Kommunales

Stromtrassen. Foto: dpa

05.07.2019

Gegen den Strom

Darum war die Privatisierung des Elektrizitätsmarkts ein ein Fehler - ein Kommentar von Tobias Lill

Die Angst vor einem Blackout geht um. In Deutschlands Stromnetzen ist es im Juni zu heftigen Schwankungen gekommen. An drei Tagen des Monats wurde teils deutlich weniger Elektrizität eingespeist als gerade benötigt worden wäre.

Die Republik stand nicht zum ersten Mal vor einem Blackout. Die Schwankungen im deutschen Stromnetz sind nicht zuletzt wegen der zunehmenden Mengen regenerativen Stroms mitunter enorm. Ein übriges tut das nach jahrzehntelangem Kaputtsparen teils marode Stromnetz.

Welche Folgen ein Blackout haben kann, zeigten jüngst die stundenlangen Stromausfälle in Teilen Südamerikas, wo nicht nur in vielen Haushalten plötzlich das Licht ausging. Dass so etwas nun auch im reichen Deutschland droht, ist ein Armutszeugnis für die Politik. Schuld an der Misere ist die lange Zeit neoliberaler Politik, die seit Mitte der 1980er-Jahre weite Teile der Daseinsvorsorge an die Privatwirtschaft verschleuderte – so etwa neben der Stromversorgung auch die Bahn und sogar Teile der Wasserversorgung. Dass Privatisierung beim kostbaren Nass der falsche Weg ist, zeigt das Beispiel Berlin. Längst kaufte das Land diese wieder teuer zurück.

Der Staat sollte seinen Kommunen vertrauen

Auch bei der Stromversorgung dürfte so mancher die guten Zeiten vermissen, in denen es noch viele kommunale Versorger gab, die nicht immer billig, aber dafür zuverlässig arbeiteten. Zumindest die letzten Blackouts gehen auf das Konto der Unions-, SPD- und FDP-Politiker, die stets glaubten, der Markt werde schon alles richten. Doch das tut er eben nicht: Denn am sogenannten Markt für Regelenergie, der kurzfristige Schwankungen ausgleichen soll, profitierten Zocker zuletzt skrupellos von der Stromknappheit.

So kostete eine Megawattstunde am vergangenen Samstag in der Spitze knapp 38 000 Euro statt wie in ruhigen Zeiten oft nur zehn Euro. Offenbar haben Händler Versorgungslücken im Regelenergiemarkt zunächst bewusst nicht ausgeglichen, um später höhere Gewinne einzustreichen. Dieses Marktversagen zeigt: Wenn es um Daseinsvorsorge geht, sollte der Staat sich selbst und seinen Kommunen vertrauen. (Tobias Lill)

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