Kommunales

Ein urlaubendes Paar betrachtet von der Archenkanzel aus den Königssee. Schön ist es zwar – aber touristisch wird im benachbarten Salzburger Land mehr geboten. (Foto: dpa/Angelika Warmuth)

27.05.2022

Viel zu still ruht der Königssee

Die zahlreichen Projekte zur Ankurbelung des Tourismus sind ins Stocken geraten – auch weil der Bund Naturschutz vieles blockiert

Aufbruchstimmung machte sich vor einigen Jahren breit im Berchtesgadener Land, als einige Unternehmer*innen aus dem österreichischen Land Salzburg große Investitionen ankündigten. Angefangen hatte es mit dem Hotelier Peter Hettegger aus dem Pongau, der mitten in Berchtesgaden das Vier-Sterne-Hotel Edelweiss baute und damit deutliche Akzente setzte.

In der südostbayerischen Hotellerie hat sich bis dahin nicht viel getan. Die einstigen Prestigehäuser Berchtesgadener Hof und Geiger waren längst verfallen beziehungsweise abgerissen. Die Luxusherberge am Obersalzberg – einst Domizil von Adolf Hitler – galt viele Jahre als Zuschussbetrieb für den Besitzer, die Bayerische Landesbank. Rund um Berchtesgaden und dem Königssee – einst eine Nobeldestination – fehlte es an Premiumangeboten für zahlungskräftige Kundschaft. Die wich dann eben ins Salzburger Land aus, beispielsweise an den Mondsee.

Doch das sollte anders werden. Hettegger und seine Landsleute – der Bauunternehmer Georg Hinterleitner aus St. Johann im Pongau und Martin Harlander aus Schwarzach – engagierten sich beim Neubau der Jennerbahn, halten dabei deutlich über 50 Prozent an der Berchtesgadener Bergbahn AG.


Ökos verhinderten auch den Wiederaufbau der Bobbahn

 

Für Aufsehen sorgten dann Pläne von Harlander, nur wenige hundert Meter neben der Jennerbahn am Königsseeufer bei der Anlegestelle der Schifffahrt einen großen Hotelkomplex mit insgesamt rund 600 Betten zu realisieren. Die ursprünglichen Pläne sahen vor, dass dort neben einem Vier-Sterne-Superior-Hotel, einem Hotel für jüngeres Publikum, ein Restaurant, ein Gasthaus sowie ein Sportgeschäft und eine Markthalle entstehen sollen. Insgesamt sollte dafür ein Budget im gehobenen zweistelligen Millionenbereich vorgesehen sein.

Anfangs war die Zustimmung unter der örtlichen Bevölkerung und in der Kommunalpolitik groß. Schließlich waren die reichlich in die Jahre gekommenen Verkaufsstände und Lokale rund um die Schiffsanlegestelle vielen Leuten ästhetisch ein Dorn im Auge. Doch bald regte sich Widerstand – vor allem vonseiten des in der Region mächtigen und einflussreichen Bund Naturschutz. Dessen Kreisvorsitzende Rita Poser bekundete, sie fände das Projekt „zu groß, zu hoch und insgesamt unpassend zu den vorhandenen Bauensembles mit Denkmalschutz“.

 

Normenkontrollantrag beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof



Die Folge war, dass der Bund Naturschutz Bayern und der Landesbund für Vogelschutz beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einen Normenkontrollantrag einreichten. Man kritisierte generell die „massive Bebauung“ und dazu zahlreiche „Mängel“ wie etwa eine angeblich unzureichende Berücksichtigung des Hochwasserschutzes.

Der nächste Schritt ist nun ein Planfeststellungsverfahren, das sich allerdings in die Länge ziehen wird. Der Schönauer Bürgermeister Hannes Rasp (CSU) ist darüber nicht begeistert, sieht für die Realisierung des Neubaus deutliche Verzögerungen. Ähnlich äußert sich auch Toni Graßl, Inhaber einer auf Outdoor spezialisierten Eventagentur: „Unsere Region braucht dringend zusätzliche Gästebetten. Schließlich ist der Tourismus hier unsere Haupteinnahmequelle.“

 

BNer arbeiten oft in gut dotierten Staats-Jobs



Beim Bund Naturschutz, wo viele Mitglieder gut dotierte Jobs im öffentlichen Dienst haben, ficht dieses Argument aber nur wenige an. In Berchtesgaden ist der Bund Naturschutz jedenfalls sehr aktiv und stemmt sich gegen etliche neue Projekte. Alles soll gefälligst so bleiben, wie es schon immer war. Erfolgreich war etwa die Klage gegen den Plan des Bauunternehmers Harlander, die von ihm erworbene Villa Schön in nächster Nachbarschaft zum Nationalparkzentrum Haus der Berge in einen Neubau mit 26 Wohnungen zu verwandeln. Davor stand die alte Villa mehrere Jahre zum Verkauf, es gab aber kaum Interesse daran.

