Kommunales

Auch Tirschenreuth wäre von den Fusionsplänen wohl betroffen. (Foto: dpa/Armin Weigel)

01.02.2019

„Landstadt Fichtelgebirge“

Eine Wählervereinigung will in Nordostbayern 42 Kommunen zu einer 160 000-Einwohner-Großstadt zusammenlegen – die Skepsis ist groß

Entsteht im Fichtelgebirge bald Bayerns viertgrößte Stadt nach München, Nürnberg und Augsburg und noch vor Regensburg und Ingolstadt? Das könnte passieren, wenn sich die Initiatoren um den Wunsiedler Stadtrat Matthias Popp durchsetzen würden. Das neue politische Gebilde hätte dann rund 160 000 Einwohner.

Seit fast drei Legislaturperioden sitzt Matthias Popp im Stadtrat und seinen Plan verfolgt er schon lange. Bei den etablierten Politikern habe er damit aber bisher nicht durchdringen können. „Ich höre zwar immer, dass es eine gute Idee sei, aber die Zeit dafür eben noch nicht reif“, berichtet Popp im Gespräch mit der Staatszeitung. Von den Bürgern der Region habe er auf Nachfrage aber Zuspruch erfahren. 

Schon vor einem Jahr hatte der Professor für Energietechnik an der Technischen Hochschule Nürnberg seine Pläne für eine „Landstadt Fichtelgebirge“ erstmals vorgestellt. Seitdem hat er an seiner Idee weitergearbeitet und inzwischen hat er einige Unterstützer, beispielsweise den bekannten Hausarzt und Freie Wähler-Stadtrat Alexander Fuchs oder den früheren Chef der Wunsiedler Firma Dronco, Bernd Leutheußer.


Und das ist der Plan: Im Fichtelgebirge gibt es bisher 42 selbstständige Kommunen, die auf vier verschiedene Landkreise verteilt sind: Hof, Bayreuth, Wunsiedel und Tirschenreuth. Die beiden letztgenannten Kreise würden nahezu vollständig in der neuen Großstadt aufgehen, Hof und Wunsiedel müssten Territorium abtreten. „Eine einmalige Chance“ sei das für die Region, ist Maximilian Popp überzeugt.


Ob die Kreise tatsächlich mitspielen und die Kreistage dem Austritt zustimmen, selbst wenn der Bürgerwille dem entspräche, bleibt abzuwarten. Gerade erst hatte die Kreisstadt Neu-Ulm ihren Plan verkündet, den gleichnamigen Landkreis zu verlassen. Das Kreisparlament aber versucht diesen Plan zu verhindern. Und zustimmen muss natürlich auch noch der bayerische Landtag.


Am 15. Februar wollen Popp und seine Mitstreiter im Autobahnhof Thierheim-Plärrer ihre überparteiliche Wählervereinigung mit dem Namen Große Landstadt Fichtelgebirge gründen. Mit der möchten sie dann bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr antreten – in allen 42 Gemeinden und in den vier Landkreisen.

Um alle Listenplätze zu füllen, bräuchte die Vereinigung etwa 800 Mitstreiter. Als Wahlziel peilt er ein Ergebnis an, „das es den etablierten Parteien unmöglich macht, gegen unsere Wählervereinigung Politik zu betreiben.“


Das langfristige Ziel ist dann ein gemeinsamer Oberbürgermeister, der frühestens im Jahr 2026 gewählt werden könnte. Der dann 68-jährige Popp freilich käme für das Amt aus Gründen der Altersbeschränkung nicht mehr infrage. Dass es eine neue große Verwaltung braucht, glaubt er übrigens nicht. Der digitale Fortschritt werde dazu führen, dass man die Kapazitäten in den bisherigen Rathäusern miteinander verschmelzen könne.

 

Befürworter versprechen sich wirtschaftliche Vorteile


Von einem Zusammenschluss erhofft man sich nicht nur mehr politisches Gewicht in München, Berlin und Brüssel, sondern auch eine wirtschaftliche Stärkung der Region. Bisher werde da noch viel zu sehr im Kleinteiligen vor sich hingearbeitet, das große gemeinsame Potenzial nicht ausreichend ausgeschöpft, ist Popp überzeugt. Als Beispiele nennt er unter anderem den Öffentlichen Nahverkehr und die Gesundheitsversorgung. Dass die politischen Strukturen in der Region auf Dauer so erhalten bleiben wie bisher, das hält Maximilian Popp für ausgeschlossen. Denn vor allem die Landkreise Tirschenreuth und Wunsiedel seien vom demografischen Wandel betroffen, verlören kontinuierlich Einwohner. Irgendwann werde es so oder so eine Fusion geben – aber dann eben von oben verordnet und nicht von den Bürgern gestaltet.

In der Region gilt Popp als politischer Querdenker. Bereits vor einigen Jahren hatte er vorgeschlagen, die zehn Gemeinden rund um die Kösseine zusammenzulegen. Als einziger Stadtrat hatte er sich für die geplante Stromtrasse durch den Landkreis Wunsiedel ausgesprochen. In der Vergangenheit hatte er sich stark gegen die Aufmärsche von Nazis in Wunsiedel eingesetzt.

Aus seiner CSU-Fraktion ist er inzwischen ausgetreten, schließlich konkurriere man bei der nächsten Wahl miteinander. In der Partei aber möchte der nun fraktionslose Stadtrat bleiben. (André Paul)

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