Reisen

Der lächelnde Beethoven von Ottmar Hörl. (Foto: Friedrich H. Hettler)

11.06.2019

Geschichte, Kultur und Musik

Bonn, die ehemalige Bundeshauptstadt, bereitet sich auf den 250. Geburtstag ihres berühmten Sohns von Ludwig van Beethoven vor

Ludwig van Beethoven gilt als der meistgespielte klassische Komponist der Welt. Bonn, wo Beethoven im Dezember 1770 geboren wurde, und die „Beethovenregion“, die sich um ihren berühmten Sohn versammelt, präsentieren anlässlich seines 250. Geburtstags von Dezember 2019 bis Dezember 2020 ein vielfältiges, perspektivenreiches und zukunftsweisendes Beethoven-Entdeckerjahr.

Beethovens Musik begeistert, reißt mit und fordert immer wieder heraus. Sie gilt als Inbegriff der Menschlichkeit. Die „Ode an die Freude“ aus Beethovens neunter Sinfonie ist offizielle Europahymne, aber geliebt und mitgesungen wird sie auf allen Kontinenten. So ist sie zur musikalischen Chiffre geworden für ein gemeinsames Bemühen um Frieden, um gerecht verteilte Chancen und um gegenseitiges Verständnis.

Das Jubiläumsjahr bietet großartige Musikerlebnisse und Chancen für die Verständigung über gesellschaftliche Identitäts- und Zukunftsthemen. Von Beethoven ausgehend und auf vielfältige Weise zu ihm hinführend, werden in zahlreichen Veranstaltungen, entlang der fünf prägenden Leitthemen B-T-H-V-N, bewährte, neue, manchmal visionäre und oft staunenswerte Sichten auf den Menschen und Komponisten erlebbar gemacht.

Ein multimedialer Rundgang mit Stationen im öffentlichen Raum macht beispielsweise das Leben Beethovens in seiner Geburtsstadt und im Rhein-Sieg-Kreis neu erlebbar. Wie hat der Mensch und Künstler Beethoven gelebt, was hat seine Entwicklung beeinflusst, wie haben ihn die Stadt und die Region geprägt? Welche Zeugen der Vergangenheit sind heute noch zu sehen?

Beethoven-Marathon

Das Eröffnungskonzert in der Oper Bonn findet am 16. Dezember statt. In einer eigens für das Eröffnungskonzert konzipierten Beethoven-Collage wird ergründet, welche Relevanz Beethoven und seine Musik für uns heute noch haben können. Ein paar Tage später, am 21. Dezember, findet dann der Beethoven-Marathon statt – ein Musik-Parcours durch Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis mit allen neun Sinfonien in ungewöhnlichen Fassungen, mit Beethoven-Performances der freien Kreativszene und einer kurzweiligen Jubiläums-Staffelübergabe vom Jacques Offenbach-Jahr Köln an das Beethoven-Jahr Bonn an Bord eines Rheinschiffs.

Am 1. Januar feiert dann Beethovens einzige Oper Fidelio als erste Neuinszenierung des Jahres 2020 Premiere. Natürlich lässt es sich das Beethoven Orchester Bonn nicht nehmen, mit „Ludwich“ gemeinsam lustvoll „Alaaf!“ zu rufen (21. Februar). Von Hörrohren und kalten Wasserduschen, mit Pappnase und Kamelle ... So geht es das ganze Jahr über weiter, bis am 16. Dezember 2020 das Beethoven-Jahr mit einer großen Gala endet, in der nochmals das Jubiläumsjahr Revue passiert.

Neben all diesen Veranstaltungen präsentiert die Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn anlässlich des 250. Geburtstags des großen Komponisten und Visionärs die zentrale Ausstellung Beethoven. Welt. Bürger. Musik. Die Schau zeichnet die wichtigsten Lebensstationen Beethovens vor dem Hintergrund historischer Ereignisse nach und verschränkt diese mit seinem musikalischen Werk. Das Beethoven-Haus präsentiert sich mit einem neugestalteten Museum in Beethovens Geburtshaus und einem außergewöhnlichen ganzjährigen Jubiläumsprogramm. Ab dem Tauftag Beethovens am 17. Dezember lädt die neue Dauerausstellung dazu ein, den Künstler am Originalschauplatz zeitgemäß zu erleben.

Die Ausstellungsstruktur ist chronologisch angelegt und zeichnet in übergreifenden Kapiteln das Leben und Werk Beethovens nach. Sie präsentiert einzigartige Originalexponate aus den Beständen des Beethoven-Hauses sowie aus weiteren deutschen und internationalen Sammlungen. Ikonische Porträts stellen die Persönlichkeit des Komponisten vor und hinterfragen gleichzeitig sein gängiges Bild in der Öffentlichkeit. Origi-nalinstrumente und die in den Ausstellungsrundgang integrierten Hörstationen lassen die Besucher in historische Klangwelten eintauchen. Wertvolle Autographe, Skizzenbücher und Erstausgaben veranschaulichen die Arbeitsweise des Komponisten. Der kulturhistorische Kontext der Lebens- und Wirkungsgeschichte Beethovens wird unter anderem durch Geistesgrößen und prägende Staatsmänner seiner Zeit definiert, zu denen Napoleon Bonaparte ebenso gehörte wie Beethovens adelige Gönner und illustre Freunde.

