Kommunales

Grand Hotel Sonnenbichl gehört einem arabischen Konsortium. (Foto: Weindl)

06.05.2016

Abramowitschs bayerische Filiale

In Garmisch-Partenkirchen gehen immer mehr Immobilien an schwerreiche Ausländer

In der Frühzeit des Tourismus war Garmisch-Partenkirchen ein begehrter Zweitwohnsitz von Künstlern und Literaten und Schauplatz einer lebendigen Kulturszene. Die prominenten „Zuagroasten“ von heute sind deutlich exotischer und diskreter – und stammen mehrheitlich nicht aus Deutschland.

Der Name deutete es schon an. In der „Pension Nirvana“ in der Partenkirchner Hindenburgstraße Nummer 19 ging es nicht nur um profane Nächtigungen. Das Haus der Wirtin Helene Jacobsen war einst ein legendärer Künstlertreffpunkt und eine Quelle kreativer Ideen. In den 1920er Jahren avancierte die Pension zu dem, was man heute einen Hotspot nennen würde. So soll dort schon vor knapp 100 Jahren vegan gekocht worden sein, weswegen manche Einheimische spöttisch von den Kohlrabi-Aposteln sprachen. Das deutsche St. Moritz wurde Garmisch-Partenkirchen genannt.

Und das aus gutem Grund. Bereits im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert siedelte sich eine bessere Gesellschaft an, zu der auch der Generalmusikdirektor Hermann Levi, der Maler Max Beckmann und der Philosoph Ernst Bloch gehörten. Die einstige Villa von Richard Strauss steht heute noch unübersehbar an der Mittenwalder Straße im Ortsteil Partenkirchen. Der Popularität kam es auch zugute, dass das preußische Kaiserhaus und der bayerische Hochadel regelmäßig anreisten.

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Kommune, der damals ja noch aus den beiden in tiefer Rivalität verbundenen Orten Garmisch und Partenkirchen bestand, zu einer Künstlerkolonie. Dazu zählten Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Karl Kraus und Lion Feuchtwanger. Mit der Nazi-Herrschaft und der Propaganda-Maschinerie zur Winterolympiade 19936 war allerdings dann bald Schluss mit der freigeistigen Künstlergesellschaft.

Ab 1889 Bahnverbindung nach München


Ausschlaggebend für den frühen Ruhm war die 1889 eröffnete Bahnverbindung nach München. „Die Bahn und der damit verbundene wachsende Tourismus sorgten dafür, dass schon um die Jahrhundertwende so viele Künstler kamen“, meint Franz Wörndle, der Leiter des Marktarchivs in Garmisch-Partenkirchen.
Prominenten Zuzug hat Garmisch-Partenkirchen auch heute. Der gibt sich allerdings wesentlich zurückhaltender – so wie der Besitzer des historischen Leitn-Schlössls in Partenkirchen in bester Panoramalage mit postkartengerechtem Blick auf den Ort, die Alp- und Zugspitze.

Von der Römerstraße zweigt links der Wilhelm-von-Müller Weg ab. Hinter hohen Bäumen versteckt sich an der Hausnummer 10 die stattliche weiße Jugendstilvilla mit schlossähnlichen Ausmaßen. Einsehbar sind weder das Gebäude noch das Grundstück, das mit hohen Zäunen abgesichert ist. Schade eigentlich, denn das Leitn-Schlössl gehört zu den architektonischen Pretiosen im Ort und wurde 1896 vom Münchner Architekten Emanuel von Seidl erbaut, der später auch für die Villa des Komponisten Richard Strauss weiter unten im Ort verantwortlich war.

Seit einigen Jahren gehört das Schlössl zu den geheimnisvollsten Adressen in Partenkirchen und war bis vor rund zehn Jahren im Besitz der Familie des ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin beziehungsweise von dessen Tochter Tatjana Jumaschewa. Danach übernahm Oligarch Roman Abramowitsch die Immobilie, wurde aber bislang sehr selten in Partenkirchen gesehen. Am Leitn-Schlössl ließ der Multimilliardär umfangreiche Renovierungs- und Erweiterungsbauten durchführen, zu denen auch eine Schwimmhalle gehörte.

Neue Besitzverhältnisse und eine umfassende Renovierung erfuhr auch das alteingesessene Grand Hotel Sonnenbichl am nördlichen Ortsrand von Garmisch. Vor rund 200 Jahren baute die Familie Bader das Haus, funktionierte es Ende des 19. Jahrhunderts zum Hotel um, das sich bis zum Zweiten Weltkrieg als Nobelherberge gut entwickelte. In den Kriegsjahren wurde es als Lazarett genutzt und wurde später eine Mädchenpension.

Auch der Sultan von Oman kurt regelmäßig im Ort


In der Nachkriegszeit gab es etliche Besitzerwechsel, bis ein Firmenkonsortium aus dem Oman das Hotel übernahm. Ein Mitglied dieses Konsortiums scheint eine besondere Liebe zu Garmisch-Partenkirchen zu haben. Sultan Qabus Ibn Said, Staatsoberhaupt des Oman, zieht es regelmäßig nach Garmisch-Partenkirchen, wo sich der 76-Jährige regelmäßig ärztlich untersuchen lässt, und wo er am Nordwestrand von Garmisch zu Füßen des Kramer auf der Maximilianshöhe ein stattliches Anwesen besitzt. Gäste- und Ärztehaus gehören zur Immobilie – was auch nachvollziehbar ist, wenn man weiß, dass der Sultan mit rund 200köpfiger Gefolgschaft anreist. Den Sultan selbst bekommen die Garmischer kaum zu sehen. Dafür lässt er Honigtöpfe verteilen und seine Kapelle, die Royal Guard Oman, auch mal im hiesigen Kurpark aufspielen. Umgekehrt wurden die einheimischen Blaskapellen inklusive Goaßlschnalzern im Vorjahr vom Royal Opera House of Oman zum Gastspiel eingeladen.

Die Kombination aus orientalischen Attitüden und bayerischer Lebensart ist im Ort auch nichts Besonderes. Im alteingesessenen Posthotel am Marienplatz in Garmisch kann man sich auch mit Döner stärken. Der Besitzer des Traditionshauses ist ein türkischer Bauunternehmer, der mittlerweile mehrere Gastbetriebe und etliche Ferienwohnungen in Garmisch-Partenkirchen erworben hat, darunter auch das einstige Post-Hotel in der Partenkirchner Marienstraße, das heute Atlas Grand Hotel heißt. Unlängst wollte er auch das ehemalige Finanzamt erwerben, was aber von der Marktgemeinde übernommen wurde, die dort ein Seniorenheim einrichten will.

Wann der Hotelbesitzer Ibrahim Kavun selbst im Ort anwesend ist, das lässt sich leicht feststellen, erzählen die Einheimischen. Dann parkt sein Maybach dekorativ vor dem Eingang des Posthotels in der Marienstraße. Für die Garmischer auch nichts Ungewöhnliches. Die Familie Maybach, die Nachfahren des legendären Autokonstrukteurs August Wilhelm Maybach hat seit vielen Jahren einen Zweitwohnsitz zu Füßen der Zugspitze. (Georg Weindl)

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