Kommunales

Spaß bei der Arbeit (von rechts): Die Beschäftigten Philipp Götz und Sonja Scheuplein freuen sich, wenn Geschäftsführer Dieter Körber bei der Verwertung von Kupfer mit anpackt. (Foto: Mainfränkische Werkstätten)

08.06.2018

Vielfältige Teilhabemöglichkeiten

Die Mainfränkischen Werkstätten bieten Menschen mit Behinderung Arbeit in unterschiedlichen Branchen

Die Inklusion ist in Unterfranken bereits ein deutliches Stück Weg vorangekommen. Die Vielfalt der Teilhabemöglichkeiten durch den Fachdienst „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“ nahmen jetzt Vertreter des Bezirks und der Mainfränkischen Werkstätten in Augenschein.

Für Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel war die Besichtigungstour unlängst mit „Stopps“ in den Landkreisen Würzburg und Kitzingen auch ein Beleg für das offene Ohr, das der Bezirk dem Thema Inklusion entgegenbringe. Er sei stolz darauf, dass es gelungen sei, mit Blick auf dieses Ziel „fundamentale Veränderungen“ herbeizuführen. „Es gibt in Bayern nichts Vergleichbares“, sagte Dotzel mit Blick auf die zahlreichen Kooperationen zwischen Sozialverbänden und der Sozialverwaltung des Bezirk Unterfranken.

Dieter Körber, Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten, betonte insbesondere die Bedeutung von Arbeit „als Zeichen selbstständigen Lebens“. Der Fachdienst „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“, den der Unternehmensverbund Mainfränkische Werkstätten vor zweieinhalb Jahren mit Unterstützung des Bezirks gestartet habe, sei ein „Vorreiter in Bayern“. Mittlerweile verfüge der Fachdienst über ein Netzwerk von mehr als 200 Unternehmen in Unterfranken. Vor allem seien 54 Kooperationen mit Betrieben aus der Region entstanden, in denen INklusiv-Mitarbeiter sozialraumgerechte Arbeitsmöglichkeiten fänden.

Auf die Unterstützung der Wirtschaft kommt es an


Einer von ihnen ist Stefan Falk. Der junge Rollstuhlfahrer arbeitete nach seiner Ausbildung erst einmal in einer Werkstätte. Aber dem gelernten Bürokaufmann stand der Sinn nach mehr. Er ergriff die Chance und wurde in der EDV-Abteilung weitergebildet und qualifiziert. Zudem ist er „zuverlässig und flexibel“, wie seine Inklusionsbegleiterin Heike Bieber bestätigt. 2016 bekam er die Chance zu einer Probearbeit in der Arche gGmbH. Mittlerweile hat er hier eine feste Anstellung gefunden.

Sichtlich mit sich und der Welt zufrieden beschreibt Stefan Falk der Besuchergruppe im Café Drei Eichen im Würzburger Stadtteil Rottenbauer, was so alles zu seinen Aufgaben gehört: Anrufe entgegennehmen, Notizen aufschreiben, Akten verwalten, Formulare bestellen, Kopien anfertigen, die Post holen und vieles mehr.

Den Mainfränkischen Werkstätten war das Engagement der Arche ein Stück Schiene wert. Den schmalen Gleis-Abschnitt erhalten Unternehmen, die sich an „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“ beteiligen als symbolische Anerkennung für ihr Engagement, „weil viele kleine Schienenstücke eine lange Strecke ergeben“, wie Dieter Körber bei der Übergabe der Auszeichnung an den Leiter der Arche gGmbH, Rolf Müßig, betonte. Professor Ulli Arnold, der Aufsichtsratsvorsitzende der Mainfränkischen Werkstätten, ergänzte in diesem Zusammenhang, dass der Erfolg der Aktion auch davon anhänge, ob die Wirtschaft zur Unterstützung bereit sei.

Ein reiches Betätigungsfeld für Menschen mit Behinderung bieten die Mainfränkischen Werkstätten mit ihren „Grünen Dienstleistungen“. Grünflächenpflege, Pflanz- und Pflegearbeiten, Erd- und Saatarbeiten, Baum- und Gehölzschnitt, Baumfällung und Rodungsarbeiten, Neu- und Umgestaltung, Pflaster- und Plattenbeläge sowie Trockenmauerbau zählen zu den Serviceleistungen dieser Betriebssparte mit Standorten in ganz Unterfranken.

Unweit von Kitzingen besichtigten die Vertreter des Bezirks und der Mainfränkischen Werkstätten das dortige Imkerei-Zentrum der Werkstätten. Menschen mit und ohne Behinderung betreuen hier die zahlreichen Bienenvölker und ernten nach ökologischen Richtlinien exzellenten Honig.
Marc Urban, professionell im weißen Mantel und passender Haube gekleidet, blieb den Bezirksräten keine Antwort schuldig auf deren Fragen rund um die Gewinnung und ums Schleudern des Naturprodukts. Der letzte Besichtigungspunkt der Rundfahrt drehte sich ebenfalls um ein traditionelles Natur-Produkt: Auch der Staatliche Hofkeller in Würzburg stellt nämlich einen inklusiven Arbeitsplatz bereit. (Markus Mauritz)

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