Bauen

Die Investitionssumme für die neue Günzburger Feuerwache beträgt rund zehn Millionen Euro. (Foto: Philipp Röger für die Stadt Günzburg)

29.07.2022

Zentral in der Innenstadt

Der Neubau der Günzburger Feuerwache liegt zentral in der Stadt

Die neue Feuerwache in Günzburg ist ein Großprojekt, welches für die Sicherheit der Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt sorgt. Durch moderne Technik und durchdachte Raumplanung wurden Abläufe optimiert und dadurch der Alltag der freiwilligen Feuerwehrmänner und -frauen erleichtert. Vom Spatenstich im Juli 2018 bis zur Inbetriebnahme im April 2020 ist eine von innen und außen hochmoderne, barrierefreie Feuerwache entstanden.

Die alte Feuerwache in der Günzburger Innenstadt entsprach nach fast 50 Jahren nicht mehr den Erfordernissen der stetig wachsenden Stadt. Konkret zeigte sich dies in den vorhandenen Stellplätzen für die Einsatzfahrzeuge. Waren in dem Feuerwehrbau aus den 1960er-Jahren, der mit einem Anbau aus den 1980ern die Feuerwache Günzburg bildete, bislang nur elf Stellplätze vorhanden, wurde bei einer Bedarfsplanung des zukünftigen Feuerwehrfuhrparks die erforderliche Stellplatzzahl von mindestens 16 Stellplätzen für Einsatzfahrzeuge plus einen Reserveplatz prognostiziert.

Im Vorfeld des Neubaus der Günzburger Feuerwache wurde ein Feuerwehrbedarfsplan erstellt. Dieser umfasste die explizite Untersuchung verschiedener möglicher Standorte mit der Abwägung von Vor- und Nachteilen. Als ausschlaggebender Faktor für die Standortwahl wurde die Einhaltung der Hilfsfrist beziehungsweise der Gebietsabdeckung herangezogen. Diese beträgt in Bayern zehn Minuten ab Alarmeingang. Die Hilfsfrist beinhaltet die Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle (ILS) Donau-Iller, die Fahrt zur Feuerwache, das Anlegen der persönlichen Schutzkleidung sowie die Fahrt zum Einsatzort. 

Am Ende der intensiven Untersuchungen anhand des erstellten Bedarfsplans standen zwei mögliche Standorte zur Wahl, bei welchen sich die Erreichbarkeiten im Stadtgebiet als identisch zeigten. Unterschiede gab es lediglich in der Anrückzeit (Zeit, die die aktiven Feuerwehrleute von ihrem jeweiligen Arbeitsplatz zur Feuerwache benötigen). 

Durchschnittlich kann der auserwählte Standort drei Minuten schneller erreicht werden, als der andere zur Wahl stehende. Zu diesem Ergebnis kam man zum einen durch Computersimulationen der Fahrtzeit, zum anderen wurde dies durch unzählige tatsächlich durchgeführte Fahrten verifiziert. Letztendlich kam man zu einem eindeutigen Ergebnis: Die neue Feuerwache wird an ihrem alten Standort erbaut. Die zentrale Lage im Stadtgebiet ist für eine Feuerwehr optimal, da sie kurze Anfahrtszeiten gewährleistet und sich sowohl Feuerwehrleute als auch Bürgerinnen und Bürger mit der Feuerwache identifizieren können.

Das Grundstück bietet nach Norden eine Anbindung an die „Augsburger Straße“ und nach Süden die Anbindung zur Straße „Am Stadtbach“. Westlich grenzt eine Bebauung aus Wohnhäusern an. Östlicher Nachbar ist die Staatliche Berufsschule und Staatliche Berufsfachschule für Sozialpflege. 

Die Planung für die neue Feuerwache, die unter anderem gemeinsam mit der Braunger Wörtz Architekten GmbH, dem städtischen Bauamt und der Freiwilligen Feuerwehr Günzburg erfolgte, sah am gewohnten Standort einen stufenweisen Neubau in zwei Bauabschnitten vor.

Der erste Bauabschnitt stellte den Kopfbau mit Verwaltungs-, Schulungs- und Aufenthaltsräumen, neuem Schlauchturm sowie einen Teil der neuen Einsatzstellplätze dar. Um den Betrieb der Feuerwehr während der ersten Bauphase aufrecht zu erhalten, wurde im Bestand mit sieben Stellplätzen gearbeitet. Platz für Sanitäreinrichtungen, Leitstelle und Aufenthalt bot in dieser Zeit eine Containerlösung. Die Mittel aus der Fahrzeughalle wurden teilweise in den Stadtteil Denzingen ausgelagert. Bauabschnitt 2 beinhaltete den kompletten Rückbau des übrigen Feuerwehrhauses und einen zweiten angebundenen Neubau.

