Bauen

Die Politik muss insbesondere im Neubaubereich Impulse setzen, so LBB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab. (Foto: Bilderbox)

12.05.2023

Der Wohnungsbau bricht ein

Frühjahrsprognose des Bayerischen Baugewerbes – Konjunktur kühlt sich weiter ab

Die Baukonjunktur kühlt sich weiter ab. Vor allem im Wohnungsbau ist der Einbruch erschreckend, denn die Baugenehmigungen in Bayern rauschen in den Keller“, erklärte Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen (LBB), im Rahmen der Präsentation der Konjunkturprognose für das Frühjahr. Bereits jetzt gebe es in vielen bayerischen Regionen eine akute Wohnungsnot. Diese werde sich, so Schubert-Raab, in den kommenden Jahren wegen der weiter wachsenden Einwohnendenzahl und den viel zu geringen Wohnungsneubauten verstärken.

Stark gestiegene Zinsen für Baufinanzierungen, hohe Baustoff- und Baulandpreise, die faktische Einstellung der Neubauförderung auf Bundesebene, steigende Umweltanforderungen, sinkende Reallöhne, unsichere rechtliche und politische Rahmenbedingungen, ausufernde bürokratische Anforderungen und wachsende kostenintensive Aufgaben von Kommunen bilden toxisches Investitionsklima.

Schlechte Lage im öffentlichen Hochbau

Die Geschäftslage der Unternehmen des Baugewerbes zeigt sich im Vorjahresvergleich deutlich verschlechtert. Im Frühjahr 2022 bewerteten 83 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage mit befriedigend bis gut. Im Frühjahr 2023 tun dies nur noch 60 Prozent der Firmen. Besonders schlecht ist laut Konjunkturprognose die Lage im öffentlichen Hochbau sowie im Wohnungsbau. Etwa jedes zweite der in diesen Segmenten tätigen Bauunternehmen klagt über eine schlechte Geschäftslage. Aber auch im Straßen- und Tiefbau sowie im Wirtschaftsbau hat sich die Lage spürbar verschlechtert.

Jedes zweite Bauunternehmen erwartet laut Schubert-Raab eine Verschlechterung seiner Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten. Besonders pessimistisch sind die im Wohnungsbau tätigen Firmen. Hier erwarten zwei von drei eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Nur im Ausbauhandwerk bietet sich ein deutlich besseres Bild.

Die Auftragsbestände der Unternehmen sind erheblich geschrumpft. Zwar bewerten 38 Prozent der Betriebe ihren Auftragsbestand als ausreichend, aber nur noch jedes siebte Unternehmen mit gut. Für 47 Prozent aller Betriebe (Frühjahr 2022: 20 Prozent) ist der Auftragsbestand aber aktuell zu klein, um das Unternehmen in den kommenden Monaten auszulasten.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Baugewerbe gegenüber dem Vorjahr mit rund 5 Prozent sinkenden Nominalumsätzen. Die reale Umsatzentwicklung im gesamten Baugewerbe wird voraussichtlich rund 10 Prozent unterhalb des Vorjahrs liegen, so der LBB-Präsident. Zwei von drei befragten Unternehmen erwarten für 2023 geringere oder deutlich geringere Umsätze als in 2022. Im Wohnungsbau trifft dies sogar auf 76 Prozent aller Bauunternehmen zu.

Trotz ungünstiger konjunktureller Vorzeichen wollen rund drei Viertel aller Betriebe die Zahl ihrer Beschäftigten halten, doch erstmals seit vielen Jahren wollen mehr Betriebe die Beschäftigtenzahl verringern als erhöhen (8,6 Prozent). Die Zahl der Auszubildenden wollen 13,2 Prozent verringern, 60,7 Prozent halten und 26 Prozent erhöhen.

Bei der Verfügbarkeit der wichtigsten Bauprodukte ist im Frühjahr 2023 eine Entspannung festzustellen. Bei den Preisen für Baustoffe, die die letzten Jahre spürbar teurer wurden, deutet sich ein Ende dieser Entwicklung an, berichtete Schubert-Raab. Jedes zweite Unternehmen erwartet für die nächsten Monate etwa gleichbleibende Einkaufspreise für Baustoffe. Auch der Baupreisanstieg wird sich nach Ansicht der Branche heuer verlangsamen.
Angesichts dieser doch eher weniger erfreulichen Entwicklungen und einer Nettozuwanderung von rund drei Millionen Menschen seit 2015 muss, so der LBB-Präsident, die Bundesregierung die dramatisch veränderte Situation anerkennen und ihre Politik entsprechend anpassen. Andernfalls werden in diesem Jahr in Deutschland anstatt der jährlich mindestens benötigten 400 000 Wohnungen nicht einmal 250 000 Wohnungen gebaut werden.

Damit würden Deutschland die Wohnungen ausgehen und die Schwere zwischen Bedarf und Angebot würde immer weiter auseinanderklaffen, so Schubert-Raab. Der LBB-Präsident fordert daher von der Bundesregierung schnelle und durchschlagende Maßnahmen. Insbesondere im Neubaubereich müsse die Politik Impulse setzen. „In der Wohnungsbauförderung braucht es jetzt eine ambitionierte, mutige und verlässliche Politik.“ Das Fördervolumen für die Neubauförderung müsse von derzeit knapp 1 Milliarde Euro auf 10 Milliarden Euro pro Jahr erhöht werden. Sowohl beim Mietwohnungsbau als auch beim sozialen Wohnungsbau müsse die Förderung zumindest für eine Übergangszeit wieder an den EH-55-Standard statt an den EH-40-Standard gekoppelt werden.

Beim Ersterwerb keine Grunderwerbsteuer

Für private Häuslebauer soll es neben der Zinsverbilligung eine – dringend notwendige – Förderung durch eigenkapitalersetzende Darlehen geben. Auch eine Befreiung von der Grunderwerbsteuer beim Ersterwerb würde nach Schubert-Raabs Ansicht Bauwilligen helfen, die Kosten zu stemmen. Im vermieteten Gebäudebestand sollte eine Angleichung der Förderung von Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle an das Niveau der Heizungsförderung und eine Verbesserung der Förderung für energetische Sanierungsmaßnahmen erfolgen. Darüber hinaus müsste das Baurecht entschlackt und von bürokratischen Fesseln gelöst werden. „Nur ein solches Maßnahmenbündel würde den Wohnungsbau ankurbeln“, ist sich Schubert-Raab sicher.

Gleichzeitig appellierte der LBB-Präsident an die Kommunen, das Investitionsvolumen in Straßen, Brücken, Wasserleitungen und Kanäle mindestens beizubehalten, um den Investitionsstau nicht noch größer werden zu lassen. „Der Bau“, so Schubert-Raab, „ist eine Zukunftsbranche, denn es gibt viele Aufgaben, die erledigt werden müssen.“ (Friedrich H. Hettler)
 

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