Kultur

Videostills aus „Once upon a time was the Future“ des Rapperduos Xuman und Keyti. (Screenshot: BSZ)

22.05.2020

Das Böse unter der Sonne

Die Münchener Biennale eröffnete mit dem hochpolitischen "Journal Rappé"

Die sogenannte neue Normalität ist ein Kompromiss und kein dauerhafter Ersatz. In der Corona-Krise offenbart sich das in der Kunst und Kultur. Da sind die zahllosen Internetstreams, die von Klangkörpern und Bühnenhäusern ausgetüftelt werden: Sie können das reale Live-Erlebnis mit Publikum nicht ersetzen. Bestenfalls kann man mit ihnen Flagge zeigen und sichtbar bleiben.
Dies ist auch der Ansatz der Münchener Biennale für neues Musiktheater. Die Eröffnung spielte sich diesmal als Online-Live-Stream ab. Dabei offenbarte sich, wie aktuell das diesjährige Biennale-Motto ist: Der „Point of New Return“ impliziert die Sehnsucht, zur Normalität zurückzukehren.

Den Mainstream brechen

Das wurde bei der Eröffnung überdeutlich. Sie profitierte vor allem vom mehrteiligen Projekt Journal Rappé. Dahinter steckt ein satirisches Nachrichtenprogramm des Duos Xuman und Keyti aus dem Senegal. Seine zehn Episoden begleiten das Biennaleprogramm bis zum 24. Mai. Mit ihrem Projekt möchten die Rapper Mainstream-Berichte über ihr Land und Afrika konterkarieren, ein Gegengewicht zu nationalen und westlichen Medien schaffen. In seiner Heimat hat das Duo damit bei der Jugend den kritischen Blick auf die politischen Zusammenhänge geschärft. Dafür nutzen sie Plattformen und Netzwerke im Internet.

Für die Biennale erarbeiten Xuman und Keyti täglich einen Videostream. Der Titel der ersten Episode lautete Once upon a time was the Future. Es geht um die Freiheit, die das Volk so sehr verdient. Dieser erste Teil war vor allem ein Ritt durch die Geschichte Afrikas und speziell des Senegals. Mit ihm sollte Verständnis beim westlichen Publikum für die Situation und die historischen Voraussetzungen geschaffen werden. Im Fokus standen Kolonialismus und Imperialismus – als Zeichen für die schonungslose, brutale Ausbeutung von Mensch und Natur. Die aktuelle Not in weiten Teilen Afrikas hat hierin ihre Wurzeln. Neben dem Sklavenhandel geht es nicht zuletzt um die „Berliner Konferenz“ von 1885, auch Kongokonferenz genannt. Zu ihr hatte seinerzeit Bismarck eingeladen, man wollte den Handel an den Flüssen Niger und Kongo klären. Die Schlussakte besiegelte indessen faktisch die spätere Aufteilung Afrikas in Kolonien.

Diese erste Episode des Journal Rappé entlarvt, wie sehr diese Geschichte bis heute in weiten Teilen Afrikas weiterlebt. Das offenbaren apokalyptische Hungersnöte, skrupellose Machthaber oder grauenvolle ethnische Konflikte. In den weiteren Episoden werden die Volkskulturen sowie Flucht und Vertreibung thematisiert.

Gerade das Projekt Journal Rappé machte deutlich, wie sehr man die Energie und Kraft dieses Duos hätte live vor Ort erleben wollen. Vorerst aber bleibt diese Biennale dynamisch und dezentral. In den nächsten 18 Monaten sollen so viele Produktionen wie möglich uraufgeführt werden: wenn nötig auch in anderen Städten. (Marco Frei)

Information und Links zu Journal Rappé: www.muenchner-biennale.de

Abbildungen:
Die Rapper Xuman (oben) und Keyti in der ersten Episode des Journal Rappé. (Screenshots: BSZ)

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