Bauen

Massiver Stahlbeton und Holz in ansprechendem Architekturdesign, ergänzt durch das Grün der Freilandflächen, die sich in ihrer Gestaltung an den Lech-Augen orientieren: Die Grundschule auf dem Schongauer Schulcampus setzt auf Wohlfühlatmosphäre. (Foto: Balda Architekten Gmbh)

26.07.2019

Erweiterungen im Quadrat

Die neue Staufer Grundschule in Schongau wurde als architektonisches Grundmodul konzipiert, das sich für künftige Expansionen im Schulcampus eignet

Das Schulzentrum Schongau wurde bislang geprägt von einer Vielzahl architektonisch sehr unterschiedlicher Gebäude. Dies traf sowohl auf die Typologie als auch auf das äußere Erscheinungsbild zu und führte zu einem extrem heterogenen Gesamtbild. Die Aufgabe, in diesem Umfeld zusätzliche Neu- und Erweiterungsbauten zu situieren, nutzte die ARGE balda architekten + Maier Neuberger Projekte, um ausgehend von einem quadratischen, addierbaren Grundmodul und einer durchgängigen Architektursprache einer weiteren Verunklarung des Gebiets entgegenzuwirken. Durch dieses verbindende Element entsteht nun ein architektonisch zusammenhängendes Schulzentrum.

Mit dem Grundmodul wird außerdem eine Basis für künftige Maßnahmen vorgegeben. Die Gesamtanlage ist dabei so konzipiert, dass kompakte „Einzelschulen“ entstehen und großzügige Freiräume für weitere Entwicklungen am zentralen Schulstandort realisierbar bleiben.

Lech-Auen als Vorbild

Das Schulgelände wurde neu strukturiert. Durch den Abbruch alter Gebäudeteile und Containerbauten werden die Freianlagen neu angelegt – man lässt sich dabei von der Landschaft der Lech-Auen inspirieren. Eine zentrale geschwungene Magistrale wird durch eine Abfolge von Kiesflächen, Stauden-Gräser-Pflanzungen, Tartanflächen und lichten Kiefern-Robinien-Hainen begleitet. Der bestehende Baumbestand wird nach Möglichkeit ergänzt und erweitert. Wege-Querverbindungen und die Pausenhofflächen der einzelnen Schulen docken an die Magistrale an. Die Dächer der Neubauten werden durchgehend extensiv begrünt.

Mittagessen für alle

Der Bezug des neuen Grundschulgebäudes bedeutet für Schongau den Einstieg in die gebundene Ganztagsschule – neben den etablierten Bausteinen Mittagsbetreuung und Schülerhort. Auf Grundlage des langfristigen schulischen Flächenbedarfs der Grundschule wurde das Raumprogramm des Teilneubaus um eine Schülermensa (Ganztagsbetreuung) erweitert. Im weiteren Planungsverlauf wurde die Versorgung durch die neue Schülermensa auf das gesamte Schulzentrum ausgeweitet, sodass nun neben der Bewirtung der Grund- und Realschüler in eigenen Speiseräumen im Neubau der Grundschule auch die Schüler von Gymnasium und Mittelschule über Essenslieferungen mitversorgt werden sollen.
Entsprechend erfolgt eine Kooperation mit dem Landkreis Weilheim-Schongau als Sachaufwandsträger der staatlichen Schulen.

Im Teilneubau der Grundschule wird der bestehende zweigruppige Schülerhort (Träger ist die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg) mit zeitgemäßem Raumprogramm und eigenem Freibereich oberhalb der Turnhalle zur Nutzung von Synergien mit der Grundschule integriert.

Bei der Planung aller Schulbauten und dem gemeinsamen Außenanlagen wurde auf durchgängige Barrierefreiheit Rücksicht genommen.

Schule zum Wohlfühlen

Die Schule wird mittels addierter Einzelhäuser entlang der Bürgermeister-Lechenbauer-Straße organisiert und über einen erdgeschossigen Gang an den sogenannten Y-Bau angeschlossen. Die dadurch erzielte Maßstäblichkeit trägt der Anforderung einer Grundschule an eine Wohlfühlatmosphäre durch die Formulierung von übersichtlichen und Geborgenheit vermittelnden Einheiten Rechnung.
Der Neubau fasst, in Verbindung mit dem Bestandsgebäude, einen geschützten Eingangs- und Pausenhof. Von hier aus wird die Schule erschlossen.

Die Abfolge differenzierter Höfe schafft interessante Außenbezüge, dient der Orientierung im Haus und verankert das Haus an seinem Standort.

Die innere Organisation des Schulhauses folgt dem Prinzip der Lernlandschaften. Jeweils vier Klassen (zum Beispiel jahrgangsübergreifend erste bis vierte Klasse), ein Gruppenraum und ein kleiner Lehrer- und Materialstützpunkt gruppieren sich um eine kommunikative, multifunktionale Mitte (Forum). Mittels Schiebeelementen können Räume dem Forum zu- beziehungsweise abgeschaltet werden.

Das gewählte Entfluchtungskonzept über außen liegende Fluchtbalkone gewährleistet die Anforderung an den Brandschutz, ohne die Flexibilität im Inneren einzuschränken.

Im Erdgeschoss sind der Eingangsbereich, das Hausmeisterbüro, die Aula mit angrenzenden Musik- und Mehrzweckräumen sowie ein Lerncluster untergebracht. Ebenso im EG befindet sich die gemeinsame Mensa für Grund- und Realschule mit Küche und Nebenräumen.

Der Eingang zur integrierten Einfachsporthalle befindet sich an separater Stelle, was die Halle auch für den Vereinssport gut erreichbar macht. Im ersten Obergeschoss befinden sich zwei Lerncluster und der zweigruppige Hort. Im Untergeschoss liegt die Sportfläche der Einfachsporthalle mit den zugehörigen Geräteräumen. Alle Technikräume sind ebenfalls im Kellergeschoss untergebracht.

Massiver Stahlbeton

Die Grundschule sowie die weiteren Schulneubauten wurden in massiver Stahlbetonbauweise errichtet. Die dadurch vorhandenen hohen Speichermassen garantieren ein ausgewogenes, angenehmes Raumklima sowohl im Sommer, als auch im Winter. Die extensive Begrünung der Dachflächen unterstützt diesen Effekt. Das Materialkonzept des Gebäudes belässt die Oberflächen größtenteils in ihrem natürlichen Erscheinungsbild. Das heißt, die tragenden Wände werden in Sichtbeton ausgeführt, Holzverkleidungen und -einbauten bleiben „holzsichtig“. Die Architektur bildet einen neutralen, freundlichen Hintergrund; Farbe und Leben werden durch die Schüler ins Haus getragen. (BSZ)


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