Reisen

In Niederthai gibt es 13 Loipen mit einer Gesamtlänge von rund 31 Kilometern. (Foto: Friedrich H. Hettler)

27.01.2020

Der ganze Winter inklusive

Faszination Schnee auf dem Tiroler Sonnenplateau Niederthai im Ötztal

Immer wieder muss man runterschalten bei den zahlreichen Spitzkehren und dann wieder einen Zahn zulegen, damit das Auto den rund sechs Kilometer langen Straßenverlauf von Umhausen hinauf nach Niederthai bewältigt. Unter einer gemütlichen und entspannten Anreise auf diesen letzten Kilometern stellt man sich da schon etwas anderes vor. Aber schließlich geht es von 1036 hinauf auf 1550 Meter, und diese mehr als 500 Höhenmeter wollen zuerst einmal bezwungen werden. Allerdings winkt mit dem Niederthaier Sonnenplateau dann eine Belohnung, die schon seinesgleichen sucht – Höhenlage, Schneegarantie und ein vielfältiges Loipenangebot, das zudem noch kostenlos ist und vor allem viel Sonne.

Absolut versteckt liegt der kleine Ort Niederthai mit seinen rund 400 Einwohnern in einem Seitental des Ötztals in den Stubaier Alpen. Insider kennen den Ort als kleine, aber feine Destination für den Skilanglauf. Das Prädikat „Ötztaler Langlaufzentrum“ trägt das Sonnenplateau Niederthai zu Recht. Doch damit noch nicht genug. Hobbyathleten üben beim Schnupperbiathlon ihre Treffsicherheit und wer gar nicht genug bekommt, kann fünf Tage in der Woche seine abendlichen Runden auf der beleuchteten Langlaufstrecke ziehen.

Der nordische Sport macht dem typischen Skitag mittlerweile gehörig Konkurrenz: keine Menschenmengen oder Wartezeiten an den Liften, dafür aber viel Natur und Individualität. In Sachen Beliebtheit bei Nordic-Fans gilt Niederthai daher als eine Klasse für sich. Das Gelände rund um Niederthai bietet Loipen in allen Schwierigkeitsgraden und ist daher bestens sowohl für Genusslangläufer als auch echte Sportler geeignet. Nicht umsonst darf sich der Ort mit dem begehrten Tiroler Loipen-Gütesiegel schmücken. Die Auszeichnung bürgt für Qualität. Insgesamt 31 Loipenkilometer und Routen stehen für Anhänger der nordischen Disziplinen bereit. Ob im klassischen Stil oder als Skater, für jeden Geschmack und jede Konditionsstufe findet sich hier die passende Strecke.

Auch Nachts auf die Skilanglaufstrecke

Ein Naturerlebnis besonderer Güte erschließt sich mit der Loipe ins Horlachtal über 3,2 Kilometer, die neben sportlicher Aktivität auch zum Verweilen und Innehalten einlädt. Als angenehme Einstiegsrunde empfiehlt sich die Sonnenplateauloipe über drei Kilometer. Was das Langläuferherz in Niederthai erfreut: Das Geld bleibt in der Tasche, denn das umfangreiche, bestens präparierte Angebot ist, wie bereits kurz erwähnt, kostenlos.
Alle, die nach einem Ski- oder Arbeitstag noch sportlich losstarten wollen, steigen in die gut einen Kilometer lange Frühloipe oder die 1,3 Kilometer lange Tellerboden Nachtloipe. Von Montag bis Freitag sind diese Loipen bis 21 Uhr beleuchtet.

Die Kombination aus Skilanglauf und Schießen begeistert regelmäßig Millionen Menschen vor den TV-Bildschirmen. In Niederthai eröffnet sich jeden Donnerstag und Sonntag die Gelegenheit, den populären Sport selbst auszuüben. Unter professioneller Begleitung testen die Teilnehmer ihre Treffsicherheit an der 50-Meter-Laserschießanlage, ob stehend oder liegend oder beides.

Interessiert am Ski- und Langlaufsport aber noch ohne Vorkenntnisse? Kein Problem, denn dank professioneller Skischule und -verleiher vor Ort kommen auch absolute Einsteiger rasch in die richtige Spur. Das Spektrum passt zum umfangreichen Angebot in Niederthai. Vom Langlaufkurs über Skischule bis hin zu Skitouren und Schneeschuhwanderungen zum Beispiel zum „Wiesle“, einer romantischen Waldlichtung mit einer Jausenstation und einer kleinen Kapelle. Allerdings ist die Jausenstation im Winter nicht bewirtschaftet. Der Besuch dieses herrlichen Fleckchens Erde lohnt sich aber allemal.

Und nicht zu vergessen: Niederthai erweist sich mit drei kleinen Schleppliften, einem Verbindungslift und insgesamt vier Pistenkilometern als ideales Skigebiet für Familien und insbesondere für Wiedereinsteiger und Anfänger.

Toll ist auch eine Winterwanderung zur Larstigalm. Von der jeweiligen Unterkunft geht es in rund einer Stunde über den rund vier Kilometer langen, aber geräumten Winterwanderweg hinauf zur Larstigalm. Hier werden die Gäste mit Tiroler Spezialitäten verwöhnt wie selbstgemachten Knödeln und anderen Produkten aus der eigenen Landwirtschaft. Nach einer kräftigen Jause geht es dann auf dem Schlitten wieder zurück in den Ort.