Das Landratsamt in Bad Reichenhall genehmigte die Baupläne von Harlander. Der Bund Naturschutz klagte dagegen vor dem Verwaltungsgericht und war erfolgreich. Nun wird vorerst nicht abgerissen und neu gebaut. Dafür hat die Nationalparkverwaltung die alte Villa angemietet und nutzt sie als Wohn- und Arbeitsraum für Praktikant*innen.

Derweil hat der Bund Naturschutz weitere Objekte zum Verhindern im Visier. Da ist zunächst der Wiederaufbau der Kunsteisbahn Königssee, die nur wenige Meter vom Seeufer entfernt ist und im Juli 2021 von Murenabgängen bei einem schweren Unwetter schwer beschädigt wurde. Auf mehr als 50 Millionen Euro wurden die Wiederaufbaukosten geschätzt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der damalige Bundesfinanzminister und heutige Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatten Unterstützung für den Wiederaufbau zugesagt. Für den Bund Naturschutz ist das aber eine „sinnlose Maßnahme“, denn die geologischen Bedingungen seien dort zu riskant.


Sogar die Bundespolizei soll vertrieben werden

 

Auch mit der Bundespolizei liegt der Bund Naturschutz im Clinch. Denn die Sicherheitsbehörde will ihr Ausbildungszentrum bei der Kührointalm auf 1420 Metern Höhe direkt zu Füßen des Watzmanns an die öffentliche Trinkwasserversorgung anschließen und erweitern. Ähnliches hat man auch bei der Blaueishütte oberhalb von Ramsau auf knapp 1700 Metern Höhe vor. Für den Bund Naturschutz alles „zweifelhafte Pläne“, gegen die man vorgehen will – nicht gerade zur Freude der Touristiker. „Die Vertreter des Bund Naturschutz sind sehr umtriebig und vertreten offensichtlich die Meinung, dass gar nichts mehr gebaut werden darf“, schimpft Thomas Hettegger, Chef der Berchtesgadener Bergbahn AG, zu der die neue Jennerbahn gehört.

Doch nicht alle touristisch relevanten Projekte erfahren den Unmut der Naturschützer. Keinen Ärger gab es beim Neubau des Kulturhofs Stanggass im gleichnamigen Ortsteil von Berchtesgaden. Das mit den natürlichen Materialien Holz und Lehm erbaute Hotel ist auch Kulturzentrum und Eventlocation. Erbaut worden ist es an der Stelle, wo einst das viele Jahre leer stehende und teils abgebrannte Fünf-Sterne-Hotel Geiger stand.

 

Für den Gesinnungsgenossen von den Grünen gelten freilich andere Maßstäbe



Bauherr ist der Arzt und Medizin-Unternehmer Bartl Wimmer. Der ist nun zufällig auch Kreisrat bei den mit dem Bund Naturschutz eng verbandelten Grünen und obendrein Vorsitzender des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, der für die touristische Vermarktung zuständig ist.

Wimmer ist vor allem Gründer und Mitinhaber des international tätigen medizinischen Laborunternehmens Synlab, das in Zeiten von Corona sehr gute Geschäfte mit einschlägigen Tests macht. So ist es auch nachvollziehbar, dass Wimmer genügend Budget hat für zahlreiche Anschaffungen wie die Klinik Schönsicht am Oberkälberstein oder die Villa Arkania direkt neben dem neuen Kulturhof. Zu seinen aktuellen Akquisitionen gehört auch die Neubichler Alm bei Piding. Das leer stehende Berghotel soll als touristischer Betrieb weitergeführt werden. Vom Bund Naturschutz kommt dagegen allerdings nicht der Hauch eines Einwands.

Genaues ist freilich noch nicht offiziell. Das liegt vielleicht auch daran, dass Wimmer auch schon öffentlich seinen Unmut über die seiner Meinung nach träge Arbeitsweise des Landratsamts bei neuen Projekten geäußert hatte. (Georg Weindl)

 

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