Bauen

Die Freiwillige Feuerwehr Kaufbeuren hat eine neue Feuerwache erhalten. (Foto: dasch zürn + partner/Bernhard Tränkle, ArchitekturImBild)

16.09.2020

Farbenspiel aus Rot und Grau

Neue, hochmoderne Feuerwache für die freiwillige Feuerwehr Kaufbeuren

An der Neugablonzer Straße – im Zentrum Kaufbeurens – entstand nach dem Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2017 eine neue und hochmoderne Feuerwache für die freiwillige Feuerwehr der Stadt Kaufbeuren. Erste Überlegungen für den Neubau oder eine Erweiterung wurden bereits im Jahr 2000 angestellt. Es folgte eine groß angelegte Machbarkeitsstudie für die Sanierung und Erweiterung. Dem Erhalt von bereits bestehenden Gebäudeteilen stand eine sowohl gestalterische, wirtschaftliche als auch funktional unbefriedigende Lösung auf dem engen Areal entgegen.

Den Planungswettbewerb für den Neubau mit 20 Teilnehmern entschieden die Architekten dasch und zürn + partner aus Stuttgart für sich. In enger Zusammenarbeit mit dem Baureferat der Stadt Kaufbeuren und der Feuerwehr entstand ein platzsparendes und hochfunktionales Baukonzept, das den kompletten Abbruch fast aller alten Gebäude mit sich brachte.

In der eineinhalbjährigen Bauzeit wurde die Kaufbeurer Feuerwehr in das ausgediente Eisstadion ausgelagert, welches den Namen Eiswache trug. Im Herbst 2019 konnte die Feuerwehr nach der Regelbauzeit von der nur einen Kilometer entfernten Eiswache in die neuen Räumlichkeiten am ursprünglichen Standort umziehen.

Auf dem über 6000 Quadratmeter großen Areal wurden nach dem Abbruch zwei neue Gebäudeeinheiten geschaffen mit 15 Fahrzeugstellplätzen, Werkstätten, der Verwaltung, der Katastrophenschutzeinsatzleitung, der Bereitschaft sowie Schulungs- und Aufenthaltsräume für die Einsatzkräfte. Der Stadt Kaufbeuren war es ein besonderes Anliegen, alle zugehörigen Büroräume der Verwaltung direkt am Standort unterzubringen. Lediglich die Atemschutzstrecke sowie der Katastrophenschutz der Stadt Kaufbeuren blieben in einem dritten Gebäude erhalten und wurden umfangreich saniert.

Der Neubau fügt sich nun mit seinem Westflügel optimal in die Straßenflucht der Neugablonzer Straße ein. Das erste Gebäude, der Kopfbau, übernimmt im Ensemble die Funktion der Adressbildung und ist von der Straße aus gut sichtbar. Das zurückversetze Hauptgebäude mit Schlauch- und Übungsturm orientiert sich zentral in den innenliegenden, geschützten Feuerwehrhof. Der Haupteingang ist über den Innenhof im Norden des Areals verortet und ist über zwei Zugänge erreichbar.

Die Alarmausfahrt und die Zufahrt zu den Pkw-Parkplätzen ist unabhängig, getrennt voneinander und kreuzungsfrei von Norden, Westen und Süden aus erreichbar. Der Großteil der Alarmparkplätze wurde im Osten des Areals angesiedelt, sodass die Einsatzräumlichkeiten im Hauptgebäude auf kurzem Weg erreichbar sind.

Die Lager- und Werkstatträume befinden sich rückwärtig im Hauptgebäude, direkt an die Fahrzeughalle angegliedert. Die Umkleiden sind ebenfalls rückwärtig an der Fahrzeughalle angeordnet, sodass sich im Einsatzfall ein schlüssiger Weg von den Parkplätzen über die Umkleiden direkt zu den Fahrzeugen ergibt. Im Obergeschoss wurden die großzügig angelegten Räume für die Bereitschaft, Verwaltung, Schulungen und die Jugend verortet.

Der Schlauchturm
als neues Wahrzeichen

Gestalterisch als auch funktional steht der 23 Meter hohe Schlauch- und Übungsturm im südlichen Areal im Vordergrund. Der Turm gilt als neues Wahrzeichen der Feuerwehr und ermöglicht die Reinigung und Trocknung der Schläuche sowie Übungen der Einsatzkräfte am und im Turm.

Die beiden Gebäude sind in massiver Bauweise erstellt, in der langlebige und nachhaltige Materialien zum Einsatz kamen. Die Dächer und Decken sind aus Stahlbetondecken und in weit gespannten Bereichen aus vorgespannten Hohlkörperdecken hergestellt. Die im Hauptgebäude integrierte Fahrzeughalle ist eingeschossig und das Dach ist gegenüber dem Dach der Nebenräume etwas tiefer angesetzt.

Die offene Bauweise ermöglicht es durch Fenster vom Obergeschoss in die Fahrzeughalle zu blicken. Die geschlossenen Außenwandflächen sind teils ein hinterlüfteter Fassadenaufbau. In der äußeren Gestalt dominierend sind die Sichtbetonwände und profiliertes Stahlblech in einem dunklen Rotton kombiniert mit Fenster und Torelementen in dunklem Anthrazit. Die straßenseitige Fahrzeughalle wurde weitestgehend nach demselben Konzept des Hauptgebäudes erstellt.

Das Hauptgebäude sowie der Kopfbau präsentieren sich als kompakte Baukörper mit niedrigem Energieverbrauch. Die extensive Dachbegrünung fungiert als mechanischer Schutz der Dachhaut und als Regenwasserspeicher.

Die Außenfassaden – mit belastbaren Sektionaltoren der Fahrzeughallen – sind in einem Farbspiel aus Rot und Grau gehalten. Zur Straßenseite wurde auf dem Kopfbau die Rufnummer der Feuerwehr, die Ziffern 112, dargestellt. Die neue Feuerwache ist auch für nicht Einheimische sofort und unmittelbar als diese identifizierbar.

Die Wärmeversorgung der drei Gebäude erfolgt über eine Gasbrennwertkesselanlage. Auch regenerative Energien finden ihren Einsatz in der Gebäudetechnik: Es wurde eine Grundwasserwärmepumpe mit Anschluss an das städtische Grundwassernetz installiert. Im Zuge der Notstromversorgung wurde ein zweites Projekt mit verwirklicht: Das Rathaus befindet sich unweit der neuen Feuerwache. Im Rathaus bedurfte es einer Erneuerung der Notstromversorgung. Das Notstromaggregat im Kopfbau versorgt nicht nur die Feuerwehr im Krisenfall zuverlässig mit Strom, sondern auch die Stadtverwaltung.

Der Neubau der Kaufbeurer Feuerwache schlägt mit rund elf Millionen Euro zu Buche, was der ursprünglichen Kostenermittlung entspricht. Das Projekt wurde unter anderem mit Fördermitteln von der Regierung von Schwaben von rund 1 560 000 Euro realisiert. Die Herstellung der Aufenthaltsräume wurde vom Feuerwehrverein mit 30 000 Euro bezuschusst.

Oberbürgermeister Stefan Bosse sieht die Stadt mit dem Neubau für die Zukunft gut gerüstet: „ Unsere freiwilligen Einsatzkräfte zeigen ein großartiges Engagement, für das wir nicht genug dankbar sein können. Durch den Neubau der Feuerwehr können gegenwärtige und zukünftige Aufgaben in einem professionellen Umfeld gelöst werden.“ (Melissa Hellebrandt)

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