Bauen

Die neue Architekturfakultät von Westen aus gesehen. (Foto: Stefan Hanke)

29.09.2022

Ein quaderförmiger Baukörper

Die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg hat einen Neubau für die Architekturfakultät erhalten

Für die Architekturfakultät der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg entstand im Südosten des Campusgeländes Seybothstraße/Galgenbergstraße zwischen 2018 und 2022 ein Neubau mit fünf oberirdischen Geschossen und einem Untergeschoss mit einer Nutzfläche NF1-6 von 4675 Quadatmetern, einer Bruttogrundfläche von 10 138 Quadratmetern und einem Bruttorauminhalt von 44 045 Kubikmetern mit Gesamtbaukosten in Höhe von knapp 34 Millionen Euro.

Dieses vom Staatlichen Bauamt Regensburg betreute Bauvorhaben ermöglicht die Ausbildung künftiger Architekten, Industriedesigner und Gebäudeklimatiker und beinhaltet darüber hinaus Räumlichkeiten für den Masterstudiengang „Historische Bauforschung“ sowie für das einzigartige Friedrich-Mielke-Institut für Scalalogie, das weltweite Anfragen zur Treppenforschung bearbeitet. 

Für die Findung des planenden Architekturbüros wurde ein zweistufiges „VOF-Vergabeverfahren mit Planung – Verhandlungsverfahren mit Lösungsvorschlägen nach Teilnahmewettbewerb“ durchgeführt. Aus der abschließenden 2. Stufe dieses VOF-Verfahrens ging das international tätige Architekturbüro Henning Larsen (Kopenhagen/München) als Sieger hervor.

Die Planer entwarfen einen weitgehend quaderförmigen Baukörper mit einer Seitenlänge von 54,60 auf 31,80 Metern und einer Wandhöhe von 20,60 Metern. An der Westseite umschließt er zusammen mit einem eingeschossigen, offenen Verbindungsbauwerk und dem benachbarten Fakultätsgebäude Informatik/Mathematik (fertiggestellt 2017) einen kleinen, etwa zehn Meter breiten Innenhof, dessen Südflanke von einer freistehenden Wandscheibe mit Sitznische gebildet wird.

Das stark an typisch skandinavische Architektur-Ästhetik angelehnte, hellfarbige Innere gliedert sich in zwei übergeordnete Bereiche: Zum einen in einen sogenannten Kommunikationsbereich mit wechselnden Raumhöhen, der sich offen vom Erdgeschoss bis in das 4. Obergeschoss spiralförmig emporwindet und zum anderen in geschossweise in diese Raumspirale eingeschobene sogenannte Konzentrationsbereiche.
Die offene Raumspirale des Kommunikationsbereichs beginnt am Haupteingang und windet sich um zwei quadratische, rund 13,20 Meter voneinander entfernt angeordnete Kerne mit Fluchttreppenhäusern, Aufzug und Toiletten nach oben. Sie nimmt in den ebenen Bereichen die großen Lehr- und Arbeitsräume für die Studierenden auf, während die schrägen Treppenanteile teilweise der Erschließung, teilweise als temporäre Präsentationsbereiche und studentische Kommunikationszonen dienen (Multifunktionstreppen). 

Die zwischen dem Erdgeschoss und dem 1. Obergeschoss vermittelnde erste der fünf Multifunktionstreppen ist direkt neben dem Haupteingang platziert und ermöglicht die Nutzung als Vortragsbereich für Abendveranstaltungen der Fakultät und als erweiterte Aufenthaltsfläche der nahen Cafeteria (sogenannte Halle A). Der darunterliegende große Hörsaal mit 128 Sitzplätzen ist bis auf die hölzernen Handläufe in einer durchgehenden Schwarz-Weiß-Optik gehalten und sowohl im Erdgeschoss, als auch im Untergeschoss barrierefrei erreichbar.

Der Kommunikationsbereich mit seinen werkstattähnlichen Sichtinstallationen findet seinen Endpunkt in einer Dachterrasse im 4. Obergeschoss mit zugeordneter Sitztreppenanlage, wodurch der Bereich nicht nur für Pausen, sondern auch für Freiluftvorlesungen in der warmen Jahreszeit geeignet ist.

In jedem der Obergeschosse liegen sich jeweils ein freier Kommunikationsbereich und ein abgeschlossenerer Konzentrationsbereich einander gegenüber. Das zentrale, von oben belichtete Atrium, das vom 1. bis zum 4. Obergeschoss reicht, erlaubt interessante Quer- und Ausblicke zwischen diesen unterschiedlichen Zonen. Die Konzentrationsbereiche enthalten im Wesentlichen kleinere Hörsäle, Labors, CIP-Pools und Büros. Vervollständigt wird das Raumkonzept im Untergeschoss von Werkstätten, Laboren, Personal- und Technikräumen, im Erdgeschoss liegen weitere Werkstätten und eine Cafeteria, die zusätzlich bei schöner Witterung den angrenzenden Innenhof nutzen kann.

Das Tragwerk ist ein auf dem campustypischen 1,20-Meter-Raster basierender Stahlbetonskelettbau mit Stützen und Unterzügen sowie mit zwei innenliegenden, massiven und aussteifenden Stahlbetonkernen. Die Raum-Trennwände in den Obergeschossen sind nichttragende Trockenbaukonstruktionen.

Die Decken sind als vorgespannte Spannbeton-Hohlkonstruktionen konzipiert, was große, stützenfreie Nutzungsbereiche unter gleichzeitiger Gewichtsersparnis erlaubt. Das Untergeschoss ist als „Weiße Wanne“, zum Teil zusätzlich mit einer Frischbetonverbundfolie, ausgeführt. Aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse wurde eine Gründung mit Ortbetonrammpfählen, System „Franki“ vorgesehen, die über 70 Zentimeter starke Pfahlkopfplatten beziehungsweise Balken verbunden sind.

Die außergewöhnliche innenräumliche Struktur der wechselnden Kommunikations- und Konzentrationsbereiche zeigt sich auch in der Gliederung der Fassade: Ersterer liegt hinter einer leicht zurücktretenden, filigranen Pfosten-Riegel-Fassade, der zweite zeigt sich in Form geschlossener Sichtbetonscheiben oder fassadenbündiger, breitrahmiger Aluminium-Fensterbänder. 

Sämtliche Geschosse und Räume sind barrierefrei zugänglich. Im Erdgeschoss, im 2. Obergeschoss und im 4. Obergeschoss wurde jeweils ein behindertengerechtes WC im südlichen Kern integriert. 
Der das Gebäudeinnere über alle oberirdischen Stockwerke durchziehende Einraum bedingt eine vollflächige Sprinklerung des Gebäudes und eine flächendeckende Überwachung mittels automatischer Brandmeldeanlage.
Für die HU-Bau-Planung dienten die Anforderungen der EnEV 2016 und des „Erneuerbare Energien-Wärmegesetz“ als Planungsgrundlage, der Dämmstandard unterschreitet die damals gültigen Anforderungen deutlich und entspricht etwa dem eines KfW-Effizienzhauses 55.

Der Neubau „Architektur“ ist wie die gesamte OTH an das vorhandene Nahwärmenetz der Universität angeschlossen, die Kälteversorgung erfolgt über die nahe, OTH-eigene Kältezentrale. Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach bewirken zusätzliche energetische Vorteile. (Stefan Krabatsch, Norbert Warmuth, Corinna Zierer, Daniela Obermillacher)
 

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