Grün, golden und lächelnd

Die Neupräsentation in Beethovens Geburtshaus bietet über verschiedene Themen informative und emotionale Zugänge zum Komponisten und rückt die über 200 originalen Objekte – Manuskripte, Instrumente, Alltagsgegenstände, Beethovens Hörrohre sowie Porträts – aus weltberühmten Sammlungen in ein neues Licht. Neu sind auch eine „Schatzkammer“, in der Originalhandschriften gezeigt werden, Sinnesräume mit audiovisuellen Angeboten sowie ein Musikzimmer, in dem Konzerte auf historischen Tasteninstrumenten, Filmvorführungen und Vorträge angeboten werden.

Etwas skurril ist/war dagegen die Bürgeraktion UNSER LUDWIG, eine Kunstinstallation. Auf dem Münsterplatz in Bonn standen bis vor Kurzem noch 700 einen Meter hohe serielle Beethoven-Skulpturen in den Farben Opalgrün – in Anlehnung an das Beethoven-Denkmal auf dem Münsterplatz – und eine Gold-Edition, entworfen von dem Konzeptkünstler Ottmar Hörl. Dessen Idee: Die Skulptur stellt bewusst einen lächelnden Beethoven dar, um so von Bonn aus ein sympathischeres Beethoven-Bild in die Welt zu bringen.

Für die Figuren wurden mindesten 500 Paten gesucht – für jeweils 300 Euro. Denn nur so konnte die Produktion der Skulpturen und die Kunstinstallation finanziert werden. Das Echo war überwältigend. Mittlerweile liegen über 1100 Patenschaftserklärungen vor und täglich treffen neue ein. Seit Kurzem ziehen die kleinen Beethovens jetzt in die Geschäfte, Häuser oder Vorgärten ihrer Paten um.

Ist man dann schon mal in Bonn, sollte ein Besuch beziehungsweise eine Besichtigung des früheren Regierungsviertels mit der Villa Hammerschmidt, dem Palais Schaumburg, dem Kanzleramt und dem Kanzlerbungalow sowie des Langen Eugen auf der To-do-Liste nicht fehlen.

Ein absolutes Highlight für politisch und historisch Interessierte auf der Bonner Museumsmeile ist der Gang durch die Ausstellung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik. Auf über 4000 Quadratmetern präsentiert die Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“ anhand von rund 7000 Exponaten deutsche Zeitgeschichte – lebendig und aktuell, mit individuellen Perspektiven und im internationalen Kontext. Originalobjekte sind anschaulich in Szene gesetzt, viele interaktive Stationen und Interviews mit Zeitzeugen begleiten den Besucher auf dem Weg vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Insgesamt gibt es über 120 Stunden Bild und Ton. Noch ein Tipp: Ausreichend Zeit für den Gang durch die Ausstellung mitbringen.

Frisch herausgeputzt

In unmittelbarer Nähe zum früheren Regierungsviertel und zur Museumsmeile befindet sich das Maritim Hotel Bonn. Mit einer Bauzeit von nur neun Monaten schaffte das Haus 1989 den Sprung ins Guiness-Buch der Rekorde. Pünktlich zum 30. Geburtstag erstrahlt es jetzt in frischem Glanz. Die weitreichende, rund eineinhalb Jahre dauernde Renovierung umfasste die Zimmer – Austausch von Teppichen, Wandbekleidungen und Gardinen, neue Betten, stylische Ohrensessel mit Fußteil, Schreibtischstühle und Lampen –, die Gastronomie und die öffentlichen Bereiche. Die Zimmer der Superior Kategorie und die Suiten, die sich auf der fünften und sechsten Etage befinden, wurden in einem komplett neuen Look gestaltet.

In den 16 Veranstaltungsräumen, die Platz für rund 9000 Menschen bieten, werden jetzt durch die neue LED-Beleuchtung angenehme Lichteffekte erzielt. Bemerkenswert ist auch der Umbau des Schwimmbad-Sauna-Wellnessbereichs. „Nur der Pool blieb, wo er war“, erklärt die stellvertretende Hoteldirektorin Silke Krämer. Wellnessgäste können jetzt unter zwei Saunen wählen und in einem schicken Ruheraum entspannen.

Die 410 Zimmer und Suiten des Maritim Hotels Bonn verteilen sich auf zwei Flügel über sechs Stockwerke. Nicht weniger als 41 Suiten, darunter zwei 118 Quadratmeter große Luxussuiten, lassen deutlich erkennen, dass im größten Hotel der ehemaligen Bundeshauptstadt für Gäste bestens gesorgt ist. (Friedrich H. Hettler)

(Beethovens Geburtshaus und der Kammermusiksaal darin sowie eins der Hörrohre des Komponisten - Fotos: Friedrich H. Hettler; das Maritim Hotel Bonn wurde 1989 fertiggestellt; eine Suite der Superior-Kategorie und das Frühstücjsbuffet - Fotos: Maritim Hotelgesellschaft mbH)

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