Kultur

Detail aus "Le Violon d’Ingres" (1924) - es ist wohl die bekannteste Fotografie Man Rays. Das Model war Alice Prin alias Kiki oder Queen of Montparnass – die Muse des Fotografen und vieler anderer Künstler. Die vollständige Fotografie sehen Sie in untenstehendem Artikel. (Foto: Ahlers Collection)

27.08.2021

Erotisch aufgeladen

Die Kunsthalle Jesuitenkirche in Aschaffenburg zeigt Fotografien, Gemälde und Zeichnungen von Man Rays

Weltberühmt geworden ist Man Ray durch seine Modefotografie – vor allem aber durch seine inszenierten, erotisch reizvollen Fotografien aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Beispielhaft dafür ist ein verführerischer roter Mund über der Erde. Weniger bekannt ist er als allumfassender Künstler im Spannungsfeld von Surrealismus und Dadaismus, durch seine Ölbilder, Zeichnungen, Assemblagen, Collagen, witzig-hintersinnigen Objekte und seine experimentellen Fotogramme (Rayografien). Sein heterogenes Werk präsentiert die Aschaffenburger Kunsthalle Jesuitenkirche mit der Ausstellung Man Ray. Magier auf Papier … und der Zauber der Dinge.

Geboren wurde Man Ray in Philadelphia 1890 als Emmanuel Radnitkzy, Sohn russisch-jüdischer Eltern. Lebensstationen führten ihn nach New York und Paris, wo er 1976 starb.

Es ist kein Zufall, dass er ausgerechnet in Aschaffenburg geehrt wird: Seine kameralosen Fotografien, eigentlich aus Versehen entstanden und von ihm als ästhetischer Ansatz entdeckt, ähneln zumindest in der Herstellung den Schadografien von Christian Schad, dem bald ein neues Museum neben der Kunsthalle eröffnet wird.

Wesentlich für Man Ray war die Idee, die einem Kunstwerk zugrunde liegt, dabei ließ er sich vom Zufall leiten.

Als Erklärung für seinen Künstlernamen berief sich Man Ray auf die Wörterbuchdefinition von Marcel Duchamp: demnach sei das ein männliches Hauptwort und ein Synonym für Freude, spielen und genießen. Zugleich verweist „Ray“ auf den Lichtstrahl, der viele seiner Arbeiten bestimmte.

Bekannt wurde Man Ray durch seine meisterlichen Porträts von Frauen: mal bekleidet, mal unbekleidet, in eigens komponierten Posen. Die Bilderserie Femmes ist in der Apsis der Jesuitenkirche arrangiert, zusammen mit Le Violon d’Ingres: Die Aufnahme zeigt eine nackte weibliche Rückenansicht mit aufgemalten Schalllöchern der Violine. Ebenso in diesem Zusammenhang sieht man ein bewimpertes Auge mit gläsernen Tränentropfen und die Aktdarstellung von Meret Oppenheim hinter einer Druckerpresse.

Faszinierend fotografierte Man Ray auch berühmte Zeitgenossen wie Jean Cocteau. Sein Selbstporträt aus Bronze, das durch ein viereckiges brillenähnliches Gestell schaut, lässt wohl auf eine durch Phantasie „gebrochene“, geteilte Beobachtung der Welt schließen.

Früh schon schuf Man Ray Ölbilder und Gouachen mit starken Farben, die flächig, futuristisch-kubistisch Figuren zusammensetzen. Körper zeichnete er mit Umrissen, band sie auch in sanft getönte Lithos oder Radierungen ein.

Einen Hauptakzent legt die Ausstellung auf die Rayografien. Sie spielen mit Unschärfen, den durch Zufall abgelichteten, verschwommen und ungenau zu erkennenden Gegenständen auf einer lichtempfindlichen Oberfläche – ähnlich wie die kaum zu entschlüsselnden Strukturen in einem frühen Film. Oft stößt man bei Man Ray auf die von ihm immer wieder variierten Spiralformen. Sie gehören zu seinem Spiel mit der Wahrnehmung, ebenso wie bei den vielen Objekten, die Bekanntes oder Erotisches zitieren (beispielsweise Hommage à Priape) oder die ihren eigentlichen Nutzen ins Absurde verkehren (Le Tour). Oft weisen mehrdeutige Titel auf die Ideen zu den Motiven hin. Seine oft surreal wirkenden Objekte und Collagen verfremden das Material oder den realen Zweck der Dinge, wie etwa beim Bügeleisen oder dem Metronom. Solche Arbeiten Man Rays geben dem Brauchbaren einen neuen, wenn auch rätselhaften Sinn – letztlich sind Erscheinungen des Alltags zu Kunst erhoben. (Renate Freyeisen)

Abbildung: Le Violon d’Ingres (1924) ist wohl die bekannteste Fotografie Man Rays. Das Model war Alice Prin alias Kiki oder Queen of Montparnass – die Muse des Fotografen und vieler anderer Künstler.    (Foto: Ahlers Collection)

Information: Bis 24. Oktober. Kunsthalle Jesuitenkirche, Pfaffengasse 26, 63739 Aschaffenburg. Aktuelle Öffnungszeiten unter www.museen-aschaffenburg.de

 

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