Kultur

Eine „Morillon de Lillo“ (Detail) aus dem Halder’schen Tulpenbuch (Deutschland, drittes Viertel 17. Jahrhundert). (Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg)

22.04.2022

Exotische Blütenpracht

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg zeigt in Buchillustrationen den Siegeszug der Tulpe

Augsburg ist nicht nur Römerstadt, Fuggerstadt, Renaissance- und Barockstadt, Wasser- und Welterbestadt, Augsburg ist auch Tulpenstadt. Hier hat sich der früheste Beleg einer blühenden, aus dem Osmanischen Reich importierten Tulpe im christlichen Europa erhalten. Ihr Aussehen überliefert ein auf 1557 datiertes Aquarell aus dem Besitz des Züricher Naturforschers und Botanikers Conrad Gessner (1516 bis 1565). 1559, zwei Jahre nach Erhalt dieses Bildes aus Augsburg, sah Gessner im Garten des Augsburger Ratsherren Johann Heinrich Herwart seine erste (und einzige) blühende Tulpe in natura, beschrieb diese zum ersten Mal wissenschaftlich und publizierte sie 1561 im Druck mit einem illustrierenden Holzschnitt. 1959 wurde zum 400-jährigen Jubiläum eine Tulpe mit dem Namen Augsburg neu gezüchtet, die sich heute aber trotz intensiver Suche nicht mehr nachweisen lässt.

Wird die Zeichnung der ersten Augsburger Tulpe von 1557 heute in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg aufbewahrt, so hütet die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg unter ihren reichen Beständen dennoch wichtige Blumen- und Pflanzenbücher des 16. Jahrhunderts bis in die aktuelle Zeit. Von diesen zeigt sie derzeit bedeutende Zeugnisse der Blütezeit des Tulpenwahns im historischen Ausstellungssaal.

Die Schönheit der farbintensiven Tulpen-Aquarelle auf feinem Pergament und Papier und die Menge der schon im 17. Jahrhundert in Augsburg gehandelten Tulpenzwiebeln sind faszinierend. Selbst mit einem originalen Pflanzkübel der Augsburger Familie Andreas Scheler (1579 bis 1637) wird der bayerisch-schwäbischen Tulpomanie nachgegangen.

Im Zentrum der Ausstellung stehen bisher völlig unbekannte und nie gezeigte hochqualitätvolle, in Deckfarben gemalte Tulpenporträts aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Weitere Höhepunkte der Schau sind das auf 1615 datierte Gartenbuch des Augsburger Kaufmanns Andreas Scheler und seiner Frau Jakobina Christell mit 403 Blumenporträts, sowie die um 1640 datierbaren Tulpenbildnisse aus dem „Stammbuch“ des Augsburger Goldschmieds Daniel Preiss (um 1585 bis 1634, Meister um 1617).

Zeitgleich zur Ausstellung sollen im Vorgarten der Bibliothek Tulpen erblühen.

Sämtliche in der Ausstellung gezeigten Tulpenbilder und -bücher aus dem Besitz der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg wurden digitalisiert und sind über die Ausstellungsdauer hinaus dauerhaft online durchblätterbar. (BSZ)

Abbildung: Ausschnitt aus dem Scheler’schen Gartenbuch (Augsburg 1615), das den Scheler’schen Garten mit Tulpen zeigt. (Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg)

Information: Bis 8. Juli. Staats- und Stadtbibliothek, Schaezlerstraße 25, 86152 Augsburg. Aktuelle Öffnungszeiten unter www.sustb-augsburg.de
Zur Ausstellung erscheint im Mai ein reich bebilderter Katalog, herausgegeben von Karl-Georg Pfändtner, Wißner Verlag, Augsburg, 104 Seiten, 22 Euro. Eine virtuelle Ausstellung ist in Vorbereitung.

 

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