Der Kopfbau, der sich mit seinem Haupteingang zum Stadtbach richtet, verfügt über ein Erdgeschoss mit darunterliegendem Keller und einem auskragenden 1. Obergeschoss. In einem westlich angegliederten Bereich mit Teilunterkellerung befinden sich die Sanitärräume der Herren. Ein Höhenversprung der Decke markiert den Beginn des Werkstatt-Trakts. Diesem Baukörper vorgelagert, befindet sich die Fahrzeughalle mit 18 neuen Stellplätzen und einer Waschhalle. Der Kopfbau hat im 1. Obergeschoss ein Ausmaß von 24 x 25 Metern. Die Fahrzeughalle erstreckt sich über eine Länge von knapp 89 Metern.

Das Untergeschoss bietet Platz für Technik und Versorgungsräume, Umkleideräume sowie Lagerflächen und die Schlauchwaschanlage. Von dieser ist über eine Tür der thermisch getrennte Schlauch- und Übungsturm zu erreichen. Die Nordfassade des Turms ist offen und mit vorgehängten Gitterrostelementen versehen.

Im Erdgeschoss befindet sich das Organisationsorgan der Feuerwache mit der Einsatzzentrale, von der aus Fahrzeughalle und Hofbereich eingesehen werden können. Außerdem befinden sich dort der Führungsraum, der Funkraum und das Büro der Gerätewarte. Der Bereich Sanitär und die Umkleiden der Damen sowie Herren bindet westlich davon an. Hier befindet sich ein zweiter Eingang für anrückende Einsatzkräfte. Dieser stellt die kürzeste Verbindung zu den Umkleideräumen und der Fahrzeughalle dar.

In der Fahrzeughalle stehen 18 Stellplätze, ein Prüfplatz und eine Waschhalle zur Verfügung. Durch den sich ebenfalls im Erdgeschoss befindlichen Serverraum wird der Betrieb der Technik im gesamten Haus auch bei einem Ausfall der Stromversorgung für bis zu 96 Stunden garantiert. Im Obergeschoss befinden sich auf einer Fläche von 450 Quadratmetern weitere Büroräume, ein Planübungsraum, ein großer, durch eine mobile Akustikwand teilbarer Schulungsraum, die Florianstube und eine Küche. Als Außenbereich dient eine 40 Quadratmeter große Loggia, über die der Schlauchturm betreten werden kann.

Der Werkstatt-Trakt entlang der Fahrzeughallenrückseite beinhaltet ein Lager für Gas. Genau wie dieser verfügt auch der Müllraum über eine direkte Außenanbindung. Des Weiteren folgen notwendige Räume für Atemschutz und die Vollschutzanzüge mit einem Trockenbereich für die Einsatzkleidung.

Weitere Lagerflächen und Werkstatträume ziehen sich entlang der hinteren Spange. Diese wird durch den Geräteraum der Waschhalle abgeschlossen. Die Ausführungen der Dachkonstruktionen erfolgten als Flachdach mit extensiver Dachbegrünung und einer umlaufend zurückversetzten Attika. Das Gebäude wurde weitestgehend im Beton-Fertigteilbau in Sichtbeton geplant und erbaut.
Seit Baubeginn wurden insgesamt 4800 Kubikmeter Erdreich ausgehoben, 2100 Kubikmeter Stahlbeton, 240 Tonnen Stahl und über 500 Quadratmeter Glasfläche verbaut. Durch ausgereifte Technik mit Alarm-Monitoren, Lautsprechern und Kameras können Informationen direkt eingesehen und weiterverbreitet werden.

Der große Hof bietet Platz für eine Übungsfläche und einen Bereich, in dem Schaumübungen durchgeführt werden können. Die Zu- und Ausfahrt für Pkws erfolgt vom „Stadtbach“ aus. Einsatzfahrzeuge verlassen das Gelände über die Augsburger Straße.

Auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Grundstück sind 22 neu angelegte Pkw-Stellplätze entstanden, einer davon für Menschen mit Behinderung. Diese befinden sich an der Zufahrt vom „Stadtbach“. Weitere fünf Parkplätze bietet eine Längsparkierung. Witterungsgeschützte Fahrradstellplätze befinden sich unmittelbar neben dem Haupteingang. 

Realisiert wurde der Neubau der Günzburger Feuerwache mit einem Budget von zehn Millionen Euro was der ursprünglichen Kostenschätzung entsprach. „Dass unsere Stadt gut für die Zukunft gerüstet ist, ist mir ein wichtiges Anliegen“, so Oberbürgermeister Gerhard Jauernig (SPD). „Mit dem Neubau der Feuerwache wird das großartige Engagement der Freiwilligen Feuerwehr bestmöglich unterstützt und damit nachhaltig zur Sicherheit der Bevölkerung beigetragen.“ (BSZ)
 

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