Bauen

Urige Gemütlichekit schon vor dem Lokal. (Foto: Nikolaus Sieber)

06.09.2019

Gemütlicher speisen

In Regensburg wurden ein Restaurant und Hotel zu neuem Leben erweckt

Die sehenswerte Altstadt von Regensburg bietet vor allem eins: alte Bausubstanz. Enge Gassen, Kopfsteinpflaster und alte Gemäuer, die stets gut erhalten und mehr oder weniger ihr Aussehen durch eine über Jahrzehnte und -hunderte währende Restauration ihr ursprüngliches Aussehen erhalten konnten. Dies spiegelt sich im unmittelbaren Erscheinungsbild wider, dem Glanz einer historischen Altstadt. Dort, wo die Steinerne Brücke und der Dom ihre architektonische Harmonie seit jeher gefunden haben. Die frisch renovierte Römerbrücke auf der einen Seite, der permanent restaurationsbedürftige Dom auf der anderen. Um sie herum scharen sich natürlich weitere Kirchen und Altbauten, wie das alte Rathaus mit dem ehemaligen Reichstag. Bauten, die bestimmt schon zu ihren Zeiten hervorragten, heute jedoch erst recht zu historischen Sehenswürdigkeiten der Donaustadt gereift sind.

Natürlich tritt dafür immer wieder und ununterbrochen der Denkmalschutz in Erscheinung und sorgt für den Erhalt der alten Bausubstanz und deren Fassadenaussehen. Da nützt es auch nichts, wenn die Außenfassade nicht besonders auffällig in Erscheinung tritt und durch bautechnische Maßnahmen aufgehübscht und zum Hingucker werden könnte. Umso mehr überrascht dann das Objekt, wenn im Inneren, beim Betreten eines Lokals oder Hotels, dessen Saal, Räumlichkeiten und Zimmer etwas Sonderbares ausstrahlen, vielleicht eine spezielle, eigentümliche Originalität aufblitzen lassen.

Wie im Restaurant „Dicker Mann“ und im Hotel „Zum blauen Krebs“. Beide führen einen eigenwilligen Namen und beide gehören zusammen. Sie gehen quasi Hand in Hand, unten das Lokal und – über einen separaten Eingang mit einer uralten Holztreppe erreichbar – auf den Etagen die Hotelzimmer. Beide hat Anton Weissenbacher zu neuem Leben erweckt.

Begonnen hat der Wahl-Regensburger 1993 mit dem Restaurant und vor zwölf Jahren mit den ersten beiden Zimmern. Seitdem ließ er ein Zimmer nach dem anderen ausbauen, mittlerweile gibt es 14 davon, die nach Stil und Ausrichtung beziehungsweise der Einrichtung unterschiedlicher nicht sein könnten. „Es gibt ein indisches Zimmer, kubanisches (mit Che Guevara an der Wand oder Gemälden, die in Kuba auf die Straße gemalt werden) und ein Bali-Zimmer (mit roten und gelben Schirmchen)“, erklärt Weissenbacher. „Ein Mozart-Zimmer musste auch her, wo das Mobiliar aus jener Zeit stammt und mit Malereien – die Kleine Nachtmusik an die Wand gemalt ist. Und ein Joop-Zimmer mit lauter Joop-Möbeln.“

Weissenbacher schwärmt auch, wenn er zu dem Zimmer kommt, das dem Kölner Cartoonisten Peter Gaymann gewidmet ist. „Der die lustigen Hühnerbilder malt; der hat auch das Hotel-Logo gemalt, den dicken Mann auf der Speisenkarte – das Logo vermittelt wunschgemäß Gemütlichkeit und gutes Essen, und bierig musste es sein“, sagt der Restaurant- und Hotelchef. Hiermit war dann auch schon die Namensgebung vollzogen. „Mit dem Doppelnamen kann ich gut leben“, sagt er schon halb scherzhaft. Denn mit dem Hotelausbau wollte er auch zukünftig der Geschichte treu bleiben.

