Kommunales

Mit gerade einmal 27 Jahren wäre der damalige Oberbergmeister Humboldt fast "ein Opfer" seiner wissenschaftlichen Versuche geworden, wie er in einem Brief schrieb. Wenn ein Kollege ihn damals nicht ohnmächtig aus der Grube gezogen hätte, wäre der heute weltberühmte Forscher wohl längst in Vergessenheit geraten. (Foto: dpa/Nicolas Armer)

09.09.2019

Auf Alexander von Humboldts Spuren durch Franken

Am 14. September wäre Alexander von Humboldt 250 Jahre alt geworden. Als Naturforscher erkundete er Lateinamerika, die USA und Zentralasien - doch alles begann in Franken.

Die Tafel ist schon verwittert, aber die Buchstaben sind noch gut lesbar: "BESTÄNDIGES GLÜCK" prangt über dem Eingang zum ehemaligen Bergwerk des Bergbaureviers Goldkronach. Es war wirklich Glück, das Alexander von Humboldt dort hatte. Mit gerade einmal 27 Jahren wäre der damalige Oberbergmeister fast "ein Opfer" seiner Versuche geworden, wie er in einem Brief schrieb. Wenn ein Kollege ihn damals nicht ohnmächtig aus der Grube gezogen hätte, wäre Humboldt wohl längst in Vergessenheit geraten.

Doch der Naturforscher, der am Samstag (14. September) 250 Jahre alte geworden wäre, wurde weltweit berühmt: Er erkundete Lateinamerika, die USA und Zentralasien, forschte unter anderem zu Tieren und Pflanzen, interessierte sich für Astronomie, Physik und Chemie.

Heute ist der Schacht im Landkreis Bayreuth schon nach wenigen Metern verschüttet. Es riecht modrig, ist beklemmend eng und vor allem stockfinster. Eine Große Höhlenspinne verschwindet in der Dunkelheit. Aber eben auch die eigenen Beine, die über Steinbrocken stolpern. Der ideale Ort also für Humboldts Versuch.

Bei "bösen Wettern" die Grubenlampe ausprobieren

Er wollte damals bei "bösen Wettern" eine Grubenlampe ausprobieren, die auch in sauerstoffarmer Luft nicht ausging. Seine Lampe brannte, doch Humboldt "wurde müde, sehr wohl, betaumelt" und sank in die Knie, wie er später einem Freund schrieb. Nach seiner Rettung war er "wie besoffen und matt, zwei Tage matt", doch beim Erwachen konnte er seine Lampe noch brennen sehen. "Das war wohl der Ohnmacht wert", meinte der Oberbergmeister rückblickend.

Diesen Forschungsdrang, Unruhe und Einsamkeit entwickelte Humboldt während seines Aufenthalts in Franken von 1792 bis 1797. "In dieser Zeit spiegelt sich im Grunde bereits alles, was auch sein gesamtes späteres Leben bestimmt hat", sagt Frank Holl, Historiker und Autor des Buches "Alexander von Humboldt. Mein vielbewegtes Leben". Sogar die Inspirationen für seine berühmten Werke "Ideen zu einer Geographie der Pflanzen" und "Kosmos - Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" soll er schon in Franken gehabt haben.

Seine Forschungen betrieb er nachts, tagsüber war er für den Bergbau im heutigen Oberfranken verantwortlich. "Im Grunde hat er ein Doppelleben geführt", erzählt Holl, der Humboldt als einen rastlosen, hyperaktiven Mensch beschreibt. "Er ist herumgereist wie ein Wahnsinniger." Meist schon in den frühen Morgenstunden brach Humboldt mit drei Pferden und zwei Reitknechten auf. Nach Naila, Bad Steben (beide Landkreis Hof), Wunsiedel oder Goldkronach.

Als Humboldt mit 22 Jahren zum ersten Mal durch Franken reiste, bot sich ihm ein "Bild des Verfalls": eingestürzte Gruben, kaum Luft zum Atmen in den Schächten und nicht ausgebildete "Knaben von blühendem Ansehen... mit fürchterlichen Knochenkrankheiten befallen". Ein Kulturschock für den jungen Gelehrten, der in einem Schloss in Berlin aufgewachsen ist. Also ließ er die Stollen ausbauen, gründete eine Bergschule in Bad Steben, verkürzte die Arbeitszeiten der Bergleute und sorgte für finanzielle Absicherung der Witwen.

Den Lehrplan für die Berufsschule schrieb er selbst

Seine Spuren lassen sich bis heute verfolgen: Im Rathaus von Bad Steben war die "Königlich Freie Bergschule" untergebracht, die Humboldt finanzierte. Auch den Lehrplan für eine der ersten Berufsschulen schrieb er selbst. Über dem Eingang zur alten Mühle in Goldmühl erinnert eine Tafel daran, dass Humboldt dort einst gelebt hatte. Auch im heutigen Goldbergwerkmuseum in Goldkronach soll er gewohnt haben, im dortigen Humboldt-Zimmer können sich Museumsbesucher über sein Leben in Franken informieren.

Überhaupt gilt Goldkronach als die deutsche Von-Humboldt-Stadt schlechthin: Gasthaus, Apotheke und Schule sind nach ihm benannt, bald auch ein eigens angelegter Museumspark. Eine Bäckerei verkauft "Humboldt-Laabla" und "Humboldt-Laib" aus alten Getreidesorten. Vor dem Schloss des Bergbaustädtchens blüht die rote Humboldt-Rose und Schlossherr Hartmut Koschyk bietet "Humboldt-Trunk" einer fränkischen Brauerei an.

Als Vorsitzender des Humboldt-Kulturforums organisiert er Vorträge und Theaterstücke zum Leben des Forschers in Franken, lädt Humboldt-Stipendiaten aus aller Welt ein und plant einen "Fränkischen Humboldttag" zu dessen 250. Geburtstag. Schließlich war es Humboldt selbst, der mit 25 Jahren in einem Brief schrieb: "In Goldkronach besonders bin ich glücklicher, als ich je wagen durfte zu glauben."
(Mirjam Uhrich, dpa)

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