Bauen

Der Haupteingang des Nano-Neubaus an der Königinstraße. (Foto: Ralph Schweinfurth)

19.07.2019

Energieforschung am Englischen Garten

Neubau des Nano-Instituts für die Fakultät Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) befindet sich in umfangreichen Umstrukturierungsprozessen. So wird die Tierärztliche Fakultät am Englischen Garten bereits seit 1992 schrittweise nach Oberschleißheim verlagert. Das frei werdende Gelände in der Münchner Innenstadt kann zukünftig die international renommierte Physik-Fakultät, die bisher auf fünf verschiedene Standorte in München verteilt ist, auf einem Forschungscampus vereinen. Das Nano-Institut ist dabei der erste Baustein auf dem bisherigen Tierklinikareal. Grundlagenforschung an Nano-Materialien soll in diesem neuen Institutsbau zukünftig zu einer nachhaltigeren und effizienteren Energieversorgung beitragen.

Mit dem 1. Preis im Wettbewerb für Städtebau und Realisierung erhielt 2013 das Berliner Architekturbüro Kleyer, Koblitz, Letzel, Freivogel den Auftrag zur Planung und Ausführung des Nano-Instituts. Das Forschungsgebäude bietet nun auf 6100 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und 2700 Quadratmetern Nutzfläche ausreichend Raum für die zwei Lehrstühle Photonics mit Optoelectronics sowie Experimentalphysik – Hybride Nanosysteme. Hier wird in der Energieinitiative des Freistaats Bayern mit „Solar Technologies go Hybrid“ und dem Exzellenzcluster „e-conversion“ Grundlagenforschung zu den Themen Photovoltaik und Photokatalyse betrieben.

Stadträumlich greift die Planung die Topografie der Isarhangkante auf. Das Gelände umschließt die Sockelzone auf der Westseite. Dort liegt im ersten Obergeschoss, der Ebene Königinstraße, der Haupteingang mit Glasfassade und unmittelbar zugeordnet ein Konferenzsaal für 80 Personen. Im darunter eingefügten Geschoss, auf der Ostseite, können Anlieferung und Nebeneingang von der Haupterschließungsstraße des zukünftigen Campus erreicht werden.

Im Sockel des Gebäudes, bestehend aus Unter- und Erdgeschoss, befinden sich Reinräume, Speziallabore, Werkstätten sowie zentrale Technik- und Serverflächen. In den darüber angeordneten vier Geschossen konzentriert die Planung Labore und Büros der Lehrstühle sowie die erforderlichen Technikflächen. Die Labore sind dabei nach Westen zur Stadtseite hin orientiert, die Büros nach Osten Richtung Englischer Garten.

Licht und Raum fördern die Gesprächsatmosphäre

In der Mittelzone des Gebäudes befinden sich die Servicebereiche, Treppenkerne und die zentrale Gemeinschaftszone. Den architektonischen Höhepunkt des Instituts bildet ein ab dem ersten Obergeschoss sich öffnendes Atrium, welches die beiden Lehrstühle verbindet. Licht und Raum fördern gute Gesprächsatmosphäre in Teeküchen und Treffpunkten.

Das Technikgeschoss ist in die Kubatur des Gebäudes im 4. Obergeschoss integriert. Als Fassadenbekleidung für den klar strukturierten Baukörper wurden hochwertige, vertikal gegliederte Keramikplatten mit einer hellen Glasur verwendet, deren Glanz- und Farbnuancen auf den Forschungsinhalt Nanobeschichtungen anspielen.

Der Freistaat Bayern schafft mit diesem kompakten, hochwärmegedämmten Gebäude einmal mehr einen Beitrag zur Energieeffizienz. Für die Versorgung wird Fernwärme eingesetzt, eine Photovoltaik-anlage auf dem Dach mit einem Ertrag von 8000 kWh und einer Tonne CO2-Einsparung sowie ein hocheffizientes Heiz-/Kühlkonzept mit Wärmerückgewinnung tragen zur energieschonenden Versorgung bei. Abwärme-Nutzung und Bauteilaktivierung führen zu jährlichen CO2-Einsparungen von 550 Tonnen.

Nach der haushaltsrechtlichen Genehmigung durch den Bayerischen Landtag konnte im Juni 2015 mit dem Bau des Forschungsgebäudes begonnen werden. Das Richtfest wurde nach 18 Monaten Bauzeit am 6. Dezember 2016 gefeiert und am 17. Juni 2019 erfolgte schließlich die feierliche Eröffnung in Anwesenheit des Bayerischen Staatsministers für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler. Der neue Forschungsbau für Energie- und Nanoforschung nahm damit offiziell seinen Betrieb auf. Die Maßnahme wurde im genehmigten Kostenrahmen von 29,8 Millionen Euro abgeschlossen.

Mit dem Neubau Nano-Institut ist in München eine zukunftsweisende Forschungseinrichtung entstanden. Der Freistaat Bayern bestärkt zudem mit der Ansiedlung des Physik Campus am Englischen Garten sein Bekenntnis zur Präsenz der Ludwig-Maximilians-Universität in der Münchner Innenstadt. Durch die zentrale Lage in unmittelbarer Nähe zum Campus am Geschwister-Scholl-Platz kommt der Universität hier auch eine tragende Rolle im städtischen Leben Münchens zu.

Die Zusammenführung der gesamten Fakultät für Physik in den kommenden Jahren wird nun mit weiteren Bauvorhaben, die sich bereits in Planung befinden, konsequent vorangetrieben, um den Wissenschaftlern an dieser Stelle optimale Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre zu bieten. Das städtebauliche Gesamtkonzept, das dabei in den nächsten Jahren sukzessive umgesetzt werden soll, öffnet die bisher introvertierte Liegenschaft mit einer direkt an der Königinstraße und der Isarhangkante platzierten Grünterrasse und wird den Freiraum des Englischen Gartens mit der Königinstraße vernetzen. (Stefan Zunhamer)

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