Kommunales

Michael Kolahsa, Fischereifachberater beim Bezirk Unterfranken, entließ 100 Exemplare des bedrohten Fisches bei Mainsondheim in den Main. (Foto: Hiller)

16.11.2022

Lang verschollener Schlammpeitzger wird neu angesiedelt

Unterfränkische Fischereifachberatung startet Aktion im Main

Auch wenn es weitaus weniger spektakulär zuging, als im epochalen Science-Fiction-Klassiker Die Rückkehr der Jedi-Ritter von George Lucas aus den 1980er-Jahren, ist der Besatz der Schlammpeitzger in ihren ursprünglichen Lebensraum, dem Main, trotzdem eine großartige und einmalige Sache. Denn, wie Michael Kolahsa, Fischereifachberater beim Bezirk Unterfranken, erklärt, gelten die Schlammpeitzger bereits seit vielen Jahren als verschollen und stehen auf der sogenannten Roten Liste in der höchsten Gefährdungskategorie.

Besonders schlimm wurde es seit dem Mainausbau, als der Main zur Bundeswasserstraße wurde. Durch die Begradigung und die fortschreitende Kanalisierung des Fließgewässers wurde der natürliche Lebensraum der Schlammpeitzger deutlich eingeschränkt. Die Auengewässer verschwanden. Dadurch kam es kaum noch zu Überflutungen im Hinterland, die der Schlammpeitzger oder auch Schlammbeißer so dringend als Lebensraum benötigt. Denn er braucht tatsächlich Schlamm, weil er nachtaktiv ist und sich tagsüber im Morast vor Fressfeinden versteckt.

Deshalb hat Kolahsa einen Nebenarm des Mains ausgewählt, um den seltenen Fisch, der vorwiegend am Grund des Flusses lebt, möglichst optimale Bedingungen zu gewähren. Eine Besonderheit, die den Schlammpeitzger auszeichnet, ist die Eigenschaft, dass er – auch wenn die Luft einmal dünn wird – atmosphärische Luft verschlucken und dann den Sauerstoff aufnehmen kann. Dazu taucht er kurz auf und schnappt Luft, die dann durch den Dickdarm wieder ausgestoßen wird und als Blasen nach oben steigen. Deshalb kann er auch längere Hitze- oder Trockenperioden überleben.

Art kommt gut mit dem Klimawandel zurecht

Er ist deshalb auch der ideale Fisch, wenn es darum geht, mit dem Klimawandel zurechtzukommen. Diese Eigenschaft hat ihm allerdings auch die zweifelhaften Namen Furz-Fisch, Furzgrundel und Gewitterfurzer eingebracht. Diese Bezeichnungen sind zwar nicht gerade appetitanregend, trotzdem ist der Fisch grundsätzlich essbar. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde notiert, dass er leicht verdaulich und gut bekömmlich sei. Ähnlich wie beim heimischen Karpfen, wenn man diesen nicht wässert, schmeckt er wegen seines Lebensraums aber morastig und modrig und landete deshalb kaum auf der Speisekarte. Wegen seines hohen Proteingehalts und aufgrund der damaligen großen Bestände, verfütterten ihn einheimische Bauern teilweise an ihre Schweine, so Kolahsa.

Ob die Wiederansiedlung des Schlammpeitzgers erfolgreich war, wird sich im nächsten Jahr zeigen. Dann wird die Fischereifachberatung prüfen, ob sich der Fisch im Main wohlfühlt und sich im besten Fall sogar vermehrt hat.
(Florian Hiller)

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