung und Bauleitung für den Neubau beauftragte Dömges Architekten AG aus Regensburg konzipierte als Gestaltungselement entlang der mit Waldmotiven bedruckten verglasten Südfassade eine Allee aus unregelmäßig angeordneten freistehenden Baumstämmen. Im Eingangsbereich erweitert sich die Baumallee zu einem Vorplatz mit der Assoziation an eine Waldlichtung und vermittelt so den Inhalt des neuen Erlebnis- und Informationsorts zu nachwachsenden Rohstoffen und regenerativer Energie auch nach außen. Es ist tatsächlich ein Stück Bayerischer Wald, der die Besucherinnen und Besucher am Eingangsbereich des NAWAREUM empfängt: Die 79 entrindeten Lärchenholzstämme der Baumallee kommen aus dem Forstrevier Bodenmais und wurden von den Bayerischen Staatsforsten für das NAWAREUM kostenlos zur Verfügung gestellt.

Auch bei der Energieversorgung des Museums wurden innovative Wege beschritten: Der energetische Standard entspricht den erhöhten Anforderungen des Passivhausbaus. Im Sinne des Klimaschutzes vorbildlich ist die Erzeugung von Heizenergie und Prozesskälte über Geothermie aus rund 40 Erdwärmesonden. In Verbindung mit einer Wärmepumpenanlage, ergänzt durch den Einsatz von Solar- und Photovoltaikanlagen kann damit der Energiebedarf des Gebäudes weitgehend über regenerative Energieträger gedeckt werden. Für im Einzelfall benötigte Energiespitzen steht zudem ein Anschluss an das vorhandene Biomasseheizwerk des Technologie- und Förderzentrums zur Verfügung.

Durch den Einsatz von Geothermiesonden, die bis zu 30 Meter in die Tiefe reichen, einer sorptionsgestützten Wärmerückgewinnung sowie Solar- und Photovoltaikanlagen kann im Vergleich zu konventioneller Energieerzeugung eine CO2-Einsparung von jährlich 83 Tonnen erreicht werden. Entsprechend den Anforderungen zur Elektromobilität wurde auch eine Ladestation für Elektrofahrzeuge errichtet. Das Regenwasser der Dächer wird einer Zisterne zugeführt. Dieses Niederschlagswasser deckt größtenteils den sommerlichen Wasserbedarf für die Schau- und Lehrgärten. Das Oberflächenwasser der versiegelten Flächen des Grundstücks wird über Rigolen versickert.

900 beleuchtete Altglasflaschen

Um den erreichten Standard nachhaltigen Bauens beim Neubau des NAWAREUM nicht nur qualitativ beschreiben, sondern auch quantitativ bewerten zu können, war dem Leiter des Staatlichen Bauamts Passau, Norbert Sterl, ein besonderes Anliegen. Das Staatliche Bauamt Passau beauftragte daher den Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen der Technischen Universität München mit einer Studie zur ökologischen Bilanzierung der verbauten Bauteile, Baustoffe und ausgewählter Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung.

Bei einer vergleichenden Gegenüberstellung wurde im Ergebnis festgestellt, dass das Treibhauspotenzial des Museums weniger als die Hälfte eines konventionellen Verwaltungsgebäudes in Stahlbetonbauweise beträgt. Während sich bei der technischen Gebäudeausrüstung aufgrund des annähernd gleichen Materialeinsatzes das Treibhauspotenzial beider Gebäudetypen kaum unterscheidet, erzeugt das Museum dagegen im Betrieb aufgrund des weitgehenden Einsatzes regenerativer Energieträger nur einen Bruchteil der CO2-Emissionen eines konventionellen Gebäudes. Wollte man den insbesondere durch die Gründung und das Kellergeschoss aus Beton verursachten Anteil an grauen Emissionen nachträglich noch kompensieren und bezogen auf eine angenommene Nutzungsdauer von 70 Jahren ein klimaneutrales Gebäude schaffen, so ließe sich dies laut Studie zur Ökobilanzierung durch eine ergänzende Neupflanzung von 374 Bäumen erreichen. 

Im Foyer des NAWAREUM verbindet sich künstlerische Gestaltung und Nachhaltigkeit in gelungener Weise. Der Künstler Tom Kristen aus Weil bei Landsberg am Lech schuf im Rahmen eines Wettbewerbs zur Kunst am Bau eine großformatige „Welle“, so auch der Titel des Kunstobjekts, aus rund 900 steuerbar beleuchteten Altglasflaschen, die von der Decke abgehängt über dem Treppenraum schweben.

Das rund 4 mal 4 mal 2,4 Meter große Kunstwerk beeindruckt durch ihre Leichtigkeit und ihr Licht, ihren Bezug zu Recycling sowie Nachhaltigkeit und erschließt sich den Besucher*innen in Material, Worten und Zitaten, die auf die Flaschen aufgebracht wurden. Auf dem Weg von der Eingangshalle über die Foyertreppe zum Ausstellungsbeginn im Untergeschoss wechseln die Perspektiven auf die Welle, die von unten wie ein leuchtender Pixelbildschirm erscheint. Diese Inszenierung einer leuchtenden Glasflaschenwelle als Innenraumgestaltung fügt sich perfekt in das Programm der Berliner Ausstellungsplaner Holzer Kobler Architekturen GmbH, deren Aufgabe es war, im NAWAREUM Nachhaltigkeit mit allen Sinnen erlebbar zu machen. 

Die Gesamtkosten des Neubaus betragen einschließlich der Museumseinbauten 27 Millionen Euro, die vom Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerium gemeinsam finanziert werden. Die Baumaßnahmen für das NAWAREUM sind damit nicht beendet. Das Staatliche Bauamt Passau ist beauftragt, in einem zweiten Bauabschnitt Planungen für die Gestaltung des Zugangsbereichs zwischen dem NAWAREUM und dem Technologie- und Förderzentrum sowie für die Unterbringung eines Pädagogikbereichs in dem denkmalgeschützten ehemaligen Gärtnereigebäude, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum NAWAREUM befindet, zu erstellen. Die Abbruch- und Entsorgungsarbeiten zur Vorbereitung des Baugrundstücks sind bereits durchgeführt. (Sabine Süss)
 

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