Kommunales

So ruhig, grün und idyllisch ist es in Freising fast nur noch auf dem Domberg. (Foto: dpa)

13.07.2018

Stau und teure Wohnungen

Die oberbayerische Stadt Freising kämpft mit dem Bevölkerungswachstum

Die Kommunen im Ballungsraum München wachsen. Zunehmender Wohnungsmangel und steigende Verkehrsströme sind die negativen Seiten dieses Wachstums. In Stadt und Landkreis Freising sind die Probleme besonders drängend.

Die Region München boomt und ein Ende des Zuwachses ist nicht in Sicht. In der Planungsregion München, die neben Stadt und Landkreis München noch sieben angrenzende Landkreise umfasst, leben nun knapp drei Millionen Menschen. Das sind über 520 Einwohner pro Quadratkilometer, fast dreimal so viele wie im bayerischen Landesdurchschnitt. Freising ist neben München eines der beiden Oberzentren der Region. Die Stadt wächst besonders stark und ist vor allem für jüngere Menschen attraktiv.

2016 hat Freising die 50 000- Einwohner-Obergrenze überschritten. Gerade Hochschule und Wissenschaftszentrum Weihenstephan, der nahe gelegene Flughafen sowie wichtige lokale Arbeitgeber wie Krones und Texas Instruments ziehen viele Arbeitskräfte an. Doch die Stadt ist mit dem Zuzug überfordert. So betonte vor Kurzem der Freisinger CSU-Ortsvorsitzende Jürgen Mieskes auf der Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung „Gegen Stau und teure Wohnungen“ auf dem Freisinger Domberg: „Seit 1990 wurden in Freising nur rund 6000 neue Wohnungen gebaut.“

Stark anziehende Nachfrage in den vergangenen Jahren


Offensichtlich wurde die Stadt von der in den letzten Jahren stark anziehenden Nachfrage überrascht. Der Neubau hält mit dem Bedarf nicht mit. Der Freisinger Bauunternehmer Andreas Adldinger: „ Für ein Ein-Zimmer-Apartment müssen aktuell in Freising schon 16 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter gezahlt werden. Für Mehrzimmer-Wohnungen mindestens zwölf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.“

Beim Neubau stößt Freising an natürliche Grenzen. Im Osten liegt der lärmintensive Flughafen, im Süden die wertvolle Naturlandschaft Freisinger Moos und im Norden und Westen teilweise schützenswerte Waldgebiete. Zudem wird das Thema Flächenfraß im Freistaat kontrovers diskutiert. Daher wird für Freising die Nachverdichtung innerhalb der Stadtgrenzen in Zukunft immer wichtiger werden. Adldinger: „Der Neubau stagniert, der Trend geht in Freising zu Renovierungen und Erweiterungen von Gebäuden.“ Wird die Nachverdichtung konsequent betrieben, so gibt es nach Ansicht von Adldinger und Mieskes durchaus die Möglichkeit, den Wohnungsmangel etwas zu lindern. Mieskes schränkt aber ein: „Nachverdichtung ja, aber nur mit Augenmaß. Der grüne Charakter der Stadt darf nicht zerstört werden.“

Innerhalb der Freisinger Stadtgrenzen gibt es noch vergleichsweise viel Grün, besonders in den Isarauen. Wenn die Grünflächen geschont werden sollen, muss aber über die Aufstockung von vorhandenen Gebäuden nachgedacht werden, soweit dies bautechnisch möglich ist. Dem stimmte Alain Thierstein, Professor für Raumentwicklung der TU München, bei der Diskussion in Freising zu: „Wir werden auch in die Höhe gehen müssen.“

Es gibt in Freising aber auch Neubauprojekte, um den Wohnungsmangel in der Stadt zu lindern. So sollen im Südwesten Freisings, in der Angerstraße, 600 neue Wohnungen auf der Fläche eines Gewerbegebiets entstehen. Vorgesehen ist eine flächenschonende Bauweise, die durch Grünanlagen auf dem Gelände ergänzt wird.

Thierstein hinterfragte in der Podiumsdiskussion, ob die Stellplatzvorgaben bei Neubauten noch realistisch sind: „Der Freisinger Stellplatzschlüssel ist zu unflexibel.“ Gerade jüngere Menschen würden zunehmend auf das Auto verzichten und auch weniger Wohnraum akzeptieren, aber sehr großen Wert auf die Nähe zu Haltestellen des ÖPNV legen. Thierstein forderte, dies auch in der Stadtplanung zu berücksichtigen. Zudem könne diese Entwicklung zu einer Verminderung des Verkehrs in der Stadt beitragen.

Zwei Umgehungsstraßen sollen helfen


Neben dem Wohnungsmangel verbinden Freising auch seine Verkehrsprobleme mit anderen Gemeinden im Münchner Umland. Der Durchgangsverkehr wächst seit Jahren. Zwei Umgehungsstraßen sollen helfen, die Stadt zu entlasten. Sehr umstritten ist die Westtangente. Bereits in den 1970er Jahren begannen die Planungen. Doch der Widerstand war massiv, besonders im betroffenen Stadtteil Vötting. Es kam 2013 zu einem Bürgerentscheid, bei dem der Antrag, den Bau der Westtangente zu stoppen, mit einer Mehrheit von 56 Prozent abgelehnt wurde. Eine neue Initiative zu einem Bürgerbegehren für die Einstellung der Bauarbeiten für drei Jahre wurde 2015 im Stadtrat abgelehnt. Im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten.

Allerdings bestehen weiterhin große Befürchtungen, dass die Westtangente keine Entlastung für Freising bringen wird, sondern sogar neuen Verkehr anzieht. Es ist wahrscheinlich, dass viele Pkw und Lkw bei Allershausen von der A9 abfahren und über die Westtangente Richtung Flughafen unterwegs sind. Dies würde aber neue Staus bedeuten, vor allem im Bereich der B11 am Südrand Freisings, wo die Umgehung endet. Weniger umstritten ist eine Umgehung im Nordosten der Stadt, deren Bau bereits begonnen hat. Ihre zukünftige Entlastungswirkung bleibt abzuwarten.

Um die Verkehrsbelastung wirklich dauerhaft senken zu können, wird Freising nicht umhin kommen, den Radverkehr sowie den ÖPNV stärker zu fördern. Vor allem die Radwegvernetzung zwischen dem Hochschulstandort Weihenstephan und anderen Stadtteilen ist wichtig, da viele Studenten zur Uni radeln. Die Freien Wähler und die ÖDP Freising haben im Stadtparlament einen Antrag zur Förderung des Fahrradverkehrs und einer flexibleren Handhabung der Stellplatzproblematik eingebracht: Bauherren, die nicht die nötige Zahl an Kfz-Stellplätzen nachweisen können, sollen die dafür notwendige Ablösesumme stattdessen für Fahrradstellplätze zahlen, zum Beispiel für ein Fahrradparkhaus am Bahnhof.

Fazit: Die Herausforderungen für die Stadt Freising bleiben groß. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob die Verantwortlichen die richtigen Lösungen für die Probleme finden. (Mathias von Hofen)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche
Wegen wiederholter Manipulationsversuche sehen wir uns leider gezwungen, „Die Frage der Woche“ als interaktives Element auf unserer Homepage einzustellen.
Auf Facebook können Sie darüber weiterhin abstimmen und diskutieren.
arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2018

Nächster Erscheinungstermin:
30.November 2018

Weitere Infos unter Tel. 089/290142--54/56 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 18 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.