Kommunales

Nürnberg hat zwar die älteste und größte Fußgängerzone einer europäischen Stadt – aber eben nicht durchgehend. Die letzten Lücken sollen nun verschwinden. (Foto: Pelke)

13.05.2022

Ausweitung der Fußgängerzone

Nürnberg wächst jährlich um 2000 Menschen, die brauchen Platz – Einzelhandel und Atmosphäre sollen auch profitieren

Nürnberg ist stolz auf seine Fußgängerzone – das älteste und größte autofreie Areal in einer europäischen Stadt. Doch ist das Areal zwischen Bahnhof, Lorenzkirche und Rathaus auch durchlöchert wie ein Schweizer Käse: Überall bestehen Ausnahmen. Die sollen jetzt geschlossen werden – und die Kommune lässt sich das einiges kosten.

In der Brunnengasse hat die Stadt bereits gehandelt. Seit einigen Tagen dürfen keine Autos mehr in die kleine Sackgasse neben der Färberstraße fahren. Die war zuletzt besonders bei Halbstarken als Balzarena für lautstarke PS-Boliden gefragt gewesen. Nun dürfen nur noch Lieferwagen in die Brunnengasse, um die vielen Imbissläden zu beliefern – und auch das nur zu bestimmten Zeiten.

Kein Stauumgeheungsschleichweg mehr

Als nächstes soll die Königstraße vom Torgraben bis zur Theatergasse in eine Fußgängerzone verwandelt werden. Der bei Ortskundigen beliebte Stauumgehungs-Schleichweg vom Bahnhof zum Hallplatz soll ab Ende dieses Monats geschlossen werden. Anschließend sollen die letzten Autos aus der Burgstraße verbannt werden. Spätestens im November sollen die Leute zwischen Stöpselgasse, Stadtmuseum und Rathaus unbehelligt von Autos flanieren können. Als Höhepunkt soll die nicht nur bei Touristen beliebte Bergstraße beim Albrecht-Dürer-Platz in Sichtweite der Sebalduskirche zum Teil der erweiterten Fußgängerzone werden.

Seit zehn Jahren wird in Nürnberg bereits darüber diskutiert, wie die Strahlkraft der Altstadt im Rahmen des arg bürokratisch klingenden Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts (INSEK) erhalten werden kann. Dabei werden Faktoren wie die Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt. Die Einwohnendenzahl von Nürnberg soll bis 2035 jährlich um bis zu 2000 Personen – vorwiegend aus den südosteuropäischen EU-Ländern – ansteigen. Nürnberg ist beliebt bei den dortigen Armutsmigrant*innen: Es gibt bereits eine zahlenmäßig starke Community und die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten eher moderat. Doch müssen die zusätzlichen Armen eben irgendwo untergebracht werden; nur in die sozialen Brennpunkte abdrängen funktioniert nicht länger.

Neben den sozialen wirken auch ökologische Aspekte

Die Stadtverwaltung ist dabei gewillt, neben den sozialen auch an die ökologischen Aspekte bei der Entwicklung der Altstadt zu denken. Die ziemlich steinerne Kernstadt soll grüner werden. Die Ausweitung der Fußgängerzone schafft das Kunststück, alle Ziele unter einen Hut zu bringen. Die autofreie Zone sorgt nicht nur für weniger Verkehr, sondern ermöglicht zugleich die klimafreundliche Umgestaltung von Straßen und Plätzen.

Baum statt Blech: Nach diesem Muster soll auch die vielbeschworene Aufenthaltsatmosphäre gestärkt werden. Letztere wird seit der Einführung der Nürnberger Fußgängerzone im Jahr 1966 rund um die Breite Gasse wohl hauptsächlich daran gemessen, inwieweit diese mit Restaurants und Sehenswürdigkeiten gesäumte Sonderzone des Konsums in der Lage ist, zur Prosperität des Wirtschaftslebens beizutragen. Letztere hängt in Nürnberg offensichtlich stark vom Zustand der Fußgängerzone ab.

"Hosen und Hemden allein locken niemand mehr"

„Wir wollen unsere attraktive Innenstadt durch die Erweiterung langfristig erhalten“, sagt Nürnbergs Baureferent Daniel F. Ulrich. „Hosen und Hemden allein“ würden die Kundschaft nicht mehr in die City locken. „Die Leute suchen das Erlebnis in der Innenstadt. Nürnberg hat mit seiner bunten Struktur aus Gastronomie, Kultur und Geschichte in der Altstadt und einer der größten Fußgängerzonen in Europa hier einen Riesenvorteil“, ist sich Ulrich sicher. Weil andere Städte ihre Geschäftsmeilen ebenfalls ausweiten, wolle Nürnberg entsprechend nachziehen.

Nürnberg gilt als sehr attraktiver Einzelhandelsstandort – in der dank des Speckgürtels fast 30 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet wird, als die Menschen in Nürnberg selbst rein rechnerisch an Kaufkraft haben. Mit einem Einzelhandelsumsatz von rund 3,5 Milliarden Euro pro Jahr muss sich Nürnberg nur München geschlagen geben und rangiert noch vor Metropolen wie Düsseldorf, Stuttgart, Köln oder Hamburg. Vor diesem Hintergrund sind die Investitionen in das neue Mobiliar für die neue Nürnberger Fußgängerzone gut angelegt. Knapp eine halbe Million Euro will sich Nürnberg die Anschaffung von Abfalleimern und Sitzbänken kosten lassen.
(Nikolas Pelke)

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