Bauen

Der Erweiterungsneubau des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth. (Foto: Christian Weber)

13.11.2025

Gefaltete Fassade

Neubau: Erweiterung des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth

Ort mit Geschichte, Raum für Werte – unter diesem Motto wurde der neue Erweiterungsbau sowie das umgestaltete Freigelände des Deutsch-Deutschen Museums im ehemals geteilten Dorf Mödlareuth unlängst eröffnet. Am 2. Oktober fand im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie der Ministerpräsidenten aus Bayern und Thüringen, Markus Söder (CSU) und Mario Voigt (CDU), die feierliche Einweihung statt. Nach Abschluss der finalen Arbeiten wurde das neue Gebäude am 9. November gemeinsam mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, und Bundesministerin Sabine Bergmann-Pohl für den Museumsbetrieb eröffnet.

Das Museum an der bayerisch-thüringischen Grenze existiert bereits seit 1990, als es auf ehrenamtlicher, privater Basis initiiert wurde. Ende 2005 wurde der Zweckverband „Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth“ gegründet, dem der Landkreis Hof, der thüringische Saale-Orla- und der sächsische Vogtlandkreis sowie die Gemeinde Töpen (Bayern) und die Stadt Gefell (Thüringen) angehören. Der Zweckverband übernahm 2006 die Trägerschaft für das Museum, das seither kontinuierlich als Erinnerungs- und Lernort von nationaler und internationaler Bedeutung weiterentwickelt wird. 

Dem als „Little Berlin“ bekannt gewordenen Dorf kommt eine besondere Bedeutung zu: Die Überreste der innerdeutschen Grenze sind heute fast vollständig verschwunden. Nur an wenigen Stellen lässt sich die Topografie der deutschen Teilung noch nachvollziehen. In Mödlareuth existiert die einzige Erinnerungsstätte, an der die Grenzanlagen in ihrer baulichen Form weitestgehend erhalten sind. „Hier ist Dorf Museum und Museum ist Dorf – das ist einzigartig“, so der Zweckverbandsvorsitzende Landrat Oliver Bär (Hof).

Steigende Besucherzahlen, Platzmangel bei Dauer- und Sonderausstellungen, das Fehlen einer zeitgemäßen und modernen Dauerausstellung sowie der Bedarf an geeigneten pädagogischen Räumen und an Besucherinfrastruktur machten Umgestaltungs- und Erweiterungsmaßnahmen nötig. Diese stellen einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung des Museums sowie für seine Positionierung in der bundesweiten Museumslandschaft dar. 

Die Baumaßnahme umfasst einen Erweiterungsneubau sowie die behutsame Umgestaltung des Freigeländes. Den Architektenwettbewerb entschieden 2019 das Atelier 30 Architekten BDA aus Kassel sowie Grünplan Landschaftsarchitekten BDLA aus Hannover für sich. Für die Gestaltung der neuen Dauerausstellung nach Vorgaben des wissenschaftlichen Beirats zeichnet das Büro facts and fiction (Berlin/Köln) verantwortlich. Die Projektleitung lag beim Planungsbüro Drees & Sommer (Nürnberg).

Der nun eröffnete Erweiterungsbau mit insgesamt 1350 Quadratmetern Nutzfläche bietet einer neuen Dauerausstellungsfläche von 500 Quadratmetern Platz. Hinzu kommen weitere Räume, die dem Museum neue Möglichkeiten für Besucherbetreuung, Wechselausstellungen und die Präsentation seines umfangreichen Archivmaterials eröffnen. Auch ein Bistro ist integriert. 

Die Architektur des Neubaus stellt die Ausstellung in den Mittelpunkt und fügt sich im Äußeren mit seiner gefalteten Fassade bewusst in die Hügellandschaft ein. Es gilt, den ursprünglichen Charakter der Umgebung zu erhalten. Das abgeschrägte Dach ist begrünt wie die umliegenden Wiesen. Auch die grauschwarze Materialität der bäuerlichen Holzarchitektur der Region wird in der Fassadengestaltung aufgegriffen und durch sägerauhe Fichte mit Vergrauungslasur umgesetzt.

Abgeschrägtes Dach

Große Panoramafenster stellen eine direkte Verbindung zwischen Innen und Außen her. Sie erlauben zum einen Blicke von draußen hinein in die luftigen Räumlichkeiten, auf zwei Stockwerke und die Ausstellung – zum anderen auch eine Perspektive vom Inneren hinaus auf Dorf, Mauer und Sperranlagen. „Der Besucher ist hier quasi in einem Dialog mit der Ausstellung und diesem Außenraum“, so Architekt Thomas Fischer. 

Die neue Dauerausstellung erzählt die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung und Wiedervereinigung untergliedert in historische Zeitabschnitte. Sowohl die Geschichte Mödlareuths als auch der weltpolitische Rahmen werden beleuchtet. Der Ausstellungsrundgang führt durch folgende Epochen beziehungsweise thematische Abschnitte:

1. Prolog: Zwischen Bayern und Thüringen – Leben in Mödlareuth.
2. 1945 – 1952: Auf dem Weg zur Teilung Deutschlands.
3. 1952 – 1961: Schließung der Grenze.
4. 1961 – 1989: Zementierung der Teilung – Systemgrenze zwischen Demokratie und Diktatur.
5. 1989/90: Friedliche Revolution und Wiedervereinigung sowie
6. Epilog: In Bayern und Thüringen – Mödlareuth heute.

Jede Epoche erhält eine eindrucksvolle Auftaktinszenierung und wird dann näher erläutert. Zum Einsatz kommt ein Medienmix aus Bildern, Texten, Dokumenten, dreidimensionalen Objekten, Filmmaterial und Audiostationen mit Zeitzeugenberichten, insgesamt über 400 Exponate. (Dagmar Müller)
 

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