Kommunales

Den Nachwuchs an die Realitäten der bäuerlichen Tätigkeiten heranführen: Auch Spaß ist dabei, wenn die Triesdorfer ihren Johannitag feiern“ – oder so ähnlich. (Foto: WRA)

04.09.2020

Die Energiewende anschaulich machen

Das Bildungszentrum des Bezirks Mittelfranken in Triesdorf ist in vielen technologischen Bereichen unterwegs

In Mittelfranken gibt es keinen Zweifel, wo der Bezirk seinen Klimaschutz- und Energieschwerpunkt gesetzt hat: in Triesdorf. Vor mehreren Jahrzehnten begannen dort engagierte Lehrkräfte wie Johann Sedlmeier an den – damals noch landwirtschaftlichen – Lehranstalten, Nachhaltigkeit nicht nur in den Anbaumethoden, sondern auch in der Energieversorgung zu erkunden und den Lernenden nahezubringen.

So gründete sich zum Beispiel schon 1987 unter Beteiligung des Bezirks Mittelfranken die MER, die Mittelfränkische Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffe e.V. Der Vereinszweck: „Entwicklung und Nutzung erneuerbarer, umweltfreundlicher Energieversorgungstechnologien“ von Sonnenenergie bis Biogas ebenso wie Methoden der rationellen Energienutzung und ihre Anwendung unter Praxisbedingungen in Mittelfranken zu fördern.

Da der Sitz der MER in Triesdorf ist, entstand drumherum auch das Netzwerk Erneuerbare Energien Westmittelfranken, das 2006 am 1. Westmittelfränkischen Energietag öffentlich präsentiert wurde. Die Mitglieder: Kommunen, Unternehmen, Banken, Landkreise, Privatpersonen und Bildungseinrichtungen.

Versorgt von einer Biogasanlage


Letztere wiederum haben ebenfalls hauptsächlich den Sitz im Weidenbacher Ortsteil Triesdorf. Da sind einmal die Lehranstalten, die sich weit aus dem landwirtschaftlichen Bildungszentrum hinaus entwickelt haben. Das ist besonders gut am „Fachzentrum für Energie und Landtechnik“ zu erkennen. Insgesamt 17 Millionen Euro hat der Bezirk in jüngerer Zeit in zwei neue Bauabschnitte der früheren Landmaschinenschule gesteckt. Im Herbst 2019 öffnete das gewaltige Forum für Energie und Landtechnik seine Tore. Zudem besteht das bezirkliche Bildungszentrum Triesdorf aus einer Vielzahl von Einrichtungen, die durch intensives Zusammenwirken vernetzt sind. Und: Auf dem Gelände ist auch der fränkische Teil der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf angesiedelt.

Umwelt und Energie bedeuten in Triesdorf: Einerseits kümmert man sich um Boden, Wasser und Abfallwirtschaft. Und auf der anderen Seite steht das sogenannte Fachzentrum für Energie und Landtechnik (FEL), das sich den Themen Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildung und Praxiserprobung widmet. Die Praxis steht beim FEL ganz oben. Und zwar nicht nur bei Fortbildungen und Veranstaltungen zu Biomasse wie Energiepflanzen oder Energiewald, zu Biogas, Photovoltaik, Elektromobilität und Speichern.

Das FEL hat ein komplettes Energiewendemodell entwickelt, das die komplexen Zusammenhänge der Energiewende anschaulich erklärt. „Wir machen das Modell einer breiten Öffentlichkeit zugänglich“, erläutert Hans-Jürgen Frieß vom Kompetenzteam Erneuerbare Energien. Das fällt umso leichter, als fast das ganze Bildungszentrum Triesdorf von einer Biogasanlage nebst Hackschnitzelheizung über ein Nahwärmenetz versorgt wird. Dass dazu viel Strom von der Sonne kommt – und zwar nicht nur für Gebäude und Werkstätten, sondern auch für landwirtschaftliche Nutzung – braucht fast nicht mehr erwähnt zu werden.

Doch Triesdorf macht nicht alles allein. So wurden heuer in Zusammenarbeit mit dem regionalen Energieversorger N-ergie AG auf zehn Feldern von Biogasbauern in ganz Mittelfranken Saatgutmischungen gesät, um zu testen, wie gut sich der weitverbreitete Mais als Biogasanlagenfutter ersetzen lässt. „Wir werden nach der Ernte feststellen, wie viel Biomasse, wie viel Trockensubstanz, wie viel Methanausbeute dieser Veitshöchheimer Hanfmix hat“, beschreibt FEL-Leiter Norbert Bleisteiner den Anteil seiner Bezirkseinrichtung an dem Feldversuch. „Wir kommen nach der Wissenschaft und kurz vor dem Markt“, ordnet er seine Einrichtung ein.

"Neuer Denkansatz für die zukünftige Ausrichtung der Biogasbranche"


Den Feldversuch mit den Blühpflanzen nennt er dafür genauso wie den gerade im Aufbau befindliche Test für Agro-PV, also Solarmodule, die über oder an Feldern aufgestellt werden, welche man weiterhin landwirtschaftlich nutzen kann. Das werde zwar in kleinem Maßstab für die Eigenstromversorgung geschehen, so Bleisteiner. Aber das FEL setze dabei bewusst 20 Jahre alte Solarmodule zur Nutzung nach der EEG-Förderung ein, bei denen das herabtropfende Regenwasser gesammelt wird. Außerdem werde bei dem Versuch stark auf die Biodiversität auf dem Agro-PV-Feld geachtet.

Bezirkstagspräsident Armin Kroder (FW) sagt zur Kooperation wie im aktuellen Hanfmix-Fall: „Regionalität, Klimaschutz und Biodiversität miteinander verbinden sind nicht nur ein gesellschaftlicher Wunsch, sondern gleichzeitig ein neuer Denkansatz für die zukünftige Ausrichtung der Biogasbranche. Mit dem Projekt werden neue Akzente gesetzt, um die regionale Bedeutung von Biogasanlagen zu stärken und gleichzeitig den Nutzen für die Allgemeinheit herauszustellen.“

In den Bezirksliegenschaften selbst verwende man schon nachhaltige Materialien. Das ist eine Erkenntnis aus Gebäudeabbrüchen der 1960er- und 1970er- Jahren, die wegen ihrer Schadstoffe hohe Kosten verursachen. Und beim Energieverbrauch kann man immer noch was rausholen. Dabei müsse aber gelten: Ökologisch verträglich, ökonomisch erfolgreich und sozial gerecht!“ (Heinz Wraneschitz)


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