Kultur

In der Landesausstellung "Napoleon und Bayern" in Ingolstadt ist diese Abbildung der Schlacht bei Eggmühl zu sehen. (Foto: dpa)

29.04.2015

"A guade Soss"

Napoleons Spuren im bayerischen Dialekt

Napoleon und Bayern - eine Verbindung, die nicht nur gute Erinnerungen weckt. Tausende bayerische Soldaten verloren als Verbündete Frankreichs 1812 in Russland ihr Leben. Andererseits brachte das Bündnis mit dem französischen Kaiser Bayern die Königskrone, ein vergrößertes Territorium, das bis heute Bestand hat, und die erste liberale Verfassung. Napoleon gilt als "Geburtshelfer" des modernen Bayern, woran die Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte in Ingolstadt erinnert.
Die napoleonische Ära Bayerns hinterließ aber auch im Dialekt bleibende Spuren. Zahlreiche Begriffe zeugen davon. Etliche finden sich auf der Speisekarte von Gaststätten, die sich der bayerischen Küche verschrieben haben. So gehört zu einem Schweinsbraten "a guade Soss", wie der Bayer zur Soße sagt. Wenn der Köchin oder dem Koch die "Soss" nicht gelungen ist, ist es ein Malheur - ein französisches Wort.
"Heid gibt's a Rehragout" heißt es in einem bayerischen Volkslied. Nicht jeder aber hat es mit Wildgerichten. Da ist so manchem "Schorsch" ein "Bifflamott" lieber, die Bezeichnung für die sauerbratenähnliche Speise französischen Ursprungs mit dem Namen "boeuf à la mode" (Rindfleisch nach der Mode). Der Vorname "Schorsch" indessen kommt vom französischen Georges. Zur Nachspeise isst er gerne eine "Bairisch Krem", keine Crème bavaroise. Wehe, sie ist nicht fest geworden - eine "Blamasch" (Blamage).
Die Zutaten für die "Krem" wurden womöglich in einer "oidn Schäsn" nach Hause gefahren, in einem alten Auto. Das Wort kommt vom französischen chaise für Kutsche. Vielleicht wurde zu "Bifflamott" und "Bairisch Krem" jemand von "wisawi" eingeladen. Schließlich wollen die guten Beziehungen zu den Menschen vis-à-vis gepflegt werden, wie der Franzose sagt.
Der Nachttopf ist längst passé und damit auch weitgehend eine besonders originelle Dialektform des einstigen Toilettenartikels: Lange stand unter so manchem Bett in Bayerns Schlafzimmern ein "Botschamperl" - nichts anderes als das französische pot de chambre. (dpa)

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