Beruf & Karriere

Laptop und Blaumann: Handwerksbetriebe setzen zunehmend aufs Internet. (Foto: dpa/Riegg Und Partner)

06.08.2021

Wie Handwerksbetriebe online durchstarten

Nicht erst seit Corona ist die Webpräsenz maßgeblich für den Erfolg

Es ist so weit: Die Ausbildung zur Meisterin oder zum Meister ist erfolgreich abgeschlossen und die nötigen Formalitäten mit den Behörden wurden abgeklärt. Die neu angemieteten Betriebsräume sind bereits vollständig mit neuem Equipment ausgestattet. Laufkundschaft und Mundpropaganda bringen einige Kunden in den Betrieb, aber irgendwie steht der echte Durchbruch noch aus. Wer sich in dieser Beschreibung wiedererkennt, sollte ein Auge auf seine eigene Webstrategie werfen. „Nicht erst seit der Corona-Pandemie spielt die Digitalisierung eine immer größere Rolle. Wer keine überzeugende Webpräsenz hat, hat es schwer, neue Interessenten zu finden – gerade als Existenzgründer“, weiß Andreas Karasek, Geschäftsführer der Agentur SEM Berater. Er weiß, worauf es bei der geeigneten Aufstellung im Netz ankommt.

Gelbe Seiten und Google-My-Business-Profil

Gerade wer einen neuen Handwerksbetrieb eröffnet, hat einiges zu beachten, damit der Start ein voller Erfolg wird. Dazu gehört auch, sich rechtzeitig um die Positionierung im Netz zu kümmern. Während sie bereits Visitenkarten gedruckt haben, vergessen viele das Thema Online-Präsenz in ihrer Budgetplanung. „Digitale Maßnahmen wie Website, Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing einzurichten und zu betreuen kostet zwar Geld. Wer als Handwerker*in aber nicht online von potenziellen Kundinnen und Kunden gefunden werden kann, hat verloren“, weiß Karasek.

Zunächst gilt es, die eigene Website sowohl für den Kundenstamm als auch für Suchmaschinen ansprechend zu gestalten. Daher empfiehlt es sich, auf ein übersichtliches und klares Design zu setzen und darauf zu achten, dass die Seite sowohl für PCs als auch für mobile Endgeräte optimiert ist. Für ihren Internetauftritt setzen viele Handwerksbetriebe auf ein vermeintlich kostengünstiges Baukastenprinzip. Die daraus entstehenden Websites können durchaus ansprechend und informativ gestaltet sein, sind aber in der Regel nicht für Suchmaschinen wie Google und Bing ausgelegt und lassen sich dementsprechend auch nicht online von Interessierten finden. „Eine professionelle und gleichzeitig kostenlose Option bietet beispielsweise die Web-Publishing-Software WordPress“, erklärt Andreas Karasek. Mit diesem Programm können Existenzgründer*innen funktionsfähige Seiten erstellen, ohne Programmieren lernen zu müssen oder für jede Änderung einen Webdesigner zu beauftragen. Handwerksbetriebe können damit ihre Website ganz individuell anpassen und nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gestalten.

Damit sich Kundinnen und Kunden trotz allem schnell und einfach auf der Seite zurechtfinden können, sollten Texte so lang wie nötig, aber so kurz wie möglich gehalten sein. Für eine suchmaschinenoptimierte Website ist es außerdem wichtig, relevante Schlüsselwörter möglicher Suchanfragen in den Meta-Angaben, der Überschrift und den ersten 100 Wörtern eines Textes zu nutzen. Es gibt zahlreiche, auch kostenfreie Seiten im Internet, die dabei unterstützen können, alle relevanten Keywords herauszufiltern. Wer einen umfänglichen Service anbieten möchte, sollte seine Website intelligent verknüpfen und dafür beispielsweise Verlinkungen zu weiteren Dienstleistungen wie Chatfunktionen einbauen. Auch eine lange Ladezeit schreckt sowohl Kunden als auch Suchmaschinen ab. Daher empfiehlt es sich, Fotodateien oder auch Grafiken in der kleinstmöglichen Größe zu verwenden.

Um im Netz sichtbar zu sein, sollten Handwerksbetriebe nicht nur auf suchmaschinenoptimierte Websites setzen, sondern auch die Schaltung von Suchmaschinenwerbung, auf Englisch Search Engine Advertising, kurz SEA, in Betracht ziehen. Klug eingesetzt, kann so selbst ein kleines Budget deutlichen Erfolg versprechen. Dabei bietet nicht nur Google interessante SEA-Angebote. Der Marktanteil der Suchmaschine Bing liegt bei etwa zehn Prozent und generiert rund 509 Millionen Suchanfragen pro Monat in Deutschland. Hier herrscht weniger Konkurrenz als beim Marktführer, sodass eine Anzeigenschaltung durchaus ein geeigneteres Preis-Leistungs-Verhältnis bedeutet. Als Zahlungsmodell sollten Einsteiger das sogenannte CPC, also Cost-per-Click wählen, bei dem nur gezahlt werden muss, wenn ein Besucher auf die Anzeige klickt.

Für die Einrichtung einer Anzeige gilt es zunächst den geografischen Bereich festzulegen. Schließlich sucht ein Interessent aus Magdeburg keinen Tischler in Köln, sondern eher jemanden, der ihn vor Ort unterstützen kann. Auf diese Weise lässt sich Budget einsparen, da so nur für die Suchenden relevante Anzeigen ausgespielt werden. Einen besonders wichtigen Faktor stellen auch bei Suchmaschinenwerbung die Keywords dar. Es lohnt sich, die Keywords möglichst spezifisch zu setzen, sodass nur Nutzer auf die Anzeige klicken, die tatsächlich ein spezifisches Interesse signalisieren. Sogenannte Long-Tail-Keywords eignen sich dabei besonders, da sie aus mehreren Begriffen bestehen und bereits die Suchintention der User spezifizieren. Der Anzeigentext sollte besonders aussagekräftig sein und möglichst genau auf die Probleme der Suchenden eingehen. „Auch ein Google-My-Business-Profil lohnt sich für Handwerksbetriebe. Hier kann man seinen Branchen-Eintrag verwalten und Google gezielt mitteilen, in welchem Bereich man tätig ist. So lässt sich die Verknüpfung zu den relevanten Suchbegriffen erhöhen.“ (Lena Koithan)

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