Bauen

Der Monobogen als Hingucker. (Foto: www.ad-photographer.com, Tom Bauer)

12.03.2020

Der Monobogen ist das optische Highlight

A 3: Verkehrsfreigabe für den sechsstreifigen Ausbau westlich der Anschlussstelle Rohrbrunn bis zur Haseltalbrücke

Im Anschluss an den sogenannten Kauppenaufstieg der A 3 bei Weibersbrunn schließt sich westlich der neuen Anschlussstelle Rohrbrunn bis zur Haseltalbrücke das aus topografischer Sicht mit etwa 500 Meter am höchsten gelegene Baulos zwischen Aschaffenburg und Würzburg an, der „Hochpunkt der Spessartquerung“. Bei Wintereinbrüchen liegt hier zuerst und dann zumeist auch am längsten Schnee.

Der sechsstreifige Ausbau der A 3 von westlich der Anschlussstelle Rohrbrunn bis westlich der Haseltalbrücke hat eine Bauloslänge von fünf Kilometern. Er bildet einen Teil des durchgehend geplanten sechsstreifigen Ausbaus der Bundesautobahn A 3 von Aschaffenburg bis Würzburg.

Statt der bisherigen vier Fahrstreifen mit 2 x 11,50 Meter Fahrbahnbreite werden künftig sechs Fahrstreifen mit 2 x 14,5 Meter Fahrbahnbreite den Verkehr aufnehmen. Der gesamte Streckenabschnitt befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Spessart. Beidseitig entlang der Autobahntrasse verlaufen die Grenzen des europäischen Vogelschutzgebiets „Spessart“ und des FFH-Gebiets „Hochspessart“. Deshalb wurde der Ausbau überwiegend bestandsnah geplant. Lediglich östlich der Tank- und Rastanlage Spessart erhält die ausgebaute Autobahn auf einer Länge von 1,5 Kilometern eine neue Linienführung. Die neue Trasse der Autobahn liegt in diesem Bereich auf dem bisherigen Verlauf der Staatsstraße St 2312.

Vor Beginn des Autobahnausbaus musste die St 2312 daher auf 1,8 Kilometern Länge verlegt werden. Durch die neue Linienführung kann die bisher sehr enge Radienführung wesentlich optimiert werden. Im vorliegenden Abschnitt war die bisherige Anschlussstelle Rohrbrunn in die Tank- und Rastanlage Spessart integriert. Sie bindet die St 2312, St 2316 und die St 2317 an die A 3 an. Die Anschlussstelle Rohrbrunn wird im Rahmen des Autobahnausbaus aus der Tank- und Rastanlage Spessart nach Westen auf Höhe der kreuzenden St 2317 als neue Anschlussstelle verlegt.

Im Zuge des Ausbaus werden sämtliche Entwässerungseinrichtungen neu hergestellt. Durch die Anordnung von Absetz- und Regenrückhaltebecken wird das Wasser der Fahrbahnen und der Einschnittsböschungen gesammelt in den Absetzbecken mechanisch gereinigt und über die Regenrückhaltebecken gedrosselt den Vorflutern zugeführt.

Der erste Spatenstich fand am 30. Juni 2016 statt. Ab Juli 2016 erfolgte die erforderliche Standstreifenertüchtigung der Richtungsfahrbahn Frankfurt. Über die Wintermonate ruhten zwar die Arbeiten an der Autobahn, abseits der Strecke wurden jedoch Rückhaltebecken sowie eine hohe Dammverbreiterung hergestellt. Zudem erfolgte die Verlegung der St 2312, was Voraussetzung für den weiteren Bau der Autobahn ab 2017 war. 70 000 Kubikmeter Erdabtrag waren für die Verlegung der Staatsstraße erforderlich, damit die neue Trasse Anfang September 2017 an das neue, weithin sichtbare Überführungsbauwerk der A 3, den Monobogen, angebunden werden konnte.

Der Monobogen ist sicherlich das optische Highlight dieses Bauloses, vielleicht sogar des gesamten Abschnitts zwischen Aschaffenburg und Würzburg. Mit der Ausführung des Bauwerks als Stahlbogen mit Seilabspannung des Stahlverbundüberbaus entstand ein gestalterisch prägnantes Ingenieurbauwerk. Das neue Bauwerk ist aufgrund seiner exponierten Lage über der Bundesautobahn eine weithin sichtbare Wegmarke am Hochpunkt der Spessartquerung.

Bautechnisch stellte die Brücke höchste Anforderungen. Geringe Fertigungstoleranzen mussten eingehalten werden, damit die speziell für dieses Bauwerk angefertigten Stahlseile eingebaut werden konnten. Wären die Seile auch nur um wenige Zentimeter zu kurz gewesen, hätten die Seile neu gefertigt werden müssen. Dies hätte zeitliche Verzögerungen von mindestens einem halben Jahr nach sich gezogen.

Neben den Herausforderungen des Brückenbaus galt es, beim Straßenbau die sehr großen Erdmassenbewegungen zu bewältigen. Etwa eine Million Kubikmeter Boden wurden – teilweise über Zwischenlager – gelöst, im Baufeld transportiert und wieder eingebaut. Die im Untergrund anstehenden Felsmassen wurden zum Teil durch Sprengungen aufgelockert. Zwischenlager ragten teilweise 20 Meter in die Höhe.

Innerhalb von zwei Jahren wurden die beiden Richtungsfahrbahnen hergestellt. In der ersten Bauphase wurde die Richtungsfahrbahn Nürnberg fertiggestellt. Der Verkehr lief ab Ende 2017 über die Trasse der verlegten Autobahn und somit durch einen neuen etwa 40 Meter tiefen Einschnitt und über das erste Teilbauwerk der neuen Talbrücke Rohrbuch.

In den Wintermonaten 2017/2018 stand die Vorbereitung des Brückenabbruchs der alten Rohrbuchbrücke an. Aus zeitlichen Gründen sollte die Brücke gesprengt werden, um nach der erfolgten Sprengung unmittelbar mit dem Bau des zweiten neuen Teilbauwerks der Talbrücke Rohrbuch beginnen zu können. Zwar liefen die Planungen zur Sprengung planmäßig, allerdings wurde bei den Vorbereitungen der Sprengung in der alten Brücke ein großes Fledermauswinterquartier entdeckt. Die Sprengung konnte erst mit drei Monaten Verspätung, nachdem die Fledermäuse ihr Winterquartier verlassen hatten, durchgeführt werden.

Durch die Verzögerungen beim Bau der Rohrbuchbrücke konnte Ende 2018 der zweite Bauabschnitt, die Richtungsfahrbahn Frankfurt, nicht auf ganzer Länge für den Verkehr freigegeben werden. Über den Winter 2018/2019 und bis zum Jahresende 2019 mussten die Verkehrsteilnehmer noch in einer Baustellenverkehrsführung über den südlichen Teil der Brücke fahren. Die Fertigstellung des nördlichen Teilbauwerks und damit die Gesamtfertigstellung dieses Abschnitts erfolgte Ende 2019.

Die Gesamtkosten für diesen Abschnitt belaufen sich auf etwa 89 Millionen Euro.

Da bis zum Jahresende 2019 auch das Baulos östlich der Haseltalbrücke bis westlich der Anschlussstelle Marktheidenfeld bereits um ein halbes Jahr früher als geplant abgeschlossen werden konnte, ist die A 3 zwischen Aschaffenburg und der Baumaßnahme bei Würzburg seit dem Jahresende durchgängig sechsstreifig befahrbar. (Stefan Weißkopf)

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