Bauen

Außenansicht der Hauptverwaltung der Handwerkskammer für Mittelfranken. (Foto: Handwerkskammer für Mittelfranken)

15.05.2024

Wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit

Die Handwerkskammer für Mittelfranken hat ihre Hauptverwaltung energetisch saniert

Seit den 1950er-Jahren steht das Verwaltungsgebäude der Handwerkskammer für Mittelfranken an der Sulzbacher Straße in Nürnberg. Ein altehrwürdiges Haus, das den Straßenzug mitprägt. In den vergangenen Jahren hat die Kammer ihren Hauptsitz energetisch saniert und modernisiert. Die Arbeiten sind nun abgeschlossen.

Das Gebäude im schlichten Stil prägt seit Jahrzehnten die Sulzbacher Straße. Wer aus östlicher Richtung den Nürnberger Rathenauplatz erreicht, kommt automatisch daran vorbei: Am sechsgeschossigen Gebäude, das früher in gelblichem Farbton verputzt war und an dem heute in großen Buchstaben das blaue Handwerkskammer-Logo auf weißen Kunstfaserplatten prangt.

1952 bezog die Handwerkskammer diesen damals neuen Hauptsitz an alter Adresse in Nürnberg. Das Vorgängergebäude war im Zweiten Weltkrieg 1944 zerstört worden. Der Neubau war einst gekennzeichnet durch eine strenge Sachlichkeit und ein hohes Maß an Funktionalität. Beides ist auch heute, über 70 Jahre später, noch erkennbar und bleibt charakteristisch – übrigens ganz ähnlich wie bei anderen Nürnberger Bauwerken aus der gleichen Zeit. „Mit der energetischen Sanierung haben wir das Gebäude in die Moderne geholt, ohne das typische Erscheinungsbild komplett zu verändern“, sagt Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken.

Die Aufteilung der Außenfassade bleibt dem Baustil treu: Unzählige Fenster versorgen die Büro- und Besprechungsräume mit viel Tageslicht. Jeder Raum beansprucht eine ganze Fensterfront für sich, jedoch ohne dass die Sommersonne das Gebäude zu stark aufheizt. „Das war vor der Sanierung ein großes Problem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erinnert sich Forster. „Bei höheren Außentemperaturen im Hochsommer wurde die Hitze in den südseitig gelegenen Büros gegen Nachmittag schnell zur körperlichen Belastung.“ Zugleich musste im Winter viel geheizt werden.

Diese Probleme gehören der Vergangenheit an. Die energetische Sanierung ist ein bedeutender Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Effizienz. „Den Passivhausstandard haben wir nicht – das war aus Kostengründen auch nicht geplant. Aber wir haben zahlreiche energetische Verbesserungen am Gebäude vorgenommen. Umweltbewusstes Handeln war und ist uns wichtig, wir wollen unseren ökologischen Fußabdruck reduzieren“, erklärt Frank Leistner, Leiter der Abteilung Liegenschaften bei der Handwerkskammer.

Energieverbrauch
deutlich gesenkt

Das gelingt, denn durch die Sanierung ist der Energieverbrauch des Gebäudes drastisch gesenkt worden. So sind beispielsweise Dach, Fassade und die Kellerdecke mit mineralischer Wärmedämmung versehen, daneben ist die Fassade hinterlüftet und deren äußere Schale wird aus dünnen Faserzementplatten mit hoher Gebrauchstauglichkeit gebildet. Die neuen Fenster und Türen entsprechen dem aktuellen Standard und zur Sulzbacher Straße hin auch den Anforderungen an einen erhöhten Schallschutz.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der energetischen Sanierung war die Integration erneuerbarer Energiequellen: Auf dem Dach der Handwerkskammer produziert nun eine Photovoltaikanlage Strom, die Nennleistung liegt bei 53,2 Kilowatt-Peak. Viel von dem produzierten Strom verbraucht die Kammer gleich selbst: Im zweiten Halbjahr 2023 lag die Eigenverbrauchsquote mit 18 Megawattstunden bei 63 Prozent, 11,9 Megawattstunden wurden ins Netz eingespeist.

„Die Photovoltaikanlage versorgt sowohl die Klimatisierung des Gebäudes als auch die ersten beiden Stromtankstellen im Parkdeck vollständig mit Strom. Diese nachhaltige Energieerzeugung trägt nicht nur zur Ressourcenschonung bei, sondern verringert auch die Betriebskosten“, betont Frank Leistner.

