Kommunales

Am alten Augsburger Wasserwerk am Hochablass wurde Wasser an einem Wehr abgeleitet. (Foto: dpa)

08.07.2019

Unesco setzt Augsburger Wassersystem auf die Welterbeliste

Das Wassermanagement der Fuggerstadt geht auf die alten Römer zurück

Bayern hat ein weiteres Weltkulturerbe. Das historische Augsburger Wasserwirtschaftssystem ist nach Ansicht der Unesco ein weltweit beispielhaftes Technikdenkmal. Bei einem zweiten Antrag hatte der Freistaat hingegen kein Glück.

Die jahrelangen Bemühungen der Stadt Augsburg für eine Ernennung zum Weltkulturerbe haben sich gelohnt: Das Unesco-Welterbekomitee entschied am Samstag in Baku in Aserbaidschan, dass das historische Wassermanagementsystem der schwäbischen Stadt auf die renommierte Liste des Welterbes gesetzt wird. Das Jahrhunderte alte Augsburger System, zahlreiche Kanäle durch die Stadt zu ziehen und Wasser dadurch optimal wirtschaftlich zu nutzen, war in diesem Jahr die deutsche Hauptbewerbung.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem "guten Tag für den Kulturstandort Bayern". Das jahrelange Engagement der Stadt sei belohnt worden. "Das ausgeklügelte System der Wasserbewirtschaftung über Jahrhunderte hat Augsburg Wohlstand gebracht. Heute steht intelligentes Wassermanagement für den nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen", betonte Söder am Sonntag. "Augsburg kann stolz sein!"

"Unvergleichbarer Schatz"

Kunstminister Bernd Sibler (CSU) verwies darauf, dass der Freistaat nunmehr mit acht Welterbestätten auf der Liste vertreten ist. Als erstes Denkmal aus Bayern war 1981 die Würzburger Residenz zum Weltkulturerbe ernannt worden, zwei Jahre später folgte die oberbayerische Wallfahrtskirche "Die Wies". Auch die Altstädte von Bamberg und Regensburg gehören heute zum bayerischen Welterbe.

Einen Rückschlag musste Bayern hingegen bei einer weiteren Bewerbung hinnehmen. Der ursprünglich aussichtsreiche Antrag, den Donaulimes in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn zum Weltkulturerbe zu erklären, scheiterte. Ungarn hatte den Antrag der vier Staaten zu den Überresten der einstigen römischen Militärgrenze kurzfristig abgeändert, das Komitee vertagte daher die Entscheidung.

Sibler bedauerte dies. "Der insgesamt rund 3000 Seiten starke Antrag war von langer Hand vorbereitet und sehr überzeugend", meinte er. Er kündigte an, es später noch einmal versuchen zu wollen, den "nassen Limes" unter Schutz zu stellen. Der Donaulimes soll das bestehende Welterbe "Die Grenzen des Römischen Reiches" ergänzen. Der Obergermanisch-Raetische Limes auf dem Festland ist schon seit 2005 Welterbe. Die Donau wurde einst von den Römern ab dem Kastell Eining, bei der niederbayerischen Stadt Neustadt/Donau (Kreis Kelheim), als Verlängerung des Grenzwalls genutzt.

Erfolgreich war hingegen der dritte Antrag, an dem die Bundesrepublik beteiligt war. Die Montanregion Erzgebirge/Krunohorí wurde ebenfalls als Weltkulturerbe anerkannt. Das historische Bergbaugebiet in Sachsen und Böhmen war gemeinsam mit Tschechien vorgeschlagen worden.

Auch Augsburg hatte gezielt auf Industrie- und Technikgeschichte gesetzt, nachdem klassische Baudenkmäler seit einiger Zeit von dem Unesco-Gremium nicht mehr so gerne aufgenommen werden. Acht Jahre lang hatte die 300 000 Einwohner große Stadt die Bewerbung vorangetrieben. "Mit der Auszeichnung des Augsburger Wassermanagement-Systems als Weltkulturerbe würdigt die Unesco einen unvergleichlichen Schatz, den die Stadt seit ihrer Stadtgründung birgt", sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU).

Die Römer hatten Augsburg vor mehr als 2000 Jahren als einen ihrer wichtigsten Stützpunkte nördlich der Alpen gegründet. Schon damals führten sie mit Leitungen Wasser in die Stadt. "Die Lage Augsburgs am Zusammenfluss von Lech und Wertach ist kein Zufall, sondern strategisch wohl überlegt", betonte Gribl. "Ihre gesamte wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung hat Augsburg dem Wasser beider Flüsse wie auch den reichlichen Trinkwasservorkommen im Stadtwald zu verdanken."

Augsburg hat in der Bewerbung insbesondere die Bedeutung der alten Lechkanäle im alten Handwerkerviertel dargelegt. Dort wurden die Wasserläufe früher genutzt, um mit Wasserrädern Maschinen anzutreiben. Ein weitereres Denkmal ist das rund 600 Jahre alte Wasserwerk am Roten Tor, nach Angaben der Stadt das älteste bestehende Wasserwerk Mitteleuropas. Auch mehrere prachtvolle Brunnen, historische Wassertürme sowie Wasserkraftwerke waren Teil des Antrags, der insgesamt 22 solche Stätten auflistete.

Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, lobte ebenfalls den Erfindergeist hinter dem ausgeklügelten Augsburger Wassersystem. "Noch lange bevor die Medizin belegen konnte, wie wichtig Hygiene für unsere Gesundheit ist, gab es in Augsburg seit 1545 eine strikte Trennung von Brauch- und Trinkwasser", betonte sie. (Ulf Vogler, dpa)

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