Kommunales

Ländliche Entwicklung durch Dorferneuerung und Flurneuordnung ist eine Schwerpunktaufgabe der bayerischen Politik. (Foto: dpa/Nicolas Armer)

24.06.2022

Wie soll’s weitergehen in Bayerns Dörfern?

Fachtagung der Verwaltungen für ländliche Entwicklung

Ländliche Entwicklung durch Dorferneuerung und Flurneuordnung ist eine Schwerpunktaufgabe der bayerischen Politik. Die Verbesserung der Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum werden in Bayern mit derzeit über 2100 Projekten erkundschaftet. Hinzu kommen über 100 Projekte der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE), in denen die Entwicklung der Region gemeindeübergreifend vorbereitet und koordiniert wird.

Die Verwaltung für Ländliche Entwicklung hat zwar bewährte und flexible Instrumente, mit denen sie auf aktuelle Herausforderungen reagiert. Die ländlichen Räume jedoch ganzheitlich und in ihrer Vielfältigkeit optimiert zu entwickeln – auch mit dem Augenmerk auf Nachhaltigkeit – wird zunehmend komplexer.

Nach zwei Jahren der Pandemie, einhergehend mit einem Verzicht auf einen Austausch vis-à-vis, trafen sich kürzlich politisch Verantwortliche, Expert*innen und Leute aus der Praxis unter dem Motto „Land Gemeinsam Gestalten“ zur Fachtagung 2022 in Erding. Eingeladen hatte Michaela Kaniber (CSU), Bayerns Landwirtschaftsministerin – die das Thema zuletzt und mit Billigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) – trotz der Zuständigkeit von Wirtschafts- und Heimatministerium – immer stärker an sich gezogen hatte. Es wurden Lösungsansätze vorgestellt, Praxisbeispiele diskutiert und für die notwendige Auffrischung des gemeinsamen Networkings gesorgt. Neben etwa 300 anwesenden Gästen waren über 400 Interessierte online zugeschaltet.

Erbitterter Kampf um das knappe Fachpersonal

„Die Aufgaben wachsen immens“, so Franz Dirnberger, Geschäftsführer des Bayerischen Gemeindetags. Es sei nicht nur der demografische Wandel, der mitunter zu einem „kommunalen Darwinismus“ führe – etwa beim Kampf um das Fachpersonal. Hinzu kommen Flächenversiegelung und der Klimawandel, der sich in Bayern vor allem mit immer mehr Starkregenereignissen und Hochwasser bemerkbar macht. Zwar sei das Ziel: Bayern klimaneutral bis 2040 – „so gut wie nicht einzuhalten“, gibt Dirnberger zu bedenken. Dennoch sollte die Energiewende auf dem Land so schnell wie möglich vorangetrieben werden. Eine „Post-Corona-Gesellschaft“ sei keine Perspektive für die Dörfer – im Gegenteil, sie müssten wieder ein „Sehnsuchtsort“ werden: „attraktiv und lebenswert, damit sich die Menschen dort nicht abgehängt fühlen“, fordert der Verbandsgeschäftsführer.

Eine Möglichkeit, die Resilienz gegen eine solche Entwicklung zu stärken, stellt das Programm ILE dar, glaubt Leonard Rill. In seinem Vortrag nimmt der Leiter der Verwaltung für Ländliche Entwicklung Bezug auf den anwesenden Ehrengast, den emeritierten TUM-Professor und Ehrenpräsident der Akademie ländlicher Raum, Holger Magel. Er sei „der Urvater der modernen bayerischen Landentwicklung“.

Es sei „überlebensnotwendig“, dass die Verwaltungen mit Universitäten und Unternehmern zusammenarbeiten“, ist Rill überzeugt. Örtliche Mittelständler könnten zur Stärkung der Regionen und des Gemeinwesens beitragen. Die Digitalisierung erfahre gerade eine Stärkung durch die Pandemie – müsse aber im Sinn von „smarten Dörfern“ weiter ausgebaut werden. Der Stopp des Personalabbaus in den Verwaltungen sei geboten, um das „Abfließen expliziten Fachwissens“ zu verhindern, fordert Rill.

Soziales und kulturelles Leben stärken

Ziel der interkommunalen Zusammenarbeit ist es vor allem, die Ortskerne als Zentren des sozialen und kulturellen Lebens zu stärken – also auch im analogen Leben eine Plattform zu Dialog und Austausch zu haben. Deshalb startet ab Herbst dieses Jahres die Bayerntour 2022/23. Ein professionelles Wandertheater wird – wie bereits 2018 – ländliche Gemeinden besuchen. Im Mittelpunkt des Kulturangebots steht der Klassiker Hamlet, eine Anregung, um zur Überlegung anzustoßen, dass sich erst dann etwas ändert, wenn jeder selbst etwas unternimmt. Das Ensemble zeigte während der Fachtagung eine erste Kostprobe der Inszenierung.

Shakespeare, der zum „selber Handeln“ ermutigen soll, schlug dann auch die Brücke zum Vortragskomplex mit zahlreichen Praxisbeispielen – wie Berichte über ein Projekt in Haunersdorf, wo ein leer stehendes Wirtshaus neu belebt wird; über das Nahversorgungszentrum Ingenried, das wohnortnahes Einkaufen ermöglicht; das Nahwärmenetz Hofham, ein exemplarisches Modell für den Einsatz von erneuerbaren Energien der Zukunft; und das Brucker Moor, wo Klimaschutz durch Moorbodenschutz sowie eine Initiative für Gewässer- und klimaangepasste Landschaften praktiziert wird.

Abgerundet wurde die Vortragsreihe durch Ralf Wolkenhauer, Leiter der Unterabteilung Ländliche Entwicklung“ im Bundesagrarministerium, der einen Ausblick auf die politischen Weichenstellungen auf Bundes- und EU-Ebene gab. Ob diese Weichenstellungen den Kommunen tatsächlich etwas bringen? Abwarten.
(Rebecca Koenig)

 

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