Unbedingt in Augenschein nehmen sollte der Niederthai-Gast den Stuibenfall. Er ist mit einer Fallhöhe von 159 Metern der zweit-höchste Wasserfall Tirols. Beim Einsturz des Bergmassivs bei Köfels ungefähr 7000 v. Chr. türmte sich auf der gegenüberliegenden Seite der heutige Tauferberg auf. Dieser staute den Horlachbach, und es bildete sich ein großer See. Das Wasser nagte sich durch einen Felsen, aus dem der heutige Stuibenfall fällt, der Rest des Felsens ist als natürliche Brücke noch erhalten. Auch sind noch die Reste des Sees als Uferterrassen in Niederthai erkennbar.

Der Wasserfall ist mit Wanderwegen und Gastronomie als Touristenattraktion gut erschlossen, seit 2007 auch mit einer Hängebrücke ganz oben und fünf verteilten Aussichtsplattformen auf dem Weg nach unten. Die Plattformen sind teilweise an so exponierten Stellen angelegt, dass das „Stuiben“ (stäuben) direkt erlebt werden kann. Seit 2008 gibt es auch noch einen 450 Meter langen, familienfreundlichen Klettersteig, der im letzten Teil den Wasserfall quert. Während der Sommermonate wird der Wasserfall an einem Tag in der Woche abends beleuchtet.

Nach einem tödlichen Felssturz musste die ursprüngliche Wanderroute für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Nach zweijähriger Bauzeit führt nun eine Stahlkonstruktion mit 728 Stufen und einer 80 Meter langen Hängebrücke zu den Aussichtsplattformen und nach Niederthai.

Lohnend und interessant ist auch der Besuch der Alten Dorfschmiede in Niederthai. Sie wird in der 4. Generation vom Schmied Günther Falkner und seiner Frau Barbara seit 2002 betrieben. Ein Schmied hat natürlich irgendwie immer mit Metall oder Edelmetallen zu tun. Günther Falkner und seine Frau haben sich der alten Tradition des Münzprägens angenommen. Früher wurden Münzen nicht maschinell hergestellt, sondern mit einem sogenannten Fallhammer. Die beiden besitzen so einen alten Fallhammer, der nachweislich aus dem 17. Jahrhundert stammt. Mit diesem Fallhammer haben sie eine neue Münze kreirt: Den „ Ötzitaler“. Man kann ihn nach wie vor in der „Alten Dorfschmiede“ in Niederthai als Souvenier-Anhänger oder auch als Sondermünze im Rahmen einer Führung prägen.

Bierbrauen
plakativ erklärt


Ein Unikum ist Yannick Allombert. Der aus dem Elsass stammende Betreiber des Ötztaler Brauhauses lebt seine Berufung, das Bierbrauen. Seine ersten Versuche als Brauer gehen zurück in das Jahr 2010. 2014 war es dann so weit. Seither gibt es das Ötztaler Brauhaus in Niederthai. Ohne Punkt und Komma erzählt er in seinem elsässisch gefärbtem Tirolerisch/Deutsch auf äußerst humorvolle Weise den Beginn seiner Leidenschaft. Darüber hinaus gelingt es Allombert, die chemischen Prozesse bei der Bierherstellung auf sehr anschauliche und plakative Art und Weise, oft mit dem Schalk im Nacken, den Zuhörern nahezubringen und diese nicht mit chemischen Formeln und Abläufen zuzutexten. So hätte man sich in der Schule auch oftmals den Chemieunterricht gewünscht, denken sicherlich einige der Gäste.

Jede Bierspezialität des Ötztaler Brauhauses wird durch originale Flaschengärung mit Hefebodensatz händisch hergestellt. Auf Filtration, Pasteurisierung oder andere Wärmebehandlung wird zugunsten einer optimalen Geschmacksentwicklung bewusst verzichtet. Je nach Hefesorte der jeweiligen Biere klärt sich der Gerstensaft in der Flasche und dem Fass unterschiedlich stark. Einige Sorten können aus der Flasche daher wahlweise blank oder trüb genossen werden. Auch im Fass setzt sich der Hefeboden einiger Biersorten standhaft fest und macht somit einen durchaus leuchtend blanken Farbeindruck möglich. Nichtsdestotrotz sind bei einem Naturprodukt in handwerklicher Produktion geringfügige Schwankungen in Farbe und Geschmack nicht auszuschließen, betont Allombert.

Ein Zuckerl hält Niederthai für seine Gäste noch bereit, die Niederthai Card. Diese All-lnclusive-Karte bündelt noch bis 30. April 2020 eine Vielzahl von Leistungen, die kostenlos genutzt werden können. Dazu zählen unter anderem die Skilifte, die Teilnahme am Langlaufschnupperkurs und Biathlon-Training, die Führung Alte Dorfschmiede und die Fahrt mit dem Ski- und Langlaufbus, eine Stuibenfall Laternenwanderung sowie eine geführte (Schneeschuh-)Winterwanderung.

Wie auf einem Sonnenbalkon liegt Niederthai eingebettet in die Ötztaler Bergwelt und bietet neben all den sportlichen Aktivitäten und der Schneesicherheit herrliche Landschaftsbilder, dörflichen Charakter, Natur pur sowie winterliche Ruhe in der Mitte des Ötztals. Wer sich einmal so richtig, ohne den üblichen Urlaubsstress, erholen will, ist hier am richtigen Platz. (Friedrich H. Hettler)

(Blick über das Sonnenplateau und Biathlon liegendschießen. Schmied Günther Falkner am Amboss und Brauer Yannick Allombert - Fotos: Friedrich H. Hettler)

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