Kommunales

In Regensburg gibt es aktuell 241 Ladepunkte, die meisten werden vom regionalen Energieversorger Rewag betrieben. Dazu gibt es einige wenige andere Anbieter, private Ladestationen und einen Tesla Supercharger. (Foto: dpa/Sven Hoppe)

04.09.2020

Umstrittene Top-Platzierung

Bei einem bundesweiten Ranking zur Infrastruktur für E-Autos landete Regensburg weit vorn – nicht alle finden das richtig

Der Ausbau der Ladestationen für Elektrofahrzeuge kommt auch in Regensburg voran. Die Infrastruktur für E-Mobilität der oberpfälzischen Bezirkshauptstadt erreichte sogar Platz fünf im bundesweiten Ranking des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Rankings sind mit Vorsicht zu genießen. Bei allen Vorbehalten aber zeigen sie doch prägnant – wenn auch nur grob –, wie es um die Umstände bestellt ist. Beim Ausbau der Ladesäulen für Elektromobilität schaffte es die Oberpfälzer Bezirkshauptstadt Regensburg im bundesweiten Ranking des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft unter die Top 10 auf den fünften Platz.

„Genau genommen gehört Regensburg da gar nicht hin“, sagt Stefan Sulzenbacher, Teamleiter für innovative Geschäftsmodelle beim lokalen Stromanbieter Rewag. Das Unternehmen ist mit 85 Prozent Marktanteil der größte Anbieter von Ladestationen in Regensburg. Gemessen an der Einwohnerzahl dürfte die Stadt gar nicht unter die ersten Zehn kommen.

Zu dieser Einschätzung kommt Sulzenbacher nicht aus mangelnder Wertschätzung für die gute Positionierung. „ Seien wir ehrlich, sagt er: „Der Platz fünf zeigt weniger, wie gut Regensburg die Infrastruktur für Stromer ausbaut, als vielmehr wie schlecht es um den Rest der Republik bestellt ist.“ Der hinke im Vergleich deutlich hinterher. Erfreulich sei aber, das Bayern mit rund 6353 Ladestationen das Feld im Städteranking des BDEW-Ladesäulenregisters anführe. Und auch Regensburg ist mit seinen inzwischen 241 Ladepunkten gut aufgestellt. Den Löwenanteil bietet der regionale Energieversorger mit 22 Kilowatt-Säulen an. Dazu gibt es einige wenige andere Anbieter, private Ladestationen und einen Tesla Supercharger.

"Autos schneller verkauft, als die Säulen stehen"

Ausruhen wolle man sich aber nicht auf dem 5. Platz. „E-Fahrzeuge sind mittlerweile schneller verkauft, als die Säulen stehen“, sagt Sulzenbacher. In den kommenden Jahren soll deshalb der Ausbau der Ladesäulen offensiver vorangetrieben werden. Bisher waren es bis zu 35 Stationen jährlich. In Zukunft sollen 75 neue Ladepunkte pro Jahr hinzukommen. Die Regensburger Stadtspitze weiß der Kommunale Energieversorger dabei voll und ganz hinter sich. Auch die Bundesregierung hat mit einem Konjunkturpaket zum Ausbau der Ladeinfrastruktur Anreize gesetzt.

Mehr finanzielle Unterstützung der Stadt täte dem Ausbau dennoch gut. Alles in allem kostet eine Ladestation rund 15 000 Euro“, sagt Sulzenbacher. „Ich würde mir wünschen, die Stadt würde weniger „thesaurieren“, sprich, nicht alle Gewinne abschöpfen.“ Zwei Prozent der Gewinnsumme aus der kommunalen Energiewirtschaft der Stadt (die Rewag ist zu 60 Prozent städtisch) könnten etwa in die E-Mobilität fließen. Bislang besteht die Beteiligung aus gutem Willen.

Etwas mehr als guten Willen brauchen derzeit noch alle, die sich für einen Stromer entschieden haben. Das Netzwerk für Lademöglichkeiten wächst zwar stetig und schneller. Die oft sehr unterschiedlichen Nutzungsbedingungen der Anbieter bereiten den Haltern von E-Fahrzeugen aber oft erhebliche Kopfschmerzen. Die einen akzeptieren nur Karten. Andere schalten den Strom nach einer SMS auf das Mobiltelefon frei. Immer häufiger funktioniert nur eine App. Das setzt zumindest ein Smartphone voraus. Münzbetrieb gibt es so gut wie gar nicht. Die würden auch am Freitagnachmittag noch funktionieren, nachdem Rathäuser oder Ämter geschlossen sind, in denen mancherorts die Ladekarten ausgegeben werden.

