Bauen

Die Hörder Burg steht im Mittelpunkt des Stadtteils. (Foto: Neumann)

09.05.2014

Wohnungen statt Hüttenanlagen

Der Phönixsee: Beispiel eines gelungenen Strukturwandels im Ruhrgebiet

Gelungener Strukturwandel im Ruhrgebiet: Noch vor zehn Jahren standen auf einem Gelände in Dortmund-Hörde ein Stahlwerk und zahlreiche weitere Hüttenanlagen. Die Landschaft drumherum war grau in grau, dicke Rohre liefen über die Straßen, die Wohnhäuser sahen vernachlässigt aus. Keine besonders anziehende Gegend für Einheimische und Besucher. Heute strahlt alles in einem Glanz: In den vergangenen Jahren hat sich hier ein Strukturwandel der besonderen Art vollzogen. Verschwunden sind die Hüttenanlagen (sie wurden abgebaut, nach China verkauft und dort originalgetreu wieder aufgebaut) und die dicken Rohre. Ein attraktives Landschaftsbild ist entstanden. Aus einem ehemaligen tristen Stahlwerksgelände ist eine attraktive grüne Freizeitoase mitten in einem Dortmunder Vorort geworden.

Im Mittelpunkt
steht die Hörder Burg


Der Phönixsee mit seiner – teilweise – noch im Bau befindlichen Uferpromenade sowie die noch nicht ganz fertiggestellten Wohnhäuser im modernen Baustil locken zahlreiche Besucher aus nah und fern an. Im Mittelpunkt dieses neu geschaffenen Freizeitgebiets steht – direkt am Seeufer – die vor einigen Jahren frisch renovierte Hörder Burg. Dieses alte Gemäuer hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Sie wurde im 12. Jahrhundert – in unmittelbarer Nähe der Emscher – als Wasserburg der Adelsfamilie Hörde gebaut. Aus dieser Zeit stammt der noch bis heute gut erhaltene Burgturm. Im 30-jährigen Krieg – 1624 – wurde die Hörder Burg von spanischen und später von den französischen Truppen besetzt, brannte teilweise nieder, konnte aber von den alten Grundmauern her wieder neu errichtet werden.
Ab dem 15.Jahrhundert diente die Hörder Burg als Verwaltungssitz des Amtes Hörde. Der Fabrikant Hermann Diedrich Piepenstock kaufte 1840 die Hörder Burg und richtete auf dem Gelände ein Puddel- und Walzwerk ein. Später fusionierte die nach ihm benannte Hermannshütte mit der Dortmunder Hoesch AG. Aber es ging noch weiter. Im Stil des Historismus errichtete man von 1920 bis 1922 eine Vorburg, die als Verwaltungsgebäude des Stahlwerks diente.
In den vergangenen Jahren wurde die Burg von Archäologen gründlich untersucht. Entdeckt wurden Zeugnisse aus über acht Jahrhunderten: Dazu gehören Scherben aus dem 13. Jahrhundert, Schuhsohlen, Keramik, Glas, Brunnenschächte, Umfassungsmauern, ehemalige Gräftenverläufe und die Reste einer Burgkapelle sowie einige Stücke Straßenpflaster aus dem 18. Jahrhundert. Diese Fundstücke finden sich jetzt in einem Freilichtmuseum wieder.

Es entstehen
900 Wohneinheiten


Der letzte Thomaskonverter des Stahlwerks wurde vom Heimatverein gerettet und am Seeufer aufgestellt. Alt und neu vermischt sich sehr gut auf dem Gelände am Dortmunder Phönixsee. Noch im Bau befinden sich einige Wohnhäuser: Hier entstehen auf einer 37 Hektar großen Fläche insgesamt 900 Wohneinheiten als Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser im modernen Baustil, aber auch Bürobebauung. Die Häuser, die mit einem Flach- oder Pultdach ausgestattet sind, liegen jeweils auf 195 bis 540 Quadratmeter großen Grundstücken. Das besondere: Diese Energie-Plus-Häuser besitzen nicht nur Solaranlagen, sondern zeichnen sich auch durch eine sehr gute Dämmung aus, um den Energiebedarf zu senken. Sie sind außerdem noch mit einer Komfortlüftung ausgestattet. Gleichzeitig können die Besitzer einen unverbauten Blick auf den 1,2 Kilometer langen und 320 Meter breiten Phönixsee genießen.
Mit einer Wasseroberfläche von 24 Hektar ist der künstlich angelegte See größer als die Hamburger Binnenalster. Mit einer Tiefe von drei bis vier Metern wurde der See als Flachwassersee angelegt. Zum Schutz der Wasserqualität ist der See nicht als Badesee angelegt worden. Für die Besucher eine kleine Oase inmitten einer Großstadt. (Sabine Neumann) (900 Wohneinheiten entstehen auf einer Fläche von 37 Hektar - Foto: Neumann)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll die Schulpflicht abgeschafft werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.