Kommunales

Überleben in den drohenden 40-Grad-Sommern ab Mitte des Jahrhunderts: Innerstädtische Grünflächen sollen erhalten und ausgebaut und mit widerstandsfähigen Stadtbäumen ausgestattet werden. (Foto: Stumberger)

14.09.2018

Stadtgrün schaffen für die Hitzesommer

Andere Baum- und Pflanzenarten, eine effektivere Bewässerung: Die bayerischen Kommunen arbeiten aktuell an vielen Maßnahmen

Für Anneliese S. war es diesen Sommer zu viel. „Ich halte diese Hitze nicht mehr aus“, stöhnte die 64-jährige Münchnerin, als im August das Thermometer auf ihrem Balkon locker über die 35-Grad-Grenze kletterte. Deutschland litt wochenlang unter einem Hochdruckgebiet mit Wärmerekorden, bis schließlich der Regen etwas Abkühlung brachte. Bis dahin waren freilich vielfach die Nutzpflanzen auf den Feldern verdorrt, die Bauern forderten staatliche Hilfen. Experten gehen davon aus, dass der Klimawandel sich weiterhin in sehr heißen Sommern bemerkbar machen wird und die bayerischen Städte und Kommunen sind dabei, sich diesem Wandel anzupassen.

Zum Beispiel durch das Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“ unter der Regie der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau im unterfränkischen Veitshöchheim. Deren Motto lautet „Neue Bäume braucht das Land!“ – und dabei geht es um den Austausch heimischer Pflanzen durch widerstandsfähigere Gewächse. Denn dieses Klimawandel-Projekt beschäftigt sich mit der Problematik, dass einige der gängigen Stadtbaumarten immer stärker unter den zunehmend wärmeren und trockeneren Sommern und unter neu eingewanderten Schädlingen und Erkrankungen leiden. Das führt dazu, dass sie in vielen Fällen den ästhetischen Ansprüchen an einen Straßenbaum nicht mehr genügen, zu einer Gefährdung werden oder gar gänzlich absterben.

Pflanzen aus Südeuropa und Asien werden getestet

So werden nun in den Städten Würzburg, Hof und Kempten (sie stehen für drei verschiedene Klimazonen in Bayern) „zukunftsträchtige“ Baumarten aus dem (süd-)osteuropäischen, aber auch nordamerikanischen und asiatischen Raum angepflanzt um zu sehen, ob sich diese Bäume besser gegen den Klimawandel behaupten können.

Ergänzend dazu existiert seit 2010 das bayerische Netzwerk „Klimabäume“, bei dem in 27 Kommunen robuste Baumarten gepflanzt werden. Neben Coburg, Deggendorf und Augsburg ist auch Ingolstadt mit dabei. „Bei uns merkt man, dass es für die Straßenbäume immer schwieriger wird, sich den klimatischen Veränderungen anzupassen“, sagte Renate Preßlein-Lehle, Ingolstadts Referentin für Stadtentwicklung, im Jahr 2017 anlässlich eines Symposiums zur Zukunft der Bäume.

So werden in Ingolstadt durch das Gartenbauamt jetzt neue Baumarten gepflanzt – zum Beispiel 35 Hopfenbuchen in einem Gewerbepark. Während heimische Arten wie Birken, Linden oder Ahorn die Hitze nicht gut überstehen und nicht mehr austreiben, sollen nun die Versuchsbäume zeigen, ob sie besser mit hohen Temperaturen zurechtkommen. Zu den neuen Bäumen gehören neben der Hopfenbuche zum Beispiel die Silberlinde aus Südosteuropa, der Ginkobaum aus Asien oder der Amberbaum aus Nordamerika.

Das Pflanzenprogramm ist freilich nur ein kleiner Ausschnitt aus diversen Konzepten zur Anpassung von Stadt und Mensch an das Klima der Zukunft. Die bayerische Landeshauptstadt München etwa entwickelt seit 2013 unter der Federführung des Referats für Gesundheit und Umwelt ein Maßnahmenkonzept zur Anpassung an den Klimawandel. Ausgegangen wird dabei von einem Anstieg der Durchschnittstemperatur und einer Zunahme der Hitzehöhepunkte, außerdem von einer Zunahme der heißen Tage und der Nächte mit einer Temperatur von über 20 Grad Celsius.

Erwartet wird auch die Zunahme von heftigen Regenfällen. 2016 hat der Münchner Stadtrat schließlich einen Maßnahmenkatalog zur Anpassung der Stadt an das veränderte Klima beschlossen. So soll das Thema nun in die Stadtplanung miteinbezogen werden, Grünflächen sollen erhalten und ausgebaut werden und – siehe oben – mit widerstandsfähigen Stadtbäumen ausgestattet werden. Für Privatgrundstücke soll es diesbezüglich Fördermittel geben und auch die Dächer begrünt werden.

Öffentliche Plätze und Fußgängerzonen sollen mit Trinkbrunnen ausgestattet werden, und die Bevölkerung an heißen Tagen mit Verhaltenstipps versorgt werden, sind bei Hitzeperioden doch ältere Menschen, chronisch kranke und Kinder besonders gefährdet. Auch die entsprechenden Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Altenheime sollen daraufhin geprüft werden, wie mit baulichen Veränderungen auf den Klimawandel reagiert werden kann.

Derartige Konzepte der Anpassung an das Klima der Zukunft sind in Bayern nicht auf die Landeshauptstadt beschränkt. Nürnberg etwa hat ein „Handbuch Klimaanpassung“ herausgegeben. Im Vorwort dazu heißt es: „Neben dem Klimaschutz müssen sich besonders Großstädte wie Nürnberg zukünftig verstärkt auch mit den Folgen der zu erwartenden klimatischen Veränderungen auseinandersetzen. Dabei geht es unter anderem um die Fragen, wie sich das Stadtklima in den nächsten 50 bis 100 Jahren entwickelt, wie Gesundheit und Lebensqualität davon beeinflusst werden und wer von diesen Veränderungen besonders betroffen sein wird.“ Insofern gelte es, Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln, die „vorsorgend ergriffen werden müssen, damit die Ansprüche an Leben und Arbeiten in der Stadt auch zukünftig erfüllt werden können.“

Zwischen Klimaschutz und -anpassung unterscheiden

Für die Stadtverwaltung bedeutet das ebenso wie in München neue Aufgaben, Sicht- und Handlungsweisen müssten dabei überprüft werden. Dabei wird zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung unterschieden. Bei ersterem geht es um die Vermeidung oder Abschwächung von CO2-Ausstößen, bei zweiterem wird konstatiert, dass der Wandel bereits eingetreten ist und es nun um Maßnahmen zum Schutz von Mensch und Natur geht.

Auch hier gehen diese Maßnahmen etwa dahin, die Grünflächen der Stadt zu erhalten und auszubauen, erfüllen sie doch eine „klimatische Ausgleichsfunktion“, bieten also Schatten und Erholung. Oder eben durch öffentliche Brunnen trinkbares Wasser für die Bevölkerung bereitzustellen. Derartige Anpassungsstrategien der Kommunen stehen übrigens nicht im luftleeren Raum, sondern sind durch Konzepte auf Bundes- und Landesebene gestützt. So wurde bereits 2008 von der Bundesregierung die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ beschlossen, die 2009 mit der „Bayerischen Klimaanpassungsstrategie“ auf Landesebene konkretisiert wurde. (Rudolf Stumberger)

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