„Das ist, als würden sie an jeder Tankstelle unterschiedliche Bezahlmethoden antreffen“, sagt Petra Filbeck. Vor zweieinhalb Jahren ist sie auf einen Stromer umgestiegen. Seitdem weigert sie sich, in irgendeinen „Verbrenner“ einzusteigen. Die Entscheidung fiel leicht. Filbeck wohnt auf dem Land. In der 3000-Seelen-Gemeinde Thalmassing sei der ÖPNV zu schlecht ausgebaut. Auto ja oder nein, war deshalb keine Frage. „Lediglich die Frage nach dem Antrieb musste ich mir als Mitglied und Sprecherin der Bürger für Atomausstieg und Erneuerbare Energie (BüfA) stellen“, sagt sie.

"Ladeinfrastruktur gehört in staatliche Hände"

Gemeinsam wolle man die E-Mobilität voranbringen. Dafür wurde in Regensburg das E-Mobil Café ins Leben gerufen. Im Vier-Wochen-Takt kann man sich dort mit gleichgesinnten treffen. Insgesamt hat Filbeck an der E-Mobilität wenig auszusetzen. „Tesla, sagt sie, sei genial. Das gelte für den Ausbau der Infrastruktur genauso wie im Hinblick auf Technik und Service.

Für die regionale E-Mobilität hat die BüFA-Aktivistin dagegen noch einige Vorschläge. „Die Ladeinfrastruktur gehört in staatliche Hände“, sagt sie. So könne man auf der einen Seite das System vereinheitlichen. Auf der anderen Seite aber verhindern, dass wie im aktuellen Fall in Regensburg ein Anbieter (Inogy) alles aufkauft und die Preisarchitektur diktiert. „Inogy strebt hier das Monopol an“, sagt Filbeck. „Das sehe ich kritisch.“

Kritisch sieht sie auch den zunehmenden Einsatz von Apps. Sie bedeuten mehr Zugang zu Kundendaten und weniger Unabhängigkeit für den Kunden, klagt sie. Außerdem sei dafür immer ein Smartphone notwendig.

Die Probleme in der E-Mobilität sind nicht die Autos, sagt Filbeck, sondern die Ladestationen. Ihren E-Golf lädt sie ganz einfach an der Haussteckdose. Die 50 Ampere-Steckdose lässt zwar nur zwei Kilowatt durch. Für ihre Photovoltaikanlage sei langsames Laden ohnehin besser als die 50 Kw in 40 Minuten, die die Schnellladestationen der Rewag bieten. Viele Fahrzeughersteller bieten ohnehin nur eine geringe Ladeleistung an. Ein VW Golf lädt mit 3,4 Kw, Opel bietet immerhin 6,0 Kw. Lediglich der Renault Zoe zieht den Strom mit 22 Kw.

Auch auf eine sogenannte Wallbox kann man laut Filbeck getrost verzichten. Dafür braucht man gleich zwei Anschlüsse und eine neue Leitung. Anders als die Steckdose müsse diese auch angemeldet werden. Filbeck plädiert stattdessen für mehr Ladesäulen für Anwohner. Auch Steckdosen in Straßenlaternen kann sie sich vorstellen.

"Kein Orts- sondern ein Zeitproblem"

Die Stadt Wiesbaden bietet Anwohnern 1000 Ladesäulen. In Regensburg ist ein Neubaugebiet Vorreiter. Dort entstand ein privat finanzierter Ladesäulenpark für Elektroautos. Gut 243 Stellplätze wurden bereits im ersten Bauabschnitt mit entsprechender Technik vorinstalliert. Mehr als 60 fertige Stellplatz-Ladestationen existieren bereits in der Tiefgarage. Bei Bedarf soll Ladetechnik für 850 Stellplätze möglich sein.

Mit mehr privaten Ladestationen bekäme die E-Mobilität noch eine ganz andere Dimension, sagt Filbeck. „Das Elektroauto als Stromlieferant, wäre ideal.“ So ließen sich die Netze leicht stabilisieren. „Unser Problem bei den erneuerbaren Energien ist doch kein Orts- sondern ein Zeitproblem“, sagt sie. Die Frage ist nicht, wie Strom von einem zum anderen Ort kommt, sondern wann steht er in welchem Umfang zur Verfügung. Das E-Auto als Stromspeicher könne helfen, die Niederspannungsnetze zu entlasten. Überdimensionierte Stromtrassen wären damit hinfällig“, sagt Filbeck.

Mit der Plattform www.ladesaeulenregister.de bieten der BDEW und die Energie Codes und Services GmbH ein Serviceangebot rund um alle Fragen der Infrastruktur für Elektromobilität: Hier werden die vorhandenen öffentlichen und teilöffentlichen Ladepunkte in Deutschland erfasst. Für Ladesäulenbetreiber stehen auf der Plattform zentrale Informationen zum technischen Aufbau, der Fördermittelvergabe und Meldepflichten bereit. (Flora Jädicke)

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