Kommunales

Auch Schneeschuhlaufen ist eine beliebte Disziplin bei den jungen Sportler*innen. (Foto: Barbara Friederichs)

20.01.2023

Am wichtigsten ist das Gefühl, willkommen zu sein

Vom 23. bis zum 26. Januar 2023 finden in Bad Tölz die Special Olympics für geistig Behinderte im Wintersport statt – mit anderen Anforderungen als bei den Paralympics

Wenn in den bayerischen Bergen Olympische Winterspiele stattfinden, dann ist das zweifellos eine eingehende Vorberichterstattung wert. Auch wenn die Special Olympics nicht mit gigantischen konventionellen Winterspielen vergleichbar sind, so stehen dahinter doch phänomenale Leistungen. Special Olympics ist auch der Name einer weltweiten Organisation für und mit Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung mit mehr als fünf Millionen Athleten und Athletinnen. Initiiert wurde die Organisation 1968 von Eunice Kennedy-Shriver, einer Schwester von US-Präsident John F. Kennedy. Die deutsche Special Olympics gibt es seit den frühen Neunzigerjahren, einen bayerischen Landesverband seit 2004.

Special Olympics umfassen nicht nur globale Wettkämpfe, sondern auch Veranstaltungen auf Landesebene. Bad Tölz ist in der Zeit von Montag, 23., bis Donnerstag, 26. Januar 2023, Austragungsort der Special Olympics Bayern. Dort werden insgesamt 85 Delegationen und 620 Athlet*innen dabei sein. Insgesamt, also mit Trainer- und Betreuerstab, rechnet man mit rund 1300 Teilnehmenden.



Zehn verschiedene Sportarten im Programm


Dabei handelt es sich keineswegs nur um eine rein bayerische Veranstaltung. Neben rund 500 bayerischen Athlet*innen starten auch 25 Teilnehmende aus anderen Bundesländern. Delegationen aus Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen nehmen an den Winterspielen in Bad Tölz teil. Außerdem werden Gäste aus dem Ausland zu den Winterspielen im Isarwinkel erwartet. Dazu ergänzen die Delegationen von Special Olympics Österreich mit 56 Personen und Special Olympics Schweiz mit 40 Personen das Starterfeld.

Auf dem Programm stehen zehn verschiedene Sportarten. Neben den klassischen Kategorien Ski alpin, Snowboard, Skilanglauf und Schneeschuhlaufen gehören dazu auch Eiskunstlauf, Shorttrack, Stocksport und Floorball. Neu sind in Bad Tölz die Sportarten Klettern und Tanz. Mit 89 Kletternden sowie 40 Tanzenden ist hier das Interesse erfreulich groß. Das Programm an den vier Tagen ist dann auch dicht gefüllt mit der Eröffnungsfeier am Montag, den drei folgenden Wettkampftagen sowie einem Rahmenprogramm mit Familienabend, ergänzt um Athleten- und Helferdisco und der Abschlussfeier.

Seit April 2021, dem Zeitpunkt der offiziellen Vergabe durch die Special Olympics Bayern (Soby), laufen die Vorbereitungen in Bad Tölz. Eine derart große Anzahl an Menschen mit geistiger Behinderung unterzubringen und zu betreuen, ist natürlich eine besondere Herausforderung. Hierbei gibt es gravierende Unterschiede zwischen Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung.

 

Barrierefreiheit oftmals nicht baulicher Natur



„Im Falle unserer Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung ist das Thema Barrierefreiheit oftmals nicht baulicher Natur“, erklärt Sebastian Stuhlinger, stellvertretender Geschäftsstellenleiter bei Special Olympics Bayern. Vielmehr geht es um leichte Sprache, Beschilderung und Orientierung. Und es ist wichtig, die Unterkünfte im Umgang mit der Zielgruppe zu sensibilisieren.“ Der Anteil von Teilnehmer*innen, die auf einen Rollstuhl oder andere Mobilitätshilfen angewiesen sind, ist verschwindend gering. Am wichtigsten ist für alle Teilnehmenden die Nähe zu den Sportstätten, gute und einfache Erreichbarkeit und vor allem das Gefühl, willkommen zu sein.

Bei der Unterbringung sind besondere Maßnahmen in überschaubarem Maße erforderlich. Die Organisation obliegt jeweils den einzelnen Delegationen, die aber von der Stadt Bad Tölz unterstützt werden. Bad Tölz ist dafür offensichtlich gut gerüstet. „Wir haben mit der Sportjugendherberge einen wichtigen Betrieb, in dem ein Großteil der Teilnehmer untergebracht ist. Außerdem gibt es bei uns entsprechende Strukturen und viel Erfahrung bei der Unterbringung von Gruppen“, beschreibt Michael Lindmair, Zweiter Bürgermeister in Bad Tölz, die Situation. Wichtig ist hier vor allem eine einfache Beschilderung, die durchgängig identisch gestaltet ist vom Quartier bis zu relevanten öffentlichen Räumen und den Sportstätten.

Was die Kosten für die Teilnahme angeht, gibt es hier kein einheitliches Bild. „Die Finanzierungsstruktur sieht bei den Delegationen ganz unterschiedlich aus“, sagt Sebastian Stuhlinger von Soby. „Teilweise gibt es Budgets der übergeordneten Träger, viele sind sehr gut im Gewinnen von Spendern und Sponsoren, oftmals wird mit den Service-Clubs in der Heimat zusammengearbeitet.“ Für die Kosten für Anreise und Logis kommen die Delegationen jeweils selbst auf. Außerdem ist ein Teilnehmerbetrag an die Soby zu bezahlen. Soby sorgt für die Mittagsverpflegung an den Sportstätten. Ansonsten geht die Verpflegung auf eigene Rechnung der Delegationen.


Lokale Unterstützung ist existenziell wichtig


Darüber hinaus unterstützen zahlreiche Sponsoren die Winterspiele in Bad Tölz. Ein lokales Autohaus stellt Fahrzeuge für den Shuttleservice zur Verfügung. Der Hauptsponsor, das Biotechnologieunternehmen Roche in Penzberg, organisiert eigene Mitarbeiter*innen, die den Fahrdienst übernehmen. Lokale Unterstützung und ehrenamtliche Helfende sind für die Special Olympics Winterspiele lebensnotwendig. „Dazu gehört das Engagement der lokalen Vereine, die mit Fachkenntnissen, Helfern und Helferinnen und Material tatkräftig unterstützen. Zudem kommt noch Hilfe aus Schulen, Hochschulen, Organisationen, von kooperierenden Unternehmen und aus der Bevölkerung“, ergänzt Stuhlinger.

 Dabei genügt es nicht, die freiwilligen Unterstützenden zu haben. Sie müssen auch vorbereitet werden. In Bad Tölz wurde deshalb früh mit der Sensibilisierung betroffener Gastbetriebe und Einwohner begonnen. „Spezielle Schulungen gab es für die rund 300 offiziellen freiwilligen Helfer, was doch vergleichsweise mehr ist als bei konventionellen Sportveranstaltungen“, sagt Zweiter Bürgermeister Michael Lindmair. „Hilfe kommt auch von rund 200 angehenden Polizisten von der Polizeischule in Dachau, die hier bereits eine Ausbildung absolviert haben.“ Und dann sind da natürlich noch die lokalen Schulklassen und Vereine, die als Helfer mit dabei sind. (Georg Weindl)

 

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