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Der Eiskanal ist die älteste künstlich angelegte Wildwasserstrecke. (Foto: Wohnbaugruppe Augsburg)

08.06.2022

Kanuslalomstrecke Teil des Unesco-Weltkulturerbes

Der Olympiapark Augsburg am Eiskanal wurde denkmalgerecht generalsaniert

Der Olympiapark Augsburg am Eiskanal wurde anlässlich der XX. Olympischen Spiele erbaut. Nach Vergabe der Olympischen Sommerspiele 1972 nach München und der Entscheidung, die ersten olympischen Kanuslalom-Wettkämpfe in Augsburg auszutragen, schlug die Geburtsstunde für die erste künstliche Wildwasserstrecke der Welt: die Olympiastrecke „Eiskanal“. Der Eiskanal, früher verwendet als Umgehungskanal für Treibeis, um die Beschädigung von Wasserrädern in der Stadt zu vermeiden, wurde grundlegend umgebaut.

Der neu angelegte Verlauf der Kanustrecke zwischen Hauptstadtbach und Lech wurde in den Eiskanal integriert. Den besonderen Ort einer begleitenden Flusslandschaft und eines naturnahen Umfelds schufen die Architekten Reinhard Brockel und Erich Müller gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten Gottfried und Anton Hansjakob. Im Juli 1970 fand der Spatenstich für den Olympiapark Augsburg statt. Im Dezember 1971 wurde die Anlage fertiggestellt: eine künstliche Kanuslalomstrecke mit Start- und Zielgebäude, Presse- und Organisationsgebäude sowie Unterkunftsgebäude.

Die ersten olympischen Kanu-slalomwettkämpfe wurden am 28. und 30. August 1972 vor insgesamt 50 000 Zuschauerinnen und Zuschauern ausgetragen. Die Atmosphäre am Eiskanal: Gänsehaut pur. Der Geist der Olympischen Spiele 1972 ist im Olympiapark Augsburg seitdem ununterbrochen spürbar. Nach den Olympischen Spielen wurden zahlreiche nationale und internationale Kanuwettbewerbe wie zum Beispiel die Europameisterschaften 1996 und 2012 sowie die Weltmeisterschaften 1985, 2003 und jetzt 2022 auf der Olympiastrecke ausgetragen.

Das Areal ist die Heimat des Bundes-, Landes- sowie Olympiastützpunkts für Kanuslalom und Wildwasser sowie der lokalen Kanuvereine, Augsburger Kajak Verein, Kanu Schwaben Augsburg und den River Pirates. Zudem wird der Olympiapark Augsburg auch als Naherholungsgebiet von den Augsburger Bürgerinnen und Bürgern genutzt. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Kanuslalomstrecke seit Juli 2019 als Einzelobjekt von insgesamt 22 Sehenswürdigkeiten des „Augsburger Wassermanagement-Systems“ ein Teil des Unesco-Weltkulturerbes ist.

Im Jahr 2018 bewarb sich die Stadt Augsburg in Zusammenarbeit mit den Kanuvereinen, Augsburger Kajak Verein und Kanu Schwaben Augsburg, sowie dem Deutschen Kanu-Verband erfolgreich für die Austragung der ICF Weltmeisterschaften 2022 im Kanuslalom im Olympiapark Augsburg am Eiskanal. Nach zweijähriger Planungsphase wurden die Gebäude, Strecken und Außenanlagen des Olympiaparks Augsburg von Frühjahr 2020 bis April 2022 denkmalgerecht generalsaniert, damit die Kanuslalom-WM 2022 auf höchstem internationalen Niveau ausgetragen werden kann.

Die Baumaßnahme diente der organisatorischen, technischen und infrastrukturellen Modernisierung des Areals und wurde im Kosten- sowie Zeitplan übergeben. Die Gebäude, Strecken und Außenanlagen können pünktlich mit der Kanuslalom-WM 2022 in Betrieb genommen werden.

Es wurden folgende denkmalgerechte Umbaumaßnahmen im Olympiapark Augsburg vorgenommen: Die ehemalige Gaststätte wurde zu einem barrierefreien Organisationszentrum mit Büros, Räumen für die Leistungsdiagnostik und einem Pressezentrum umgebaut. Ebenfalls entstanden dort Seminar- und Veranstaltungsräume sowie behindertengerechte Umkleiden. Bei den Außenanlagen wurde die marode Stehstufenanlage erneuert, genauso wie die gesamte technische Infrastruktur der Olympiastrecke. Das bis jetzt als Bootshaus bekannte Gebäude wurde zu einem barrierefreien Athletenzentrum umgewandelt. In diesem entstehen neben Umkleiden, Duschen und Aufenthaltsräumen auch neue Büros, Krafträume und Bootslager für den Vereinssport.

Die Generalsanierung der Anlage mit einem Investitionsvolumen von 20 Millionen Euro wurde mit zwei Millionen Euro vom Bundesministerium des Innern und für Heimat sowie mit 7,5 Millionen Euro vom bayerischen Innenministerium gefördert. Die Förderung ist eine nachhaltige Investition in den Kanusport – sowohl in den Spitzen-, den Nachwuchs-, als auch den Breitensport – sowie in die Ausrichtung von Großsportveranstaltungen. Der zuletzt historische Erfolg bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio, der drei von vier gewonnenen Medaillen (Gold für Ricarda Funk und jeweils Bronze für die gebürtigen Augsburger Hannes Aigner und Sideris Tasiadis) im Kanuslalom nach Augsburg brachte, unterstreicht einmal mehr die herausragende Bedeutung des Augsburger Eiskanals als Sportstätte.

Die diesjährige ICF Weltmeisterschaften im Kanuslalom finden vom 26. bis 31. Juli in Augsburg statt. 50 Jahre nach den ersten olympischen Kanuslalomwettkämpfen bei den Olympischen Sommerspielen 1972 kehrt die Weltelite im Kanuslalom zurück an den Augsburger Eiskanal. Das LOC Augsburg hat sich mit der Kanuslalom-WM 2022 unter dem Motto „Canoe slalom is coming home to Augsburg“ beworben. Somit kann die einzigartige Geschichte des Kanusports in Augsburg nach den Weltmeisterschaften 1957, 1985 und 2003 fortgeschrieben werden.

Bei der Kanuslalom-WM 2022 treten 380 Sportlerinnen und Sportler aus 70 Nationen in zehn Medaillen-Entscheidungen gegeneinander an – und das in einer einzigartigen Umgebung, denn der Eiskanal ist nicht nur die älteste künstlich angelegte Wildwasserstrecke, er ist auch Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

Die Besucherinnen und Besucher können während der Weltmeisterschaft neben spannenden Kanuslalomwettkämpfen auch ein buntes kulturelles Rahmenprogramm erleben. Neben den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum wie zum Beispiel Sonderausstellung 50 Jahre Kanuslalom am Eiskanal wird auch die Augsburger Kultur- und Kreativszene die Möglichkeit bekommen, sich in ihrem Element während des fünftägigen Rahmenprogramms in Augsburg zu zeigen. Die offizielle Eröffnungsfeier der Kanuslalom-WM 2022 findet am 26. Juli 2022 um 19 Uhr auf dem Rathausplatz in Augsburg statt. (Carolin Edenhofner)

 

 

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