Kommunales

Die Bayerische Regiobahn hat es satt, von Fahrgästen für Versäumnisse der DB in Haftung genommen zu werden. (Foto: dp/Philipp Schulze)

05.08.2022

Personalaufstockung vorrangig auf Touri-Routen

Das 9-Euro-Ticket gilt für alle ÖPNV- und Regionalzüge in Deutschland – doch betroffene Mitbewerberfirmen der Deutschen Bahn sind von dieser maximal genervt

Die Ambitionen sind groß, die Verlockungen ebenfalls. Bis Ende August gibt es das 9-Euro-Ticket. In den bayerischen Urlaubsorten sah man dem Ausflugsverkehr mit gemischten Gefühlen entgegen. Erschwerend kam hinzu, dass gleich zu Beginn Schlagzeilen von Punkerausflügen Richtung Sylt für Verunsicherung sorgten.

Nach den ersten Wochen und vor allem nach dem Pfingstwochenende waren die Erfahrungen eher durchwachsen. Dabei war alles im Einsatz, was zur Verfügung stand. Über Pfingsten hatte die DB Regio mit 86 000 Zugfahrten bundesweit maximale Kapazitäten aufgelegt, wie der Vorstandsvorsitzende Jörg Sandvoß erklärte. „Da ist alles gerollt, was rollen konnte.“ Maximalauslastung bedeute das auch für das Personal, das mit überfüllten Zügen, entsprechend frequentierten Bahnhöfen und vielen überforderten und gestressten Kund*innen zu tun hatte.

Toilette defekt? Tja, Pech gehabt – gibts eben keine. Dafür wurde vor allem entlang der touristischen Strecken das Personal aufgestockt, Reinigungsarbeiten verstärkt. Das änderte aber wenig daran, dass laut Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn auf Hauptstrecken Züge nicht abfahren konnten.

Ein sehr spezielles Problem wurde bislang nicht beachtet, bis erste Meldungen kamen von den Problemen mit nicht funktionierenden Toiletten in den Zügen. Ein nicht unerheblicher Teil der Toiletten in Nahverkehrszügen scheint wegen technischer Mängel oder Personalmangel verschlossen. Eine unerfreuliche Erfahrung machte eine Frau in Hessen im Mittelhessen-Express. Da alle Toiletten geschlossen waren, musste sie ihr Geschäft in einer Ecke des Zugwaggons verrichten.

Große Nachfrage vor allem in Richtung Berge

Auch in Bayern war die Nachfrage vor allem Richtung Berge und Natur sehr groß. An Spitzentagen waren bei der Bayerischen Regiobahn maximal lange Züge mit vierfacher Traktion bis zu 220 Metern Länge im Einsatz. „Unsere Appelle wurden von den meisten Fahrgästen beherzigt, kleines Gepäck mitnehmen, auf Fahrräder verzichten, zu den Randzeiten fahren, und wir hoffen, dass es auch so bleibt,“ kommentiert Geschäftsführer Arnulf Schuchmann die ersten Erfahrungen.

Dabei blieb es vor allem in der Provinz trotz des Ansturms relativ ruhig. Tumulte und Zugräumungen fanden wenn, dann eher in den zentralen Bahnhöfen in den großen Städten statt. Besonders begehrt waren Plätze in den Zügen von München Richtung Füssen und damit auch nach Neuschwanstein, wo sonst viele asiatische Reisenden unterwegs sind, sowie von München nach Salzburg, für das es eine grenzüberschreitende Sonderregelung gibt, die die Fahrt auf österreichischer Seite inkludiert. Da das 9-Euro Ticket auch viele Leute anzieht, die sonst nicht oder kaum mit der Bahn unterwegs sind, wurden auch zusätzliche Mitarbeitende eingesetzt, die den Strom der Reisenden in die richtigen Züge und Waggons lenken. Weniger gut haben es die Radtouristen. Mangels Platz in den vollen Waggons konnten Reisende mit Rad oft nicht zusteigen. Dabei ist auch der Weg mit dem Rad zum Zug nicht immer einfach, da neben den vollen Bahnsteigen auch oft die Liftanlagen in Bahnhöfen nicht funktionieren.

Zufrieden scheint man auch am Tegernsee. Die Züge sind derzeit nicht nur an den Wochenenden, sondern auch an Wochentagen gut gefüllt. Probleme gab es dort mit Bahnreisenden kaum, befand Harald Gmeiner, Vorstand des kommunalen Kompetenzzentrums Alpenregion Tegernsee Schliersee, der sich von der Aktion auch eine Entlastung des Autoverkehrs erhofft, der gerade an den Ufern und bei der Durchfahrt in den Orten seit Jahren Probleme macht.

Alle verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz

Auf den größtmöglichen Ansturm stellte man sich auch bei der Waldbahn im Bayerischen Wald ein. Die private Bahnlinie, die zur Länderbahn gehört, verbindet Plattling mit Bayerisch-Eisenstein – inklusive eines Abstechers von Gotteszell nach Viechtach. Dort waren die Befürchtungen groß, da über Pfingsten auch noch das Volksmusikspektakel Drumherum in Regen stattfand. Hinzu kamen dann auch noch schwere Unwetter an beiden Pfingsttagen.

Mit einem Sonderfahrplan, mit allen verfügbaren Fahrzeugen und einem Appell an die Fahrgäste, sich auf den Trubel einzustellen beziehungsweise auf alternative Reisezeiten auszuweichen, versuchte man dem Andrang Herr zu werden. „Allgemeingültige Handlungsschritte für die kommenden Wochen lassen sich aus diesem absoluten Ausnahme-Wochenende schwerlich ableiten. Daher werden wir die kommenden Wochen weiterhin genau beobachten und auf dieser Grundlage entscheiden,“ sagt Michael Pfeffer vom Marketing der Länderbahn in Viechtach.

Wie das Projekt 9-Euro-Ticket weiter gehen wird, weiß niemand so genau. Es dürfte schwer prognostizierbar sein, ob mehr Bahnneulinge auf den Geschmack kommen oder ob eute angesichts des Trubels wieder mehr auf das Auto ausweichen. „Ich fürchte, dass es ein kurzer Hype sein wird, der uns langfristig nicht weiterbringen wird,“ meint dazu Arnulf Schuchmann von der Bayerischen Regiobahn. (Georg Weindl)

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