Kommunales

Nicht nur die materielle Kultur mit den historischen Gebäuden spielt im Freilandmuseum eine Rolle, sondern auch die immaterielle Kultur wie beispielsweise überliefertes Wissen zu alten Handwerkstechniken. (Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim/Lisa Baluschek)

11.05.2023

Wässern, Brauen, Bauen

Fränkisches Freilandmuseum feiert den Tag des immateriellen Kulturerbes

Was haben die bayerische Brautradition, die überlieferte Bewässerung von Wiesen in Franken und die Erhaltung der historischen Baukultur im Altmühlgebiet gemeinsam? Sie stehen allesamt im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, sind im Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim höchst präsent und stehen neben anderen Bräuchen und Traditionen im Mittelpunkt des am 14. Mai stattfindenden „Tag des immateriellen Kulturerbes“.

Hintergrund: Vor 20 Jahren wurde in Paris das Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes verabschiedet. Vor zehn Jahren trat die Bundesrepublik Deutschland dem Abkommen bei und auch das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes wurde geschaffen. Die zentrale bayerische Veranstaltung zu diesem Jubiläum wird vom Fränkischen Freilandmuseum gemeinsam mit dem bayerischen Finanz- und Heimatministerium am Sonntag, 14. Mai 2023, in Bad Windsheim ausgerichtet.

Das immaterielle Kulturerbe umfasst über Generationen hinweg überlieferte Bräuche, Musik, Theater, Tänze, Feste und Esskulturen, traditionelle Handwerkstechniken und das Wissen im Umgang mit der Natur. Im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes sind mittlerweile 144 Kulturformen verzeichnet. Das Bayerische Landesverzeichnis weist aktuell 69 Einträge auf – wobei viele der dort eingetragenen kulturellen Ausdrucksformen nach Prüfung durch ein Fachkomitee auf Bundesebene auch auf der Bundesliste erscheinen.

 

Aktuell 678 Einträge aus 140 Ländern


Die sogenannte Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der Unesco enthält derzeit 678 Einträge aus 140 Ländern, darunter sieben Einträge aus Deutschland, beispielsweise die Bauhütten, die Genossenschaftsidee und -praxis, den modernen Tanz, die Flößerei und den Blaudruck. Dabei geht es nicht um nostalgischen Traditionalismus und ein starres Festhalten am Althergebrachten, sondern um einen reflektierten, aber lebendigen Umgang mit einem Erbe, das auf der Grundlage eines historischen Kernes durchaus weiterentwickelt werden kann. Mit dem Freilandmuseum verbindet man vorrangig materielles Kulturerbe – die zahlreichen historischen Bauernhäuser, die Möbel in den Stuben und Kammern, die Ackergeräte in den Scheunen, die alten Traktoren und vieles mehr.

Doch auch das immaterielle Kulturerbe spielt keine unbedeutende Rolle im Museum, vor allem traditionelle Handwerkstechniken und überliefertes Naturwissen sind hier vielfältig vertreten – wie etwa die Karpfenteichwirtschaft, die Schafhaltung, das Büttner- oder das Flechthandwerk, das Handweben, die Dörrobstherstellung, das Bierbrauen, die Wiesenbewässerung und die Erhaltung der traditionellen, mit Kalkplatten gedeckten Jurahäuser im Altmühlgebiet.
Zu diesen im Bayerischen Landesverzeichnis und im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragenen Kulturformen – die Wiesenbewässerung ist derzeit sogar Kandidatin für die Repräsentative Liste der Unesco – wird im Freilandmuseum noch weitere, nicht gelistete historische Handwerkskunst vermittelt, so beispielsweise die traditionelle Produktion von Ziegeln und von Kalkmörtel.

Kommenden Sonntag wird im Freilandmuseum gefeiert: Nach der feierlichen Eröffnung mit Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) auf dem Dorfplatz präsentieren sich über 40 Gruppen und Vereine aus ganz Bayern und gestalten ihr immaterielles Kulturerbe, von der Landshuter Hochzeit 1475 über die Limmersdorfer Lindenkirchweih bis zum Drechslerhandwerk. Theaterstücke, Handwerksvorführungen, Mitmachstationen und Infostände bestimmen auf dem gesamten Museumsgelände das Programm und zeigen, wie lebendig und bunt das immaterielle Kulturerbe in Bayern sich darstellt. (Herbert May)


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