Bauen

Die neue Terrasse mit Fenster zum Saal. (Foto: Herbert Stolz)

30.07.2020

Ein modernes multifunktionales Gebäude mit Charme

Die Generalsanierung des Amerikahauses in München ist abgeschlossen

Auslöser für die Generalsanierung des jahrzehntelang unveränderten und bewährten Gebäudes des Amerikahauses in München war eine verbrauchte Haus- und Elektrotechnik sowie grundlegende Mängel in der Baustruktur. Dazu kamen geänderte Bedürfnisse. Nach Ende des Kalten Krieges zogen sich die USA aus dem Programm der deutschen Amerikahäuser zurück, die Zukunft war ungewiss.

Schließlich entschloss sich der Freistaat Bayern, das Gebäude in seiner ursprünglichen Form als einen Ort des kulturellen Austauschs zu erhalten und gründete dafür im Juni 2013 die Stiftung Bayerisches Amerikahaus gGmbH. Das Staatliche Bauamt München 1 erhielt im Oktober 2012 den Auftrag zur Sanierung des Gebäudes. Die Stiftung Amerikahaus zog 2016 aus und die Bauarbeiten konnten beginnen.

Das Gebäude steht am Karolinenplatz in der Maxvorstadt, der ersten Stadterweiterung in Form einer Gartenstadt ab 1805 im klassizistischen Stil. Als eines der ersten Gebäude wurde an der Stelle des heutigen Amerikahauses das Palais Asbeck von Karl von Fischer geplant. 1896 wurde das Palais im neubarocken Stil zum Palais Lotzbeck erweitert, welches 1944 im Krieg zerstört wurde. Mitte der 1950er-Jahre entschied man sich, die Reste abzutragen und einen Neubau für das 1948 gegründete Amerikahaus in München zu erstellen. Dieses wurde zwischen 1955 und 1957 in Eigenplanung von der bayerischen Staatbauverwaltung durch Karl Fischer und Franz Simm erbaut.

Das original erhaltene Gebäude steht unter Einzel- wie auch Ensembleschutz. Es soll als Zeichen des Wiederaufbaus und als besonderes Gebäude der 1950er-Jahre für die Gesellschaft erfahrbar bleiben. Ziel des Staatlichen Bauamts für die Sanierungsmaßnahme war es, das Gebäude und die ursprüngliche Gestaltung zu erhalten, umfassend technisch zu sanieren und an heutige Bedürfnissen anzupassen. Das forderte von dem beauftragten Planer und den Baufirmen eine besondere Sensibilität.

Das Gebäude vereint Elemente aus verschiedenen Epochen und Stilrichtungen: der Städtebau aus Zeiten der Erweiterung der Maxvorstadt als Gartenstadt mit großzügigen Grünflächen; ein in den 1950ern errichtetes Gebäude in Anlehnung an den Klassizismus und die reduzierte Formensprache Palladios; die amerikanischen Anklänge im für die Amerikahäuser essenziellen Filmvorführsaal und Gestaltung als offenes Gebäude; und die heutigen flexiblen, multifunktionalen Technik- und Nutzungsmöglichkeiten.

Nach der Entfernung der Oberflächen zeigte sich das dramatische Ausmaß des Schadens an der Baustruktur. Großflächig mussten durch Chloride belastete und aufgelöste Stahlbetonrippendecken des Gebäudes entfernt und neu betoniert werden.

Die Fassade des Gebäudes lebt von der feinen Abstimmung der Fenster, großformatig mit schmalen Fensterrahmen, der abgesetzten Natursteinbekleidung und Bändern in der Putzfassade, wie auch den Proportionen der Bauteile. Aus diesem Grund wurde eine energetische Sanierung an der Außenfassade verworfen und eine Innendämmung verfolgt.

In einem intensiven Prozess wurden verschiedene Musterfenster entwickelt, in der Optik der historischen, großformatigen Wendefenster jedoch mit verbessertem Wärmeschutz. Ein Erhalt der Bestandsfenster war leider nicht möglich, zu defekt und verzogen waren die Rahmen und Auflager. In den Obergeschossen wurde jeweils ein zweites innenliegendes Fenster und Sonnenschutz hinzugefügt. Die Aufhängungen der Natursteinfassade und die Putzflächen wurden erneuert.

Das Gebäude wurde energetisch durch eine Innendämmung aus Foamglas sowie einer Dämmung und Erneuerung der Kellerbodenplatte, der Dachhaut und des Saalanbaus verbessert. Die Haustechnik wurde umfassend erneuert und ein System aus Heizkühldecken und Lüftungsanlagen in Saal und Besprechungsräumen umgesetzt. Die Einrichtungen des vorbeugenden Brandschutzes und der Barrierefreiheit wurden erneuert und verstärkt.

Der große Saal ist das Herzstück des Gebäudes

Das Herzstück des Gebäudes, der große Saal, wurde mit einer hochwertigen Bühnen- und Medientechnik, Beleuchtung und verbesserter Akustik ausgestattet. Die Bestandsbekleidung aus Holz konnte aufgrund von Schadstoffen nicht erhalten werden und wurde durch eine Schale aus Eiche in gleicher Form ersetzt. Ein großes Fenster auf der Bühne ist ein neuer Blickpunkt und Bezug zum grünen Außenraum mit direktem Zugang zu einer neu geschaffenen rückwärtigen Terrasse.

Ein hinzugefügter unterirdischer Anbau beherbergt dringend benötigte Räume für die Bespielung der Bühne. Der ehemalige Kinosaal kann multifunktional für Theater, Konzert, Filmvorführungen, als Ausstellungsraum und für Kongresse genutzt werden. Dafür wurde die feste, ansteigende Bestandsbestuhlung durch eine freie Möblierung ersetzt.

Besonders beeindruckend ist das runde Atrium über alle Geschosse mit der Glaskuppel im Eingangsbereich. Die innere Gestaltung mit Geländer und Glaskuppel konnte erhalten, die Leuchtstoffröhren durch moderne LED-Leuchten ersetzt werden. Die Außenkuppel mit Dachkonstruktion und Abdichtung wurde erneuert.
Die Außenanlagen mit altem Baumbestand wurden landschaftsarchitektonisch gestaltet. Die genehmigten Gesamtkosten in Höhe von 27 Millionen Euro wurden eingehalten, zudem konnte das Gebäude vom Staatlichen Bauamt erfolgreich zum vereinbarten Termin an den Nutzer übergeben werden.

Die bisher im gesamten 1. Obergeschoss untergebrachte Bibliothek wurde überwiegend digitalisiert. Dadurch wurde ein großzügiger neugestalteter Saal für 100 Personen mit Blick zum Obelisken auf dem Karolinenplatz frei. Besonders abends strahlt die Beleuchtung dieser Beletage im 1. Obergeschoss besonders schön durch die markanten zylindrischen Leuchten nach außen.

Das lichtdurchflutete Atrium bietet Flächen für Ausstellungen. In der 2. und 3. Etage befinden sich Büroräume. Der große Kino- und Theatersaal kann flexibel für Veranstaltungen bis 500 Personen genutzt werden.

Das Gebäude wurde am 4. Juli 2020, dem Nationalfeiertag der USA, als bayerische Institution wieder für Besucher als offenes Haus für kulturellen Austausch und Verständigung geöffnet. Informationen zu den Ausstellungen gibt es unter www.amerikahaus.de. (Barbara Zierer)

(Das generalsanierte Amerikahaus in München; die Kuppel und der große Saal - Fotos: Herbert Stolz)

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