Kommunales

Zu den Aufgaben von Heilerziehungspflegenden gehört es unter anderem auch, Jugendlichen mit vielfältigen Problemen bei einem geregelten Tagesablauf zu helfen – beispielsweise mit der Anleitung zum Kochen gesunder Mahlzeiten. (Foto: dpa/Patrick Pleul)

01.02.2023

"Zugangsvoraussetzungen müssen besser werden"

Heilerziehungspflegende sind wichtig für die Behindertenarbeit – es werden aber immer weniger

Ein vielseitiger Beruf, der bei der Arbeit mit Menschen mit Behinderung sehr bedeutsam ist: Heilerziehungspfleger sind in den verschiedensten Einrichtungen für Menschen mit Handicap sehr gefragt. Allerdings ist die Zahl derer, die diese Ausbildung durchlaufen, derzeit rückläufig. Das liegt vor allem an den Zugangsvoraussetzungen. Dass diese sich zum Positiven ändern sollen und dabei alle an einem Strang ziehen müssen, darüber war man sich bei einem Gespräch von politischen und schulischen Vertreter*innen am KWA-Bildungszentrum in Pfarrkirchen einig.

Der frühere langjährige Pfarrkirchner Bürgermeister Georg Riedl, inzwischen Hochschulkoordinator des European Campus Rottal-Inn, hatte verschiedene Akteur*innen zu einem Runden Tisch ins KWA-Bildungszentrum in Pfarrkirchen eingeladen. Es diskutierten neben Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich und Bezirkstagsvizepräsident Thomas Pröckl auch der Landtagsabgeordnete Martin Wagle (alle CSU) mit den Vertretenden der Schule und des KWA.

Die Abkürzung KWA steht für Kuratorium Wohnen im Alter – eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, die vielfacher Träger von Alterswohnstiften in ganz Deutschland ist. Einen Teil des Unternehmens machen aber auch Bildungseinrichtungen aus, zeigte der extra zu dem Gespräch angereiste Vorstand Horst Schmieder auf. Über 2800 Mitarbeitende seien für das Unternehmen tätig. Am KWA-Bildungszentrum in Pfarrkirchen werden derzeit über 650 Schüler*innen zu Pflegefachkräften und in anderen sozialen Berufen unterrichtet. Auch Heilerziehungspfleger*innen werden hier ausgebildet.

 

Pflichtpraktikum wird jungen Leuten nicht vergütet


Das Bildungszentrum sei erfolgreich und schreibe schwarze Zahlen – obwohl stets viel investiert worden sei, versicherten die Betreibenden den Politiker*innen. Aktuell wird ein Neubau geplant, weil das bestehende Gebäude zu klein geworden ist, erklärte Schmieder.

So erfolgreich die Schule in der Gesamtheit auch ist: Die Zahlen in der Heilerziehungspflege sind derzeit rückläufig“, bedauert Schulleiter Robert Paulus. Gerade die letzten Jahrgänge seien schwächer und es sehe nicht so aus, als würden die Zahlen künftig in die Höhe schnellen. Dies sei auch im Bayerntrend so. „Wir bieten seit 20 Jahren eine hervorragende Ausbildung – müssen aber natürlich auch schauen, wie es mit der Heilerziehungspflege weitergeht“, bilanzierte Robert Paulus.

In Pfarrkirchen werde das dreijährige Modell angeboten. Der Vorteil gegenüber dem zweijährigen Modell sei eine engere Verzahnung mit der Praxis und dass die Lernenden dann als Arbeitnehmer*innen in Unternehmen auch ein Einkommen haben. Dieses sei aber auch von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Allerdings, so schränkten Paulus und seine Kollegin, die Leiterin des Bildungszentrums, Bettina Schmidbauer, ein: Es seien gerade die Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung des Heilerziehungspflegers, die viele Interessenten im Vorfeld abschrecken. Denn es werde vorher ein zweijähriges Praktikum verlangt. Und bei diesem gibt es keine geregelte Vergütung. Trotzdem müssten die Praktikant*innen oft schon Verantwortung tragen.

 

"Viele hören schon vor dem eigentlichen Beginn wieder auf"


„Viele hören deshalb schon vor Beginn der eigentlichen Ausbildung wieder auf“, klagen die beiden Schulvertretenden. Sie fordern deshalb eine Verkürzung der Praktikumszeit auf ein Jahr und eine fachliche Begleitung in dieser Zeit, zum Beispiel durch die Fachschule. Zudem wäre es wünschenswert, wenn die Auszubildenden während ihrer schulischen Zeit – wie in anderen Ausbildungen auch – BAföG erhielten. Viele Interessierte könnten sich die Ausbildung deshalb ganz einfach nicht leisten. Olaf Heinrich, Thomas Pröckl und Martin Wagle plädierten angesichts dessen ebenfalls für verbesserte Zugangsmöglichkeiten für die Ausbildung zum Heilerziehungspflegenden und versprachen, sich im Bezirkstag beziehungsweis im Landtag dafür einzusetzen.

Derzeit entsteht in Zusammenarbeit mit den Barmherzigen Brüdern in Landshut ebenfalls eine Fachschule für Heilerziehungspflege. „Das soll der guten Arbeit in Pfarrkirchen keinesfalls Konkurrenz machen“, so Olaf Heinrich, „sondern es ist vielmehr ein Angebot für Menschen im Raum Landshut, die den Beruf gerne ergreifen möchten – aber nicht jeden Tag eine einstündige Fahrt nach Pfarrkirchen auf sich nehmen können“.

Wie der Bezirkstagspräsident erklärte, war die Lebenshilfe Landshut zunächst auf das KWA-Bildungszentrum in Pfarrkirchen zugekommen. Sie fragte dort an, ob es die Trägerschaft übernehmen wolle. Für den Bezirk – er unterstützt das Unternehmen nur mit Räumlichkeiten – sei eine Ausbildung von zusätzlichen Heilerziehungspflegenden auch in Landshut essenziell, versicherte der Bezirkstagspräsident: „Wir haben hier ein Bezirksklinikum mit eigenem Bedarf. Wir wollen uns jedoch im ganzen Regierungsbezirk dafür stark machen, dass wieder mehr Menschen diesen Beruf ergreifen. Auch in Pfarrkirchen wird eine sehr bedeutsame und segensreiche Arbeit geleistet und es ist wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen, um bessere Zugangsvoraussetzungen für den Beruf des Heilerziehungspflegers zu schaffen. Es braucht mehr Heilerziehungspfleger.“ (Melanie Bäumel-Schachtner)



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