Kultur

Selbst bei den Harnischen für ein Fußturnier: Als Familie demonstrierte man politische Eintracht. (Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg)

10.02.2023

Aufgedeckter Propagandacoup

Wie das Coburger Fürstenhaus mit der Inszenierung seiner Prinzensöhne ums Überleben kämpfte

Ein Hotel irgendwo im Saarland. Gefühlt schon immer gehören dort zwei Gemälde aus dem späten 16. Jahrhundert zur Dekoration. Aber niemand weiß, wer die beiden jungen Herren sind, die sich den Betrachter*innen in Lebensgröße präsentieren. Bis es der Zufall 2019 arrangiert, dass eine Koryphäe für die Geschichte Coburgs dort ein Zimmer bezieht. Weil stark beschädigt und daher keine wirkliche Augenweide, können die Coburger Kunstsammlungen das Paar für nur 10 000 Euro erwerben. Noch einmal so viel kostete die Restaurierung. Und dann hat sich eine zweitklassige Antiquität in eine kleine Sensation verwandelt.

Warum die Jugendbildnisse von unschätzbarem Wert sind, seit man sie als Porträts der Coburger Erbprinzen Johann Casimir und Johann Ernst identifiziert hat, beleuchtet eine kleine, höchst umsichtig gestaltete Sonderausstellung auf der Veste Coburg.

In Auftrag gegeben wurden die Gemälde während einer der größten Krisen des Coburger Fürstenhauses. Der Vater der Dargestellten, Johann Friedrich II., war 1567 mit einem waghalsigen Plan gescheitert, die eingebüßte Kurfürstenwürde wiederzuerlangen. Er verlor alles: seine Freiheit, sein Land. Mit welchen Strategien seine Gemahlin Elisabeth zu verhindern versuchte, dass man obendrein seinen Söhnen ihr Erbrecht aberkennen würde, lag bislang weitgehend im Dunkel der Geschichte. Entscheidend ist der Kontext.
Deshalb hat Kurator Niels Fleck neben den beiden Neuerwerbungen, die Johann Casimir im Alter von 18, Johann Ernst im Alter von 16 Jahren zeigen, ein Bildnis der beiden als Kleinkind aufhängen sowie Medaillen mit Porträts der gealterten Brüder aufstellen lassen. Sofort springt ins Auge, dass sie auf allen exakt dieselbe Kleidung tragen, dieselbe Pose einnehmen. Als wären sie eineiige Zwillinge. Bisher fehlte ein Beleg, dass sich dieses Kuriosum durch das gesamte Leben der Brüder hindurchzieht.

Ein Propagandacoup – seine Botschaft: Die neue Generation zieht an einem Strang, spricht mit einer Stimme. Eine Familie, die keinen internen Streit kennt, für eine Politik des Friedens steht. So jemandem kann man ein Fürstentum getrost anvertrauen. Als die beiden Gemälde 1582 in Auftrag gegeben wurden, näherte sich der Überlebenskampf der Ernestiner einer entscheidenden Phase. Johann Casimir stand kurz vor der Volljährigkeit, wurde bald regierungsfähig. (Martin Droschke)

Information: Bis 28. Mai. Kunstsammlungen der Veste Coburg, 96450 Coburg.

Abbildungen: Als wären sie Zwillinge: Die Erbprinzen Johann Casimir und Johann Ernst von Sachsen-Coburg. (Fotos: Kunstsammlungen der Veste Coburg)

 

 

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