Beruf & Karriere

Bei der letzten Landtagswahl in Bayern waren verschränkte Arme angesagt. Sollte zeigen: Ich bin ein Macher. (Foto: dpa/Matthias Balk)

29.03.2019

Die Macht der Körpersprache

Gesten können entscheidend beeinflussen, wie jemand wirkt und welchen Verlauf ein Gespräch nimmt

Besonders im Berufsleben ist die nonverbale Kommunikation also von Bedeutung – doch sie richtig einzusetzen, will gelernt sein. „Körpersprache ist viel schwerer zu kontrollieren oder bewusst zu steuern als verbale Äußerungen“, sagt Phillipp Gründel, Kommunikationstrainer aus Nürnberg.
Der eigene Auftritt lässt sich aber zum Beispiel schon mit dem richtigen Maß an Körperspannung verbessern. „Man sollte eine Grundspannung im Körper haben, aber nicht angespannt sein“, erklärt Gründel. „Es ist die Kunst, hier den Mittelweg zu finden, dann strahlt man eine große Ruhe und Präsenz aus.“

Auch bei schwierigen Situationen im Berufsalltag kann die richtige Körpersprache weiterhelfen, etwa wenn sich ein Konflikt anbahnt. Offene Gesten und eine zugewandte Körperhaltung demonstrieren: „Ich bin nicht auf einen Angriff aus, sondern meinem Gesprächspartner gegenüber aufgeschlossen“, so Gründel.

Der Trainer empfiehlt, sich die eigene Körpersprache bewusst zu machen – vor dem Spiegel oder auch durch Videoaufnahmen. „So kann man wahrnehmen, was man eigentlich macht, wenn man spricht. Vielleicht hängt eine Schulter herunter oder ich verstecke aus Nervosität meine Hände?“ Auf dieser Basis lassen sich dann Verbesserungen anstoßen.

Übertreiben sollte man es aber nicht: „Wenn jemand bestimmte Gesten oder Positionen einstudiert, dann kann man das meistens später wahrnehmen“, sagt Gründel. Die Person wirkt dem Experten zufolge dann nicht mehr authentisch, der Gesprächspartner bekommt das Gefühl, dass etwas nicht stimmt und hinterfragt womöglich das Gesagte.

Welche Gesten welche Wirkung erzeugen, darüber herrscht aber nicht immer Einigkeit. „Lange galten verschränkte Arme als ablehnendes Signal, dem sehr viel Bedeutung zugemessen wurde“, sagt Helen Hannerfeldt, Psychologin und Coach aus Berlin. „Inzwischen geht man damit lockerer um. Wer lange auf einem Stuhl ohne Armlehnen sitzt, verschränkt die Arme vielleicht auch aus Bequemlichkeit.“ Wichtig sei es, immer den Kontext zu betrachten, in dem eine bestimmte Körperhaltung eingenommen
wird.

Nicht nur auf bestimmte Gesten konzentrieren – auch die innere Einstellung zählt

Um mit nonverbalen Signalen zu überzeugen, sollte man sich nicht nur auf bestimmte Gesten konzentrieren – auch die innere Einstellung zählt. „Es beginnt grundsätzlich damit, dass ich eine positive Einstellung zu dem Thema und auch zu mir selbst habe“, erklärt die Psychologin.
Die richtige Körpersprache kann schon im Bewerbungsgespräch ausschlaggebend dafür sein, wie ein Kandidat wirkt. „Aus meiner Sicht ist Blickkontakt dabei das Wichtigste“, sagt Frank Schabel vom Personaldienstleister Hays. „Wer seinem Gesprächspartner direkt in die Augen schaut, wirkt offen. Das signalisiert: Ich zeige mich, und ich will auch gesehen werden.“

Entscheidend ist das vor allem für bestimmte Positionen, etwa eine Stelle mit viel Kundenkontakt. „In solchen Rollen ist es natürlich wichtig, dass der Kandidat entsprechendes Selbstbewusstsein mitbringt und dieses durch die Körpersprache ausdrückt“, sagt Schabel.Bei Bewerbern, die keine besonders kommunikative Position besetzen, könne man über Unsicherheiten in der Körpersprache eher hinwegsehen. (dpa)

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