Einrichten für alle Sinne

Wobei der aus dem Mittelalter stammende Gasthof „Zum Blauen Krebs“ damals der Gasse den Namen gab. Krebsgasse 6 liegt etwas versteckt in einer Seitengasse des Haidplatzes, jedoch in bester zentraler Altstadtlage. Hat den Vorteil, man ist in der Stadtmitte und erreicht wirklich alles fußläufig. Nachteilig, typisch für eine Barockstadt, man kommt (fast) nicht mit dem Auto hin, so schmal und eng ist die Krebsgasse. Und außerdem stehen Tische und Stühle im Weg, allerdings vor dem Lokal gut platziert vor den historischen Rundbögen des Eingangs.

Das Gebäude aus dem 14. Jahrhundert hat einen turmähnlichen Halbgiebel. Der sich nach Norden anschließende Gebäudeteil besitzt einen interessanten Vorbau, der auf toskanischen Halbsäulen der Renaissancezeit ruht. Die einst geräumige Durchfahrt im Erdgeschoss ist von zwei starken Balkenunterzügen getragen, die Decke mit sogenanntem Federstock aus der Barockzeit geschmückt. Nun kommt ein wenig Innenarchitektur-Fantasie des Pächters ins Spiel. Wer sonst verknüpft schon den gemütlich wirkenden Kleinstbiergarten vor der Eingangstür mit dem im romanischen Stil eingerichteten, rundum abgeschlossenen Sommergarten, mit einem durch das Restaurant führenden Zugangsweg – einem gepflasterten Weg am Bartresen vorbei, eingeleitet von der engen Krebsgasse mit Kopfsteinpflaster zum Garten. Rechts von der Bar-theke der Großraum, links davon die Stübchen.

Diese Schmuckstücke geben sich einzeln als Musikstube oder Separee aus. Genau genommen sind alte Möbel auf die Stuben zugeschnitten worden, insbesondere die schwarzen Sitzbänke. „Das sind alte Kirchenbänke aus Bristol in England und vom Schreiner nach Maß eingebaut“, erzählt Weissenbacher. „Vorne die Halle als Gasthof und die Nebenräume, die Stuben, ein bisschen eleganter“, erklärt er.

Anton Weissenbacher wollte mal Innenarchitektur studieren, schloss dann, weil alles anders kam, als Hotelkaufmann ab. Über den Bayerischen Hof und Käfer in München kam er schließlich nach Regensburg. Auflagen zu Denkmal- und Brandschutz mussten bei den Umbaumaßnahmen beachtet werden, bevor es dann endlich „Suite Wallenstein“, „Indisches Zimmer“ oder „Bali Zimmer“ an den Zimmertüren im kleinen Hotel prangte. Vom Traditionellen und Bodenständischen über die Bilder- und Satirekunst zum Exotischen führte Weissenbachers Fantasie Regie. Hier regiert die Innenarchitektur durch Vielfalt und sehr viel Abwechslung. Von Zimmer zu Zimmer, von Saal zu Aufenthaltsraum.

Für ein Zimmer ist ihm sogar die Stadt besonders dankbar. Zum Tag des offenen Denkmals öffnete er Zimmer 104 zur Besichtigung. Da kamen bis zu 150 Neugierige, denen er erzählte, wie geschichts-trächtig dieses Zimmer wirklich ist. Der während des Dreißigjährigen Kriegs auf dem Haidplatz enthauptete kaiserliche General Graf Ulrich von Schaffgotsch wurde hier aufgebahrt und zwei Tage lang zur Schau gestellt. So spiegelt das „Schaffgotsch Apartment“ ein tragisches Kapitel der Reichs- und Stadtgeschichte wider.

Modernes mit Altem kombinieren, „das kriegt eine ganz andere Atmosphäre, da konnte ich meiner Fantasie und meinem Traumberuf freien Lauf lassen“, ergänzt zufrieden der Wirt.

Das Restaurant zählt zu den ältesten und schönsten Gasthöfen Deutschlands. Einkehren um Hunger oder Durst zu stillen oder zu Übernachten, um ein Dach überm Kopf zu haben, damit ist es hier nicht getan. Einkehr und Aufenthalt werden hier zum Programm, erst recht für den, der Altes und Bewährtes in einem kunterbunten stilistischen Glanz schätzt und neu entdecken möchte. So kann übrigens das Einkehrensemble als „historisches Altstadtkleinod“ auch als Beitrag zur UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt betrachtet werden.  (Nikolaus Sieber)

(Historisches Ambiente in der Wallenstein Suite - Foto: Nikolaus Sieber)

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