Das frische äußere Erscheinungsbild der „neuen“ Handwerkskammer setzt sich im Inneren fort: Auch hier hat sich vieles getan. Wo früher dunkle Teppiche und wuchtige Türen die Gänge prägten, gibt es nun eine helle, freundliche Raumaufteilung mit Bürotüren aus Glas. Hauptgeschäftsführer Forster erzählt außerdem: „In jedem Stockwerk haben wir nun einladende, sehr moderne Stockwerkküchen, die wir gerne auch als Sozial- und Besprechungsräume nutzen.“ Stehtische mit Hockern und bequeme Sessel machen die modernen Teeküchen zum vielseitig nutzbaren Ort.

Im vierten Stock ist ein moderner Veranstaltungs- und Tagungsbereich mit unterschiedlichen Raumgrößen und flexibel nutzbaren Arbeitsplätzen entstanden. Neue Sanitäranlagen im gesamten Gebäude verbessern Komfort und Nachhaltigkeit. Zum Beispiel funktioniert die Warmwasserversorgung nun dezentral mit kleinen Durchlauferhitzern unter jedem Waschbecken. Das ist energieeffizienter als ein herkömmlicher Warmwasserkreislauf.

Bei der Neugestaltung des Gebäudeinneren sollte außerdem das Raumklima verbessert werden und Ressourcen sparsam eingesetzt werden. Auch das ist gelungen: Eine dezentrale Lüftungs- und Teilklimatisierung überwacht den CO2-Gehalt in den Räumlichkeiten und führt bei Bedarf temperierte Frischluft zu. Die Anlage arbeitet mit Wasser als Kältemittel und verzichtet auf chemische Zusätze. Im Zusammenspiel von Temperierung und dem Einsatz von Außenjalousien gelingt es, ein komfortables Raumklima in den Büroeinheiten zu gewährleisten.

Modernes
Innenleben

Besonders ist auch die Auswahl der neuen Auslegeware. Sie unterstreicht das Engagement der Handwerkskammer für umweltfreundliche Materialien, wie der Liegenschaftsleiter erklärt: „Alle unsere Teppiche sind aus recyceltem Polyamid und tragen das Zertifikat Blauer Engel.“ Ebenfalls wichtig: Über die Neustrukturierung der Büros ist das Schrankvolumen signifikant reduziert worden. Dadurch ist zusätzlicher Raum entstanden. Und der Hauptgeschäftsführer fügt hinzu: „Wir treiben in unserer Handwerkskammer die Digitalisierung stark voran. Durch die Maßnahmen hat sich in unserem Haus bereits sehr viel Papier reduzieren lassen. Manche Abteilungen arbeiten inzwischen fast ausschließlich digital. Da braucht es nur noch wenige Schränke.“

Auch in Sachen Brandschutz waren Verbesserungen notwendig. „Im alten Gebäude gab es Mängel bezüglich der regelkonformen Ausbildung von Brandabschnitten. Im Zusammenwirken mit Fachleuten konnten wir ein tragfähiges Brandschutzkonzept erstellen und die ausführenden Firmen haben dieses umgesetzt“, berichtet Frank Leistner. Das Gebäude verfügt nun in allen modernisierten Bereichen über eine flächendeckende Überwachung mit Rauchmeldern. Die Entfluchtung der Etagen, die eigenständige Brandabschnitte bilden, ist über Flure und raumabschließende Bauteile wie Wände und Türen mit entsprechenden Brandschutzqualitäten gesichert.

Die umfangreiche energetische Sanierung bietet viele ökologische und sicherheitstechnische Vorteile, aber auch wirtschaftliche. Der niedrigere Energieverbrauch führt zu langfristigen Kosteneinsparungen, die Integration erneuerbarer Energien macht die Handwerkskammer unabhängiger von externen Energiequellen.

„Insgesamt haben wir für die Baumaßnahmen etwas über 11 Millionen Euro investiert, die durch die KfW gefördert wurden“, erklärt Forster. „Begonnen haben wir mit der Sanierung bereits im Jahr 2016. Eigentlich waren drei Jahre eingeplant. Weil es während der Bauphase immer wieder Erschwernisse gab, etwa Verzögerungen im Genehmigungsverfahren oder unerwartete sanierungsbedürftige Abweichungen, verzögerten sich die Arbeiten stetig.“

Inzwischen sind die Arbeiten aber nahezu abgeschlossen. Der Hauptgeschäftsführer resümiert: „Die Handwerkskammer für Mittelfranken setzt mit dieser energetischen Sanierung nicht nur ein Zeichen für den Umweltschutz, sondern präsentiert sich auch als Vorbild für andere Organisationen und Unternehmen. Denn die Investition in nachhaltige Gebäudetechnik zahlt sich nicht nur in ökologischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht aus und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft, die Umweltfreundlichkeit, Effizienz und Sicherheit in Einklang bringt.“

Nun gilt es noch, Erd- und Kellergeschoss des Gebäudes zu modernisieren. Die Planungen dazu laufen auf Hochtouren. (BSZ)
 

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