Bauen

Der geplante Kostenrahmen von 35 Millionen Euro für die Grundschule an der Cerveteristraße konnte trotz widriger Umstände eingehalten werden. (Foto: Rolf Sturm)

10.07.2024

In Hybridbauweise errichtet

Neubau der Grundschule an der Cerveteristraße in Fürstenfeldbruck

Wenn man sich an die eigene Grundschulzeit zurückerinnert, dann hat man Bilder vor Augen – von ewig langen, düsteren Gängen, die Wände in geschmackvollem Beige oder Hellgrau gestrichen. Die Toiletten gefliest in hellem Gelb oder Mintgrün, mit einem ganz eigenen Geruch. Dazu Frontalunterricht mit Lehrer*innen, die stets mit dem Overhead-Projektor zu kämpfen hatten. Oberste Prämisse war stillsitzen und ruhig sein.

Zugegeben, dies ist schon so einige Jahrzehnte her. Und dann betritt man die neue Grundschule an der Cerveteristraße in Fürstenfeldbruck. Alles ist hell und lichtdurchflutet. Die großen Fenster laden zum Blick in die grüne Landschaft ein. Holz dominiert außen sowie innen und schafft einen Wohlfühlcharakter. Von der Mensa mit der schuleigenen Küche sieht man hinab in die große Doppelturnhalle.

Mit Whiteboard, QR-Codes und Tablets bereitet ein Lehrer*in eine dritte Klasse auf die nächste Schulaufgabe in Heimat- und Sachkunde und ein Diktat vor – die Kinder entscheiden, was sie gerade lernen möchten. Sie können allein arbeiten, zu zweit oder in der Gruppe. Im Klassenzimmer oder auf den Lerninseln im Flur. Überall unterhält man sich angeregt, diskutiert.

Eine Ecke weiter lernen Kinder gerade mit einem Green Screen umzugehen, die angefertigten Fotos mit einem Bearbeitungsprogramm zu einem Urlaubsbild zusammenzusetzen. So kann Lernen heute gehen, so macht Lernen und auch Lehren Spaß.

Erforderlich geworden war der Neubau der vierzügigen Grundschule durch die Raumnot der sich ebenfalls im Fürstenfeldbrucker Westen befindenden Richard-Higgins-Grundschule. Dort musste über Jahre hinweg auf Container ausgewichen werden. Auch die prognostizierte demografische Entwicklung unterstrich diese Notwendigkeit. Um für beide Schulen eine gleichmäßige Belegung herzustellen, wurde der Schulsprengel angepasst. Entsprechende Beschlüsse wurden Mitte 2019 von den politischen Gremien gefasst.

Gründach für Sporthalle

Ebenso die Auslobung eines Wettbewerbs, aus dem schließlich die Bietergemeinschaft Köhler Architekten und beratende Ingenieure GmbH und Horst Kübert, Landschaftsarchitekt, als Siegerin aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist. Die Vertragsunterzeichnung fand im Mai 2020 statt. Zum Start des laufenden Schuljahrs 2023/24 wurde die Grundschule trotz der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Lieferengpässen fristgerecht nach nur zwei Jahren Bauzeit in Betrieb genommen, die offizielle Eröffnungs- und Einweihungsfeier fand Mitte Mai 2024 statt.

Das Gebäude mit einer Gesamtfläche von rund 2680 Quadratmetern wurde in Hybridbauweise errichtet – Unter- und Erdgeschoss in Beton, erstes und zweites Obergeschoss in Holz. Dort sind die Außenwände in Holzständerbauweise mit Holzschalung, die Innenwände und Decken in Brettsperrholz ausgeführt. Eine PV-Anlage auf dem Dach versorgt die Schule mit nachhaltigem Strom, die Heizung wird mit Fernwärme betrieben, die Sporthalle hat ein Gründach.

Insgesamt wurde großer Wert auf ökologische Baustoffe gelegt wie raumhohe Holzfenster, Eichenparkett im Erdgeschoss, Linoleum in den Obergeschossen und der Sporthalle, Vollholztüren, Innentreppe mit senkrechten Holzlamellen und einer Sitzstufenanlage aus Holz.

Die 20 000 Quadratmeter großen Freiflächen wurden naturnah gestaltet: mit vielen Blumenwiesen und Grasflächen, einem Verkehrsübungsplatz als Pausenhof mit grünen Inseln, einem großen Klettergerüst aus Holz, einem Bolz- und Allwetterplatz mit Aussichtshügel sowie einem Sportrasenfeld. Es gibt also viel Platz zum Toben und Rennen. Dazu wird das „Grüne Klassenzimmer“ von Blumenwiesen eingerahmt. Unter dem Motto „essbare Schule“ wurden Beete zum Selbstbepflanzen angelegt.

„Ich glaube, an dieses Schulhaus werden sich noch viele Generationen von Grundschülerinnen und Grundschülern sehr gerne erinnern“, sagte Oberbürgermeister Christian Götz im Rahmen der Eröffnungsfeier. Begeistert ist auch Schulleiterin Tanja Stock von dem neuen Zuhause für die Schulfamilie. Sie wurde von Anfang an in die Planungen intensiv mit einbezogen. Mit der räumlichen Gestaltung sei Lernen und Lehren auf höchstem Niveau möglich. Sie sei die einzige Inklusions-Grundschule im Landkreis. Diagnostik, Beratung und Förderung seien daher auch fester Bestandteil.

Die Ganztagsklassen profitieren von der Mensa mit frisch gekochten Speisen. „Diese Schule ist ein Ort, an dem man zusammenwachsen kann“, ist sie sich sicher. Das ist auch gut so, denn immerhin werden hier 40 verschiedene Sprachen gesprochen.

„Das Lernhausprinzip mit seinen offenen Räumen bringt offene und mündige Bürger hervor“, konstatierte Schulamtsdirektor Thomas Frey. Diese Schule schaffe Lust aufs Lernen. Die Stadt habe alles richtiggemacht, so sein Lob.

Der geplante Kostenrahmen von 35 Millionen Euro konnte trotz widriger Umstände eingehalten werden. Das Vorhaben wurde von Freistaat Bayern mit insgesamt 11,381 Millionen Euro gefördert. Seit dem Um- und Neubau des Veranstaltungsforums Fürstenfeld im Jahr 2001 mit Kosten in Höhe von 51 Millionen Mark war dieser Schulneubau das größte Projekt der Stadt. (BSZ)

 

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