Bauen

Experimenteller Wohnungsbau in Ingolstadt – Therese Strohe Michael Ullrich Architekten Partnerschaftsgesellschaft mbB mit JUCA architektur + landschaftsarchitektur. (Foto: Till Schuster)

11.09.2020

Nachhaltig und krisenfest

Die Bayerische Architektenkammer spricht sich für eine Neuausrichtung der Konjunkturförderung aus

Der Verband Freier Berufe in Bayern (VFB) legt vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Corona-Krise auf Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft ein Strukturpaket auf. In einem Neun-Punkte-Programm fordert der VFB mit seinen 34 Mitgliedsverbänden und -kammern eine bessere Förderung der kleinteiligen Strukturen, die, wie es die Krise gezeigt hat, ihre Stärken für das Gemeinwohl in der Fläche haben. „Dafür brauchen wir Rahmenbedingungen, die unsere meist kleinteiligen Strukturen zukünftig besser fördern, weniger mit Bürokratie belasten oder durch überalterte Gebührenordnungen ausdünnen“, sagt Michael Schwarz, Präsident des Verbands Freier Berufe in Bayern.

Die Freien Berufe in Bayern stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor im Flächenfreistaat Bayern dar. So erwirtschaften sie mit ihren 900 000 Freiberuflern und insgesamt 1,6 Millionen Erwerbstätigen einen jährlichen Umsatz von rund 40 Milliarden Euro. Besonders wichtig ist die Tatsache, dass die Freien Berufe am Gemeinwohl orientiert und damit nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind.

In einem Neun-Punkte-Programm hat der VFB mit seinen Verbänden und Kammern Schwerpunkte für einen gesamtgesellschaftlichen und nachhaltigen Strukturwandel erarbeitet, der aus Sicht der Freien Berufe dringend notwendig ist. Die neun Punkte lauten: Fachkompetenz der Freien Berufe nutzen; Belastungsmoratorium; Selbstständigkeit fördern; Gesundheitspolitik; Rückholung von Wertschöpfungsketten; Digitalisierung; Bildung der Zukunft; Energie- und Klimapolitik sowie Pandemievorsorge.

Flexibel und innovationsfähig

Zum Strukturpaket des Verbands Freier Berufe in Bayern e. V. äußerte sich auch die Bayerische Architektenkammer. In ihrem Beitrag heißt es: „Um die Chance, die die Corona-Krise auch bietet, für eine bessere Zukunft zu nutzen, ist ein Strukturprogramm nötig, das sich konsequent an gemeinwohlbasierten Kriterien orientiert und zugleich dazu beiträgt, die kleinteilig strukturierte Bürolandschaft der Planerinnen und Planer in Bayern weiter zu stärken.

Gerade die bayerischen Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Stadtplaner stellen derzeit erneut unter Beweis, dass sie bei stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen flexibel und innovationsfähig genug sind, um Krisen zu meistern und zugleich Impulse für eine Zukunft zu setzen, die für nachfolgende Generationen lebenswert bleibt.

Jetzt gilt es, mit den Wirtschaftsstrukturen auch räumliche Strukturen so weiterzuentwickeln, dass sie sich künftig als robust gegenüber veränderungsmächtigen Ereignissen, wie dem Klimawandel oder Pandemien, erweisen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen der ökologische Wandel und die Beförderung nachhaltigen Wirtschaftens im Vordergrund stehen. Es geht also darum, die sich bietende Chance für eine Beschleunigung des ökologischen Wandels zu nutzen, um die Erfolgsgeschichte der sozialen Marktwirtschaft fortzuschreiben und sie dabei zu einer nachhaltigen sozialen Marktwirtschaft weiterzuentwickeln.

Die Bayerische Architektenkammer setzt sich mit Nachdruck dafür ein, dass Konjunkturprogramme, um die mit der Corona-Krise einhergehende tiefgreifende Zäsur zu bewältigen, nicht von einer Strategie des ’weiter so wie bisher’ getragen werden. Wesentliche Anliegen wie Klimaschutz, energetische Sanierung, Digitalisierung und Wohnungsbau, die bereits vor der Corona-Krise virulent waren, müssen nun konsequent an qualitativen Kriterien ausgerichtet werden. Die entscheidende Frage bei allen investiven Maßnahmen muss das ’wie’, nicht allein das ’wie viel’ sein. Daher fordern wir Qualität und Innovation statt Quantität und Konvention.“

Wohnen und arbeiten räumlich verknüpfen

Nach Ansicht der Bayerischen Architektenkammer sollten hierfür folgende Leitlinien Maßgabe einer neuen, qualitativ hochwertigen Konjunkturförderung sein:
– nachhaltige Landesentwicklung und Regionalplanung für gleichwertige Lebensverhaltnisse sowohl in strukturschwachen Regionen als auch in Ballungsgebieten gezielt fördern;
– Digitalisierung hierfür bayernweit mit Nachdruck vorantreiben;
– Mobilitat bedarfsgerecht, flächensparend und klimaneutral für Stadt und Land entwickeln;
– Flächensparen und Innenentwicklung als Basis von Konjunktur- und Förderprogrammen fixieren, um innovative Konzepte für ländliche und städtische Regionen Bayerns ermöglichen;
– Nachhaltigkeitsziele und CO2-Neutralitat als Bedingung für Investitionsentscheidung festschreiben;
– Zirkularität von Stoffkreisläufen, „Re-Use vor Recycle“ kreislauforientiertes statt lineares Wirtschaften verbindlich einfordern;
– Ökobilanzierung und Kostendifferenz zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Baustoffen und Konstruktionen zu 100 Prozent fördern;
– Bauen im Bestand und Nutzung der im Bestand gebundenen „Grauen Energie“ fördern;
– Barrierefreiheit konsequent bayernweit umsetzen;
– Wohnen und Arbeiten (wieder) stärker räumlich verknüpfen;
– baukulturelle Vielfalt und Qualität stärken;
– Qualitätssicherungsprinzipien (Wettbewerbe) mit auskömmlichen Rahmenbedingungen verankern und die Trennung von Planung und Ausführung bewahren;
– Kleinteilige Büro- und Handwerksstrukturen als erprobt krisenrobust anerkennen und stärken;
– Vergabeverfahren weiter vereinfachen, kleinere Büroorganisationen und Berufsanfänger stärker beteiligen;
– Prozessqualität beim Planen und Bauen sowie die Handlungsfähigkeit der Genehmigungsbehörden sicherstellen und
– Innovation über „Reallabore“ fördern (beispielsweise experimenteller Wohnungsbau, experimenteller Gewerbebau, innovative Konzepte für landwirtschaftliche Strukturen). (Friedrich H. Hettler)

(Kita Karoline Goldhofer, Memmingen. Neue Hülle für ein altes Haus: Klimaschutz mit Bestandsrecycling – heilergeiger architekten und stadtplaner mit Latz + Partner Landschaftsarchitekten. Umbau des alten Hallenbads in Unterwössen in ein Bürgerhaus – ARGE Farthofer-Scheithauer Architekten - Fotos: Nicolas Felder/Dennis Gappmeier)

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