Kultur

Joana Mallwitz (hier ein Archivfoto) gab am Montag ihr Debüt beim Akademiekonzert des Bayerischen Staatsorchesters im Münchner Nationaltheater. (Foto: dpa/Hannes P. Albert)

23.04.2024

Ein Debüt mit vielen Gerüchten

Wird Joana Mallwitz neue Staatsopern-Generalmusikdirektorin in München?

Der Andrang war groß am Montag, als das Bayerische Staatsorchester im Münchner Nationaltheater zum 5. Akademiekonzert geladen hatte. Alle wollten Joana Mallwitz erleben, viele Menschen suchten noch händeringend nach einer Karte. Nun hatte die 37-Jährige zwar seit 2018 wiederholt an der Bayerischen Staatsoper dirigiert, aber noch kein Akademiekonzert. Im Rahmen dieser Reihe des Bayerischen Staatsorchesters war es ihr Debüt.

Alle Augen, das gesamte Interesse, war an diesem Montag auf die gebürtige Hildesheimerin gerichtet, denn: Seit einer Woche kursiert das Gerücht, wonach sie Vladimir Jurowski als Generalmusikdirektor (GMD) der Bayerischen Staatsoper in München beerben könnte. Besonders auffallend: Auch Kunstminister Markus Blume (CSU) wurde im Nationaltheater gesichtet. Es scheint also irgendetwas dran zu sein an dem Gerücht, dass Mallwitz spätestens 2028 nach München kommen könnte.

Bislang hat das Kunstministerium weder den Vertrag von Jurowski noch von Staatsopern-Intendant Serge Dorny verlängert. Ihre aktuellen Verträge laufen bis 2026. Das Kunstministerium kennt Mallwitz sehr gut. Von 2018 bis 2023 wirkte sie als GMD am Staatstheater in Nürnberg. Schon in dieser Funktion hat Mallwitz international viel Aufsehen erregt und das Haus nach vorne gebracht. Dafür wurde sie jetzt zur Ehrendirigentin der Staatsphilharmonie Nürnberg ernannt.

Chefdirigentin seit Herbst

Seit Herbst wirkt sie als Chefdirigentin am Konzerthaus in Berlin. Eine Sensation ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen im Sommer 2020: Sie war dort die erste Frau überhaupt, die die Premiere einer Opern-Neuproduktion dirigierte, nämlich Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart. Mozart zählt zu ihren Spezialitäten, und das offenbarte sich auch jetzt beim Akademiekonzert im Nationaltheater.

Die „Linzer Sinfonie“ Nr. 36 KV 425 kam wohltuend frisch und beschwingt daher, mit fließenden Tempi und ohne Romantisierung. Mozart ist eine wichtige Feuerprobe, denn: Er zählt, mit Richard Wagner und Richard Strauss, zu den drei Hausgöttern der Bayerischen Staatsoper. Mit Mozart hatten bereits viele Staatsopern-GMDs teils gewaltige Probleme, auch Kirill Petrenko. Der Mozart von Jurowski war deutlich besser, aber nicht so frisch und befreit wie bei Mallwitz.

Nach der Pause gab es mit Peter Tschaikowsky Sinfonie Nr. 6 „Pathétique“ ein Werk aus dem hochromantischen Kernrepertoire. Auch hier agierte Mallwitz hellhörig: mit straffen Tempi. Statt mit sentimentaler Larmoyanz auf die Tränendrüse zu drücken, haben Mallwitz und das Staatsorchester diesen Tschaikowsky vom Klischee eines Über-Pathos' befreit. Das ist schon sehr viel.

Sie wirkt vor allem im Umgang angenehmer als der bisweilen mit kühler, auch autoritärer Arroganz auftretende Jurowski. Wer macht also am Ende das Rennen? Vielleicht eine ganz andere Persönlichkeit? Eines steht fest: Auch das Bayerische Staatsorchester muss künftig darüber entscheiden können, wer GMD wird. Eine Entscheidung von oben aus dem Kunstministerium ist weder zeitgemäß noch künstlerisch verantwortlich. (Marco Frei)

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