Kommunales

Den beiden Buben macht der Besuch ihres Kindergartens sichtlich Spaß. Manchen Eltern vergeht die gute Laune beim Blick auf die Gebührentabelle. (Foto: dpa/Monika Skolinowska)

08.03.2019

Wir müssen weiter zahlen

München will die Kindergartengebühren abschaffen – die anderen bayerischen Großstädte lehnen einen solchen Schritt bislang ab

Vielen Münchner Eltern dürfte ein Stein vom Herzen fallen. Schließlich sind die bislang hohen Kindergartengebühren trotz einer Staffelung nach Einkommen angesichts horrender Mieten oft eine immense Belastung. Verdient etwa ein Paar mit zwei Kindern im Alter von zwei und fünf Jahren gemeinsam 56 000 Euro brutto im Jahr, muss es bislang 278 Euro für eine acht bis neun Stunden dauernde Krippenbetreuung zahlen. Hinzu kommt dann neben den Verpflegungsgebühren für beide Sprösslinge noch die Kindergartengebühr in Höhe von 166 Euro für den Fünfjährigen.

Doch letztere schafft die Stadt München mit Wirkung zum September ab. 12,5 Millionen Euro wird der dann für alle städtischen Kindergärten kostenlose Einrichtungsbesuch den Kämmerer pro Jahr kosten. Möglich ist dieser Schritt auch deshalb, weil der Freistaat künftig den Besuch eines Kindergartens stärker fördert. So erhalten Eltern ab April 2019 während der gesamten – meist dreijährigen – Kindergartenzeit ihrer Kinder ab drei Jahren 100 Euro pro Monat und Kind. Bisher förderte der Freistaat nur das letzte Kindergartenjahr mit dieser Summe.

Doch wie sieht es in den sieben anderen bayerischen Großstädten aus? Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Ingolstadt, Würzburg Fürth und Erlangen wollen nach derzeitigem Planungsstand an der Gebühr festhalten. Das ergaben Anfragen der Staatszeitung bei den jeweils dort zuständigen Behörden. Die Eltern werden dort allerdings zumindest um bis zu 100 Euro entlastet, die künftig der Freistaat zahlt. Kostet der Kindergartenplatz mehr als 100 Euro, müssen die Papas und Mamas die Differenz bezahlen.

Stadt Nürnberg: "Wollen lieber auf Qualität setzen"

Auch dem Bayerischen Städtetag ist keine Stadt außer München bekannt, die künftig komplett auf Gebühren verzichten will. Deren Abschaffung sei schlicht zu teuer, heißt es etwa aus Nürnberg. „Wir wollen lieber in die Qualität der Einrichtungen investieren“, sagt ein Sprecher der BSZ. Er verweist darauf, dass bereits heute etwa die Hälfte der Eltern keine oder nur geringe Gebühren für den Kindergartenbesuch ihrer Sprösslinge bezahlen würden. Bis zu 150 Euro monatlich kostet der Besuch eines städtischen Kindergartens in der Frankenmetropole derzeit.

Eva Hermanns, Leiterin der Kindertagesbetreuung der Stadt Augsburg, sagt: „Wir sehen keinen Raum für eine mit München vergleichbare Regelung für die Kitas in städtischer Trägerschaft in Augsburg.“ Zum einen könne die Situation der Landeshauptstadt nicht mit der in der Fuggerstadt verglichen werden. Zum anderen gehe „vor dem Hintergrund einer wachsenden Stadt unsere gesamte Energie in Aufgabenstellungen wie etwa Rechtsansprüche zu leisten, Standorte zu erschließen und Personal zu gewinnen sowie zu binden“.

Mitunter begründen Kommunen die Maßnahme auch damit, dass von einer Komplettabschaffung vor allem wohlhabende Eltern profitieren würden. Fürth will die Gebühren derweil exakt um die vom Freistaat beigesteuerten 100 Euro reduzieren. Erlangen plant Jugendamtsleiter Reinhard Rottmann zufolge zwar nicht, die Gebühren komplett abzuschaffen – wenn die Gebühr derzeit aber nur einige Euro über den bezuschussten 100 Euro liege, könne er sich jedoch vorstellen, die Gebühr auf 100 Euro abzusenken, damit die Eltern künftig nichts mehr bezahlen müssen.

Aus Regensburg heißt es: „Eine komplette Abschaffung der Gebühren ist aktuell nicht vorgesehen.“ Dort kostet der Kindergartenbesuch bislang maximal 145 Euro im Monat. Ein Krippenplatz zwischen acht bis neun Stunden schlägt mit monatlich 540 Euro zu Buche. Diese Gebühr soll jedoch einer Sprecherin zufolge „deutlich gesenkt werden“. Der Stadtrat will sich noch vor der Sommerpause mit dem Thema beschäftigen. Krippen sollen auch in München weiterhin kosten. Doch auch dort will man die Sätze bald spürbar senken. Zunächst muss die Stadt die Mehrbelastung allein finanzieren – ab 2020 will die Staatsregierung dann auch jeden Krippenplatz im Freistaat mit 100 Euro monatlich unterstützen. (Tobias Lill)

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