Bauen

Die Angiografieanlage. (Foto: Georg Schalk)

08.09.2021

Drei Viertel in der Erde

Neubau Casino, Mehrzweckhalle und Radiologie am Bezirkskrankenhaus Günzburg

Im Beisein des bayerischen Gesundheits- und Pflegeministers Klaus Holetschek (CSU) haben die Bezirkskliniken Schwaben vor Kurzem mehrere Großprojekte eingeweiht. An den Standorten Therapiezentrum Burgau und Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg wurden hierfür insgesamt 42 Millionen Euro investiert.

Während man in Burgau erst vor kurzem in den Neubau umgezogen ist, haben ein paar Kilometer weiter die neuen Großprojekte der Bezirkskliniken Schwaben am Standort Günzburg ihre Feuertaufe schon länger bestanden. Das Haus 7, in dem die Personalspeiseversorgung und die Mehrzweckhalle integriert sind, sind schon seit Beginn des Jahres in Betrieb und konnten jedoch aufgrund der Corona-Pandemie erst jetzt offiziell eingeweiht werden.

In der Kantine können Mitarbeitende der Bezirkskliniken – Günzburg ist mit 1700 Beschäftigten der größte Standort innerhalb des Gesundheitsunternehmens – und der benachbarten Kreisklinik zu Mittag essen. Nebenan steht dem BKH zum ersten Mal in seiner 106-jährigen Geschichte eine Sport- und Mehrzweckhalle zur Verfügung. Sie wird zu Therapiezwecken genutzt, dort können aber auch größere Veranstaltungen abgehalten werden, es gibt Büros für die Mitarbeitenden der Komplementärtherapie und Duschmöglichkeiten.

Laut Dirk Kriesten vom zuständigen Architekturbüro Broghammer Jana Wohlleber, Zimmern ob Rottweil, muss man sich den Neubau wie einen Eisberg vorstellen. „Das meiste sieht man nicht.“ So seien drei Viertel seines Volumens in die Erde eingegraben worden. Im Untergeschoss von Haus 7 befindet sich die Energieversorgung samt Lüftungs- und Notstromanlage. Im zweiten Untergeschoss wurde ein Containerbahnhof für die Automatische Warentransportanlage (AWT) gebaut, über die die Speisen aus dem benachbarten Dienstleistungs- und Logistikzentrum (DLZ) angeliefert werden. Alles in allem kostete das Haus 7 elf Millionen Euro.

Weitere zehn Millionen Euro wurden für das moderne und hochspezialisierte Neuroradiologiezentrum auf dem Günzburger BKH-Campus ausgegeben. Es ist seit September 2020 in Betrieb. Wie der Leitende Ärztliche Direktor des BKH, Professor Thomas Becker, bekanntgab, haben der Chefarzt des Radiologiezentrums, Professor Bernd Schmitz, und sein multiprofessionelles Team im ersten Betriebsjahr bereits 3000 Kernspintomografien, 7000 Computertomografien sowie 600 Katheter-Angiografien und Interventionen zur Schlaganfall- und Aneurysma-Behandlung durchgeführt.

Wie ein Eisberg

Das BKH Günzburg konzentriert sich als einzige Klinik in Deutschland ausschließlich auf die Versorgung von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems. Es deckt hier alle relevanten Fachrichtungen ab. Schon im Vorfeld der europaweiten öffentlichen Ausschreibungen der Großgeräte habe man entsprechende Standards definiert. Dabei gehe es nicht darum, den schönsten und besten Maschinenpark zu haben, sondern den Patientinnen und Patienten die bestmögliche Diagnose und Therapie zu ermöglichen, betont Schmitz.

Die Radiologie ist mit ihrer etwa 100-jährigen Geschichte ein relativ junges Fach, sagt Schmitz. Ein Spezialgebiet ist die Neuroradiologie, die Kopf und Wirbelsäule untersucht. Sie ist seit 2008 am Günzburger BKH vertreten. „Wir machen die Bilddiagnostik für unsere Zuweiser aus der Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie.“ Patienten aus der Psychiatrie werden im Radiologiezentrum eingehend untersucht, um somatische Krankheiten wie beispielsweise einen Hirntumor auszuschließen.

Unter einem Dach werden hier insgesamt fünf radiologische Modalitäten vereint: ein 3-Tesla-MRT der neuesten Art, die derzeit innovativste neue Angiografieanlage, ein neues Spektral-CT sowie die Standarddiagnostiken Röntgen und Durchleuchten, die umgezogen worden. „Drei neue moderne Großgeräte auf einen Schlag: Das gibt es sonst nirgends“, erklärt Schmitz.

Der MRT verfügt über eine neuroradiologische Topausstattung, die in weitem Umkreis ihresgleichen sucht, bis hin zu einer Präsentationsanlage für Bilder und Videos während der Untersuchung. Dies ist für die sogenannten funktionelle Kernspintomographie notwendig, die zur Vorbereitung komplexer neurochirurgischer Operationen erforderlich ist. Sie kommt aber besonders auch den psychiatrischen Patienten zugute, da man ihnen hierdurch die Angst vor der „engen Rohre“ nehmen kann.

Der auf neuroradiologische Anforderungen ausgerichtete Spektral-CT verfügt über eine besondere Ausstattung, die es derzeit in Deutschland nicht häufig gibt. Neben sekundenschneller Diagnose ist nun zum Beispiel möglich, bei Patienten mit schweren Schlaganfällen nach der Behandlung schneller zu entscheiden, ob es zu Komplikationen gekommen ist und rascher darauf zu reagieren. Eine spezielle Interventionsausstattung ermöglicht ein noch präziseres Vorgehen bei der CT-geführten ambulanten Schmerztherapie von Rückenleiden, einem der Hauptarbeitsgebiete der Günzburger Neuroradiologie.

Die Angiografieanlage stellt einen Innovationssprung in der Behandlung von Gefäßerkrankungen des Gehirns dar. Sie ist eine Anlage der neuesten Bauart. Im Verhältnis zur bisherigen Anlage sind Bildqualität, Auflösung und Kontrast wesentlich verbessert, vor allem aber die Fähigkeit zur dreidimensionalen Darstellung der Gefäße während Diagnostik und Therapie maßgeblich ausgebaut. Hierfür wurde die Geometrie angepasst und die Drehgeschwindigkeit mehr als verdoppelt.

Speisenversorgung, Mehrzweckhalle und Radiologiezentrum sind Bestandteile des ersten Bauabschnitts im Rahmen des Neubaus der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Günzburg, die gleichzeitig Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm ist. Mit Fertigstellung der Abschnitte 2 und 3 wird das Jahrhundert-Projekt abgeschlossen sein. Die Bezirkskliniken als Bauherrin rechnen mit Investitionskosten von annähernd 100 Millionen Euro. Am Ende werden insgesamt 290 Betten und 20 Tagesklinik-Plätze zur Verfügung stehen – so viel wie jetzt, aber eben alles in neuer Umgebung.

„Wir sehen diese Baumaßnahme als einen großen Schub bei der Erfüllung unserer Aufgabe an, für die Bevölkerung unseres Einzugsgebiets in Nord- und Mittelschwaben – integriert mit unseren ambulanten und gemeindepsychiatrischen Leistungen – eine moderne psychiatrisch-psychotherapeutische Gesundheitsversorgung im Verbund der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm sicherzustellen“, sagte Becker.

Architekt Kriesten formulierte es bei der Einweihungsfeier so: „Der heutige Tag markiert den Abschluss der ersten Etappe auf einem planerischen Marathonlauf.“ (